Dritte Fernsehdebatte: Mitt Romneys Botschaft: «Ich bin nicht Bush»
Aktualisiert

Dritte FernsehdebatteMitt Romneys Botschaft: «Ich bin nicht Bush»

Barack Obama dominierte in der Aussenpolitik-Debatte seinen Herausforderer Mitt Romney. Dieser überraschte: Er versuchte, den Präsidenten links zu überholen.

von
Peter Blunschi
New York

Die dritte Fernsehdebatte im US-Präsidentschaftswahlkampf am Montagabend in Boca Raton war dem Thema Aussenpolitik gewidmet. Zumindest war es so geplant. Doch Präsident Barack Obama und sein republikanischer Rivale Mitt Romney redeten minutenlang über die US-Wirtschaft. Das war zu erwarten. Völlig unerwartet und überraschend war hingegen, dass der Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei dem Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner ums Leben kamen, praktisch kein Thema war.

Die Attacke galt als wunder Punkt in Obamas Aussenpolitik-Bilanz. Experten aller Couleur waren davon ausgegangen, dass Romney den Präsidenten hart angehen würde. Doch dann erwähnte der Republikaner Bengasi nur knapp in seinem Anfangsstatement. Es passte zum Eindruck, den Romney in diesem Duell hinterliess: Er knüpfte nahtlos an die erste Debatte an, in der er sich als moderater Mitte-Politiker präsentierte. Seine wohl bemerkenswerteste Aussage machte er, als er Obama zur Tötung von Osama Bin Laden gratulierte und sogleich betonte: «Aber wir können uns nicht aus diesem Schlamassel hinaustöten.»

Keine Kriegsgurgel

Ein solcher Satz wäre einem George W. Bush niemals über die Lippen gekommen. Das Signal war denn auch klar: Romney ist kein zweiter Bush. «Er wollte nicht als Kriegsgurgel erscheinen», meinte CNN-Analyst David Gergen. Zwar beschuldigte der Herausforderer den Präsidenten mehrfach, er habe Amerikas Stellung in der Welt geschwächt. Gleichzeitig betonte Romney aber, ein Militärschlag wäre «die letzte Option», um den Iran an der Entwicklung einer Atombombe zu hindern. Und den US-Abzug aus Afghanistan bis Ende 2014, den er in der Vergangenheit relativiert hatte, unterstützte er nun vorbehaltlos.

Bei den neokonservativen Falken dürfte er damit auf wenig Gegenliebe gestossen sein. «Romney liefs gut, meinen Freunden, die ihn als Hardliner unterstützen, wohl weniger», twitterte Bushs ehemaliger Redenschreiber David Frum. Tatsächlich zeigte sich etwa die konservative Kolumnistin Laura Ingraham schon kurz nach Beginn der Debatte via Twitter irritiert über die Softie-Taktik des Herausforderers: «Romney benutzt Samthandschuhe gegen Obama – WARUM?!» Die Antwort ist klar: Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts wollte nicht die Bekehrten bekehren, sondern die Unentschlossenen.

Pferde und Bajonette

Gelungen ist ihm das nur bedingt, er wirkte in seinem Doppelspiel als «Taube» und gleichzeitig scharfer Kritiker des Präsidenten nicht immer sattelfest. Barack Obama dagegen bot einen starken Auftritt, er kontrollierte die Debatte klar, «ähnlich wie Romney die erste», meinte die «Washington Post». Die Spontanumfragen danach bestätigten den Eindruck: Bei CNN sahen 48 Prozent Obama als Sieger und 40 Prozent Romney. Deutlicher war das Verdikt beim Fernsehsender CBS: Für 53 Prozent der 521 befragten Wähler hiess der Sieger Obama, nur 23 Prozent votierten für Romney. 24 Prozent sahen ein Remis.

Dem Präsidenten gelangen einige Treffer. Als sein Kontrahent ihn dafür kritisierte, dass die US-Marine weniger Schiffe besitze als 1917, giftelte Obama zurück: «Wir haben auch weniger Pferde und Bajonette.» Für den Faktenprüfer der «Washington Post» stimmt Romneys Behauptung zwar zahlenmässig, doch darin seien auch kleine Schiffstypen enthalten, die heute nicht mehr erfasst würden. Dafür verfüge die Marine nun über Flugzeugträger und U-Boote mit Atomwaffen. «Das ist kein Schiffeversenken», kommentierte Obama diese Zahlenspiele.

Obama gewinnt Abend, Romney die Serie

Und als Romney klagte, zahlreiche US-Jobs seien nach China abgewandert, schoss der Präsident zurück: «Gouverneur Romney weiss, wie man Jobs nach China exportiert, er hat in solche Firmen investiert.» Der China-Teil der Debatte bot dem Amtsinhaber zudem Gelegenheit, einen seiner grössten Erfolg abzufeiern: Die Rettung der US-Autoindustrie, ein wichtiger Faktor im Bundesstaat Ohio, der die Wahl am 6. November entscheiden könnte.

Ob Obamas starker Debatten-Schlussspurt für den Sieg reicht, bleibt offen. Die meisten Experten gehen davon aus, dass es ein knappes Rennen bleibt. Zwar hat der Präsident die Duelle zwei und drei nach Punkten gewonnen, doch der K.o.-Schlag, den er mit seiner müden Leistung in Runde eins erlitten hat, wiegt schwer. «Obama gewinnt den Abend, aber Romney die Serie», titelte «The Atlantic». Der Herausforderer habe sich als «plausibler Anführer» empfohlen. Auch Jeffrey Goldberg, der renommierte Nahost-Experte des Magazins, schrieb auf Twitter, Romney habe «den Oberkommandierenden-Test bestanden».

Weshalb das Fazit der drei Fernsehdebatten lautet: Wäre Barack Obama am 3. Oktober in Denver ähnlich konzentriert und entschlossen aufgetreten wie am Montag in Boca Raton, er müsste vermutlich weniger um seinen Verbleib im Weissen Haus zittern.

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