Solothurner Privatschule: Mitschüler sollen Mädchen (9) genötigt haben

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Solothurner PrivatschuleMitschüler sollen Mädchen (9) genötigt haben

Mehrere Schüler sollen in einer Privatschule ein Mädchen überwältigt und ausgezogen haben. Die Polizei bestätigt, dass sie wegen eines mutmasslichen Übergriffs ermittelt.

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vro
Der Vorfall ereignete sich in der Swiss International School in Schönenwerd SO.

Der Vorfall ereignete sich in der Swiss International School in Schönenwerd SO.

An der Swiss International School (SIS) in Schönenwerd SO soll es zu einem Übergriff unter Schülern gekommen sein. Konkret sollen vier Schüler – drei Buben (alle 9) und ein Mädchen (10) – die 9-jährige Janine* verfolgt, im leeren Klassenzimmer überwältigt und zu Boden gedrückt haben. Dies berichtet die Mutter des Opfers.

Das zehnjährige Mädchen habe sich anschliessend auf ihre Mitschülerin gesetzt, während einer der Buben ihre Hände festgehalten und dafür gesorgt habe, dass sie nicht um Hilfe rufen konnte. Ein anderer Junge habe ihr anschliessend Jeans und Unterwäsche ausgezogen. Der dritte Junge habe seine Mitschüler währenddessen angestachelt.

Dem Übergriff sei ein Streit am Mittagstisch vorausgegangen, bei dem die Schüler Janine beschimpft hätten. «Als Janine ihrer Lehrerin unter Tränen erzählte, was vorgefallen war, wurde sie von dieser vor der ganzen Klasse beschimpft. Sie sagte zu ihr, das geschehe ihr recht», erzählt die Mutter aufgebracht.

«Mama, das war so dreckig»

Was sie jedoch ebenso bestürzt, ist die Tatsache, dass die Schule sie und ihren Mann 13 Tage lang nicht informiert habe. Erst bei einem Elterngespräch, an dem sie Prüfungsergebnisse besprechen wollten, hätten sie vom Vorfall erfahren. «Meine Tochter musste diese Last zwei Wochen lang allein tragen», sagt die verzweifelte Mutter. «Die Schule hätte uns dies umgehend melden müssen.»

Die Eltern waren schockiert, als sie vom Übergriff erfuhren. «Meine Tochter sagte: ‹Mama, das war so dreckig, so qualvoll.› Und so etwas von einer 9-Jährigen», sagt die Mutter. «Sie hat seither ständig Angst und das Gefühl, dass sie verfolgt wird.»

Als sie den Direktor auf den Übergriff angesprochen hätten, habe dieser erklärt, er habe keine Kenntnis vom Vorfall. Das bezweifelt die Mutter. Die Familie wandte sich an die Eltern der beteiligten Schüler. «Eine Mutter hat sich bereits mehrfach bei uns entschuldigt. Ein anderer beteiligter Junge hat seinen Eltern selbst alles gestanden und sich bei Janine entschuldigt. Doch eine Mutter bestreitet ganz, dass ihr Sohn jemals so etwas tun würde.»

Schule geht nicht von Übergriff aus

Die Schule informierte rund zwei Wochen nach dem Vorfall in einem Elternbrief über einen «Zwischenfall mit mehreren beteiligten Kindern», den die Lehrerin «unmittelbar danach mit der Klasse aufgearbeitet hat». Man habe beschlossen, eine externe Fachstelle mit dem Fall zu beauftragen.

Am Dienstag erhielten die Eltern der rund 100 Schüler einen weiteren Brief. Man «bedauere das Ereignis sehr». Und: «Gemäss heutigem Informationsstand ereignete sich dabei kein Übergriff.» Die Aussagen der Mutter seien «keineswegs deckungsgleich» mit denjenigen der betroffenen Kinder. Trotzdem erwarte man am Mittwoch einen Mitarbeiter der Organisation Krisenkompetenz, der den Fall beurteilen soll.

Strafmündigkeit ab zehn Jahren

Rund drei Wochen sind seit dem Übergriff vergangen. Mittlerweile hat sich Janines Familie an die Polizei gewandt. «Wir wehren uns nicht nur für unser Kind, sondern auch für alle anderen», sagt die Mutter.

Die Kantonspolizei Solothurn bestätigt, dass sie wegen eines Vorfalls an der SIS Schönenwerd ermittelt. «Derzeit laufen weitere Abklärungen», sagt Sprecher Thomas Kummer. Ermittelt wird wegen Verdachts auf einen sexuellen Übergriff. «Bestätigt sich dieser, handelt es sich um ein Offizialdelikt.» Allerdings gelte die Strafmündigkeit ab zehn Jahren, weshalb drei der vier beteiligten Schüler im Falle einer Anzeige straffrei bleiben dürften.

*Name geändert.

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