15.10.2020 16:00

«Sehr hohe Rückfallgefahr»Mitpatienten gewürgt – 21-Jährige wird nach Kosovo abgeschoben

Eine junge Frau hat in zwei psychiatrischen Kliniken Mitpatienten gewürgt, um eine Verlegung in eine andere Klinik zu erzwingen. Sie hat eine Borderline-Persönlichkeitsstörung.

von
Stefan Hohler
1 / 4
Im Januar 2018 würgte die Beschuldigte mit den Händen eine Mitpatientin im Psychiatriezentrum Rheinau. Nur dank dem Einschreiten des Personals überlebte die Mitpatientin die Attacke. 

Im Januar 2018 würgte die Beschuldigte mit den Händen eine Mitpatientin im Psychiatriezentrum Rheinau. Nur dank dem Einschreiten des Personals überlebte die Mitpatientin die Attacke.

Keystone
Bereits im März 2017 versuchte die Beschuldigte in der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel einen zwölfjährigen Knaben mit einem Schal zu erwürgen. 

Bereits im März 2017 versuchte die Beschuldigte in der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel einen zwölfjährigen Knaben mit einem Schal zu erwürgen.

Keystone
Das Jugendgericht Bülach verurteilte die junge Frau wegen versuchten Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung zu zehn Jahren und sprach eine ebenso lange Landesverweisung aus.

Das Jugendgericht Bülach verurteilte die junge Frau wegen versuchten Mordes und versuchter vorsätzlicher Tötung zu zehn Jahren und sprach eine ebenso lange Landesverweisung aus.

Keystone

Darum gehts

  • Eine heute 21-jährige Kosovarin wird für zehn Jahre des Landes verwiesen.

  • Sie hatte zweimal in psychiatrischen Klinken versucht, Mitpatienten zu erwürgen.

  • Damit wollte sie eine Verlegung in eine andere Klinik erzwingen.

Die heute 21-jährige Kosovarin, welche in der Schweiz geboren und aufgewachsen war, hatte im Januar 2018 eine TV guckende Mitpatientin im Psychiatriezentrum Rheinau von hinten angegriffen und mit den Händen gewürgt, bis dieser schwarz vor Augen wurde. Nur dank dem Eingreifen des Betreuungspersonals erstickte das Opfer nicht.

Kein Einzelfall: Bereits als 17-jährige Jugendliche hatte sie ein Jahr zuvor in der Universitären Psychiatrischen Klinik Basel versucht, einen zwölfjährigen Knaben mit einem Schal zu erwürgen – auch damals wollte sie ihre Verlegung in eine andere Institution erzwingen.

Die Beschuldigte wuchs in einem gewalttätigen Elternhaus auf und hatte schon in der Schulzeit grosse psychische Probleme. Sie schloss weder die Schule ab, noch machte sie eine Lehre, dafür war sie in vielen Kliniken und Therapien. Die Kosovarin leidet unter einer schweren Borderline-Störung und an Schizophrenie.

Sehr hohe Rückfallgefahr

Für die beiden Attacken sprach das Jugendgericht Bülach die junge Frau Ende 2018 des versuchten Mordes (im Fall Basel) und der versuchten vorsätzlichen Tötung (im Fall Rheinau) schuldig. Sie erhielt eine zehnjährige Freiheitsstrafe und eine ebenso lange Landesverweisung. Dagegen wehrte sich die Kosovarin und gelangte ans Obergericht. Ihr Anwalt verlangte eine Strafe von fünf Jahren und den Verzicht auf den Landesverweis. Die Würgattacke in der Klinik Rheinau sei keine versuchte vorsätzliche Tötung gewesen. Dazu habe seine Mandantin zu wenig intensiv gewürgt.

Im schriftlichen Urteil, das am Donnerstag den Medien verschickt wurde, bestätigte das Obergericht den Entscheid der Vorinstanz im Wesentlichen. Es verurteilte die heute 21-jährige Frau zu neun Jahren, ein Jahr weniger als das Jugendgericht Bülach.

Die Beschuldigte wird aber weiterhin in einer psychiatrischen Klinik bleiben. Anschliessend muss sie für zehn Jahre die Schweiz verlassen. Wohl liege bei der in der Schweiz geborenen und aufgewachsenen Kosovarin ein sogenannter Härtefall vor. Wegen der sehr hohen Rückfallgefahr sei es aber im Interesse der Schweiz, dass die Frau das Land verlasse.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.