Ersatzhandy: Mobilezone gibt heikle Kundendaten preis
Aktualisiert

ErsatzhandyMobilezone gibt heikle Kundendaten preis

Böse Überraschung für einen Mobilezone-Kunden, der sein iPhone reparieren lässt: Auf dem Ersatzhandy findet er zahlreiche fremde SMS – mit brisantem Inhalt.

von
Daniel Schurter

Sein Vertrauen in das Schweizer Telekommunikations-Unternehmen Mobilezone ist zerstört: R. K. (Name der Redaktion bekannt) wollte nur sein iPhone in die Reparatur geben und erhielt von einem netten Angestellten umgehend ein Ersatzgerät eines anderen Herstellers. Weniger erfreulich waren jedoch die fremden Kurznachrichten, die sich auf dem Handy befanden.

«Als ich mein Ersatztelefon einschaltete, waren alles SMS von meinen Vorgängern darauf gespeichert», erzählt der verunsicherte Mobilezone-Kunde. 20 Minuten Online hat sich das Gerät genauer angesehen. Zu finden ist darauf eine lange Liste von Handynummern. In den zum Teil sehr persönlichen Nachrichten werden auch Namen und Vornamen genannt. In mehreren SMS ist zudem von schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen die Rede, in anderen geht es um eine Erbschaft…

Wo bleibt der Datenschutz?

Der junge Mann, der anonym bleiben möchte, will andere Smartphone-Besitzer warnen. «Es ist schon sehr bedenklich, wenn dermassen sorglos mit dem Datenschutz umgegangen wird.»

Die Gefahr, dass persönliche Informationen ungewollt in fremde Hände gelangen, hat sich im Smartphone-Zeitalter massiv erhöht. Auf den Geräten lassen sich Gigabyte an persönlichen Informationen speichern, doch sie sind oft nur unzureichend geschützt. So wurden in den vergangenen Monaten gleich mehrere Fälle publik, wonach sich die Code-Sperre von iPhones und Samsungs Galaxy-Smartphones mit wenigen Handgriffen umgehen liess.

Daten unbedingt löschen!

Das grösste Risiko dürfte aber die Fahrlässigkeit der beteiligten Personen sein. Jeder Kunde sollte vor der Rückgabe eines Geräts aufgefordert werden, die persönlichen Daten zu löschen. Bei vielen Unternehmen gehört dies zum standardmässigen Vorgehen, die Mitarbeiter sind entsprechend geschult. So wird man etwa beim Abgeben eines kaputten iPhones im Apple Store aufgefordert, die «Zurücksetzen»-Funktion zu betätigen. Das Löschen der persönlichen Daten sollte natürlich erst erfolgen, wenn vorgängig eine Sicherheitskopie erstellt worden ist.

Als R. K. sein defektes iPhone in einer Zürcher Mobilezone-Filiale in die Reparatur gab, ging offenbar auch diese sinnvolle Vorgehensweise vergessen. Der junge Mann sagt, er bereue nun, dass er sein iPhone in fremde Hände gegeben habe. «So sind noch all meine Fotos und Nachrichten gespeichert, die irgendein Mitarbeiter anschauen könnte.»

Mobilezone bedauert

Auf Anfrage bedauert Mobilezone den Fall sehr. Ein Sprecher erklärt: «In Schulungen weisen wir unsere Kundenberater regelmässig auf den korrekten Umgang mit Kundendaten hin, um den Datenschutz jederzeit zu gewährleisten.» In den internen Richtlinien sei klar festgelegt, dass die Berater beim Kunden nachfragen müssen, ob er seine persönlichen Daten gelöscht habe. «Aus Erfahrung wissen wir, dass das in den meisten Fällen auch wirklich passiert.» Zusätzlich halte Mobilezone alle Berater dazu an, Ersatzgeräte nach deren Rückgabe auf die Werkeinstellungen zurückzusetzen.

Zum konkreten Fall heisst es: «Bei diesem Kunden scheint das gewohnte Vorgehen beispielsweise aufgrund von Zeitdruck leider nicht eingehalten worden zu sein.» Einige Ersatzgeräte würden bereits wenige Minuten nach der Rückgabe an den nächsten Kunden ausgehändigt.

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