Aktualisiert 01.06.2011 10:32

Kriegsverbrechen

Mladic erscheint am Freitag vor dem Tribunal

Am Freitag wird Ratko Mladic erstmals dem Tribunal in Den Haag vorgeführt. Der mutmassliche Kriegsverbrecher soll sich dann zu elf Anklagepunkten äussern.

Der mutmassliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic wird am Freitag zum ersten Mal vor dem Tribunal in Den Haag erscheinen. Der niederländische Richter Alphons Orie unterzeichnete am Mittwoch ein entsprechendes Dokument.

Bei der Anhörung am Freitagmorgen wird Mladic aufgefordert, sich zu den elf Anklagepunkten zu äussern. Die Sprecherin des UNO-Tribunals, Nerma Jelacic, sagte, Mladic sei medizinisch untersucht worden und habe seine Anklageschrift erhalten. Die Nacht hatte er in einer Einzelzelle des Gefängnisses des Tribunals verbracht.

Der Chefankläger des Tribunals, Serge Brammertz, sagte in einem Interview mit der Belgrader Zeitung «Novosti», bei der ersten Anhörung vor dem Richter werde Mladic die Anklage vorgelesen. Er müsse sich dann schuldig oder unschuldig erklären, sagte Brammertz der Zeitung.

Keine Zusammenlegung mit Karadzic-Prozess

Die immer wieder ins Spiel gebrachte Zusammenlegung des Verfahrens von Mladic mit dem Prozess von Radovan Karadzic sei «nicht wahrscheinlich», kündigte Brammertz an. Zwar seien viele Anklagepunkte gegen beide Männer identisch.

Allerdings laufe das Verfahren gegen den ehemaligen politischen Führer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) schon seit eineinhalb Jahren. Der Prozessauftakt gegen Mladic hänge davon ab, wie viel Zeit dieser zur Vorbereitung seiner Verteidigung benötige.

Mladic muss sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 verantworten, darunter auch das Massaker von Srebrenica.

Im Bürgerkrieg waren 100'000 namentlich bekannte Muslime, Kroaten, aber auch Serben ums Leben gekommen. Die mit Abstand meisten zivilen Opfer hatte es jedoch unter den Muslimen gegeben, weil die Serben waffentechnisch haushoch überlegen waren.

EU begrüsst Auslieferung

EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton begrüsste die Auslieferung von Mladic. Dies sei «ein wichtiger Augenblick für die Versöhnung in der Region und für die internationale Justiz», erklärte Ashton am Mittwoch. Mladic war am Dienstag aus Belgrad nach Rotterdam geflogen worden.

«Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei denjenigen, die unter dem Krieg in Bosnien und Herzegowina gelitten und Angehörige verloren haben», sagte Ashton. Das Verfahren werde helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

(sda)

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