Aktualisiert 06.03.2013 13:17

Cybermobbing überschätzt

Mobbing kommt im echten Leben öfter vor als im Netz

Cybermobbing gilt als grösste aller Gefahren, denen Jugendliche im Internet ausgesetzt sind. Doch zwei Studien zeigen, dass die Jugendlichen im Netz nicht einfach gedankenlos drauflosmobben.

von
sda/jep
Mobbing im Netz kommt immer wieder vor - jedoch werden Jugendliche im realen Leben weit mehr gemobbt.

Mobbing im Netz kommt immer wieder vor - jedoch werden Jugendliche im realen Leben weit mehr gemobbt.

Mobbing kommt in der realen Welt weit häufiger vor als im Internet. Zu diesem Schluss kommen zwei Studien, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) mitfinanziert hat. Cybermobbing müsse eher als Verlängerung herkömmlichen Mobbings gesehen werden denn als eigenständiges Phänomen, schreibt der SNF in einer Mitteilung vom Mittwoch.

«Die Ansicht, dass alle Jugendlichen dank der neuen Möglichkeiten gedankenlos drauflosmobben, ist weit von der Realität entfernt», wird Sonja Perren von der Pädagogischen Hochschule Thurgau zitiert.

Ein Team aus Psychologinnen und Psychologen der Pädagogischen Hochschule Thurgau sowie der Universitäten Bern und Zürich hat rund 950 Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren aus den Kantonen Tessin, Wallis und Thurgau mehrmals befragt.

Dreimal seltener

Cybermobbing kommt demnach etwa dreimal seltener vor als Mobbing in der realen Welt. Massive Attacken seien sehr selten. Im Cyberspace würden häufig diejenigen Jugendlichen als Mobber auffällig, die ohnehin zu aggressivem und antisozialem Verhalten neigten.

Aus Sicht der Autoren spielt auch die Zeit, die Jugendliche im Internet verbringen, eine Rolle. Dagegen seien Faktoren wie das Geschlecht oder die Empathiefähigkeit vernachlässigbar.

Auf klassische Prävention setzen

Unterschiede orten die Studien allerdings im Potenzial, anonyme und weite Kreise ziehende Angriffe zuzulassen. «Cybermobbing kann schlimmer sein als gewöhnliches Mobbing, falls es anonym geschieht und viele Leute erreicht», wird Perren zitiert.

Nach Ansicht der Forscher braucht es indes keine spezielle Prävention gegen Cybermobbing. Die klassische Prävention, um potenzielle Fälle früh aufzudecken sowie Sozialkompetenzen und moralische Werte zu vermitteln, greife auch in der digitalen Sphäre. Schüler, Lehrpersonen und Eltern müssten auf ihre Mitverantwortung aufmerksam gemacht werden. (sda/jep/sda)

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