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Empörung in IndienMob belästigt Mädchen - Kamera hält drauf

In Indien ist eine Diskussion um (Medien-) Moral entbrannt, nachdem eine 16-Jährige von mehreren Männern belästigt wurde. Ein Kamerateam, das den Vorfall filmte, soll den Mob ermutigt haben.

von
phi

Es ist die Horrorvorstellung für alle Eltern: Die Tochter geht mit Freunden in den Ausgang und streitet sich mit ihnen. Als die 16-Jährige gegen 21.30 Uhr alleine auf die Strasse tritt, wird sie plötzlich von 12 bis 15 Männern umringt. Sie halten das Mädchen fest, schlagen und begrapschen es. Die Tortur dauert 30 Minuten. Niemand greift ein, im Gegenteil: Ein Kamerateam hält den Albtraum auch noch fest.

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juli ist genau das auf der Shillong Strasse vor dem «Club Mint» in der Stadt Guwahati geschehen. Der Fall im Bundesstaat Assam im Osten Indiens hat in Indien für einen Aufschrei der Empörung gesorgt, nachdem Videos der Untat auf YouTube gelandet waren. Dank des Clips konnten die Verdächtigen mittlerweile identifiziert werden, berichtete das Portal India.com.

Kameracrew mitschuldig?

«Dank der schnellen Berichterstattung haben wir ein Video des Streits bekommen», lobte Polizeidirektor Jayanta Narayan Chowdhury. Doch mittlerweile ist auch Filmmaterial des Mädchens nach dem Angriff aufgetaucht, auf dem es einen Reporter beschuldigt, er habe den Mob ermutigt. Ausserdem haben zwei Personen ausgesagt, dass Kameraleute die Männer angestachelt hätten, schreibt die «New York Times».

Die Polizei kündigte laut «India Times» wenigstens an, den betroffenen Journalisten Gaurav Jyoti Neog wegen der Anschuldigungen befragen zu wollen.

Inzwischen konnten sieben der Männer dingfest gemacht werden, doch der Hauptverdächtige ist nach wie vor auf freiem Fuss. Allein: Sein Bild ist mittlerweile landesweit bekannt. Man darf also hoffen, dass der Gewalttäter seiner gerechten Strafe nicht entgeht. Ob das auch für die angeblich fehlbaren Journalisten gilt, steht dagegen auf einem anderen Blatt.

Das Opfer kritisiert die Medienleute vor Ort. Quelle: YouTube/pbordoloy

Journalist Dipya Bordoloi bereut, dass er nicht helfen konnte. Quelle: YouTube/ndtv

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