Tag der Gewalt in Italien: Mob organisiert sich auf Tiktok und versetzt Dorf in Angst und Schrecken

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Tag der Gewalt in ItalienMob organisiert sich auf Tiktok und versetzt Dorf in Angst und Schrecken

Im norditalienischen Peschiera del Garda fand sich eine Gruppe von rund 1500 jungen Menschen zusammen und verursachte Chaos. Die Polizei fahndet nun nach den Teilnehmenden.

von
Karin Leuthold

Ein Tag von Chaos und Verwüstung in Peschiera del Garda: Rund 1500 Menschen versammelten sich, um durch das Dorf zu ziehen.

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Darum gehts

  • In Peschiera del Garda hat sich ein Mob zusammengefunden, um das Dorf zu vandalisieren.

  • Sie zerstörten Schaufenster, attackierten Touristen und Touristinnen und belästigten Frauen.

  • Die Politik fordert harte Konsequenzen.

Die Polizei von Verona und Mailand wertet derzeit Hunderte von Videos aus sozialen Netzwerken und Bilder von Überwachungskameras aus. Doch mithilfe von Zeugenaussagen konnten die Behörden bereits rekonstruieren, was letzten Donnerstag zwischen Peschiera del Garda, Castelnuovo und Desenzano geschah: Ein Mob zog durch die engen Gassen der Dörfer, zerstörte Schaufenster, attackierte Touristen und Touristinnen, belästigte Frauen und beleidigte Passanten und Passantinnen. 

Um die 1500 Menschen aus Nordafrika sowie einige schwarze Menschen versammelten sich um das Seeufer und riefen «Das ist Afrika» und «Wir sind gekommen, um Peschiera zurückzuerobern.» Sie schwenkten dabei Flaggen verschiedener afrikanischer Länder. Die meisten von ihnen waren zwischen 16 und 20 Jahre alt, Zeugen berichteten auch von sehr jungen Menschen zwischen zwölf und 14 Jahren. 

Sexuelle Übergriffe in einem Zug

Nach ersten Erkenntnissen hatte sich der Mob auf Tiktok organisiert. Viele der Teilnehmenden reisten mit Zügen aus Mailand, Brescia und Bergamo an. Die nicht bewilligte Veranstaltung startete als eine Art Fest mit Trap-Musik, doch bald artete die Party aus: Unter dem Einfluss von Alkohol begannen einige der Mob-Mitglieder Passanten zu Fuss oder auf Mopeds den Weg zu blockieren, sprangen auf Autos. Andere griffen Touristen in Bars an, zerstörten Stühle und Tische, schlugen Schaufenster ein. 

Mindestens fünf 16- und 17-jährige Frauen wurden in einem Zug sexuell belästigt, wie «La Repubblica» berichtet. «Es war voll, es war sehr heiss. Wir wollten aussteigen, aber sie hinderten uns daran, indem sie den Alarm auslösten. Wir sind durch mehrere Waggons gelaufen, und auf dem Weg haben sie uns überall angefasst. Ich brach in Tränen aus und hatte eine Panikattacke», erzählte eines der Opfer.

Harte Konsequenzen für Täter

Die Polizei wurde alarmiert, doch ihre Präsenz führte zu Stein- und Flaschenwürfen. «Wir haben einen Tag des Krieges erlebt», sagt die Bürgermeisterin von Peschiera, Orietta Gaiulli, zu «Corriere della Sera».

Nach einigen Stunden löste sich der Mob auf, nun fahndet die Polizei nach den Menschen, die Peschiera del Garda in Angst und Schrecken versetzt haben. Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, fordert harte Konsequenzen: «Es war eine Verwüstung, es waren kriminelle Taten, die ohne Wenn und Aber bestraft werden müssen», sagte der Politiker der rechtspopulistischen Lega-Partei gegenüber TGR 24.  

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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