Aktualisiert 30.09.2013 20:07

Verkehrskollaps drohtMobilität soll massiv teurer werden

Schweizer sind zu viel unterwegs: Egal ob zur Arbeit oder in der Freizeit. Mobilität ist zu billig und darum ein Problem, sagen Verkehrsexperten. Und haben radikale Pläne.

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Der massive Widerstand gegen den Aufschlag der Autobahnvignette von 40 auf 100 Franken zeigt ein grundsätzliches Problem auf: In der Schweiz ist der Verkehr ein umkämpftes Thema, bei dem Veränderungen nur sehr schwer durchzusetzen sind. Wie schwer dürften es dann erst die Pläne von Schweizer Verkehrsexperten haben, die effektiven Kosten auf die Verkehrsteilnehmer abzuwälzen?

Angesichts der stark steigenden Mobilität fordern die Verkehrsexperten im «Tages-Anzeiger», dass der Benzinpreis auf 10 Franken pro Liter erhöht wird, das Generalabonnement doppelt so viel kostet wie heute und zusätzlich ein Mobility Pricing eingeführt wird, bei dem effektiv gefahrene Kilometer durch Verursacher bezahlt werden.

Hintergrund der provokativen Forderungen: Das starke Wachstum der Schweizer Bevölkerung und die damit verbundene massive Zunahme des Verkehrs. Irgendwann, so die Experten, werde der Verkehr kollabieren. Es werde so viel gefahren, weil Mobilität so billig sei, sagt Verkehrsplaner Patrick Ruggli im Tagi-Artikel.

Stau kostet 1,2 Milliarden im Jahr

Bereits heute läuft der Strassen- und Schienenverkehr mit dem hohen Verkehrsaufkommen am Limit. Täglich stehen Tausende im Stau. Dies belastet die Volkswirtschaft mit rund 1,2 Milliarden Franken im Jahr. Und kommt es bei der Bahn an einem Ort zu einer Störung, lahmt der Bahnverkehr in der halben Schweiz. Die jüngste Pannenserie der SBB hat dies aufgezeigt und die Nerven Tausender Pendler strapaziert.

Um die Engpässe zu beseitigen, investiert der Bund jährlich rund 4,5 Milliarden Franken in die Verkehrsinfrastruktur. Der Unterhalt von Strasse und Schiene kostet weitere 3 Milliarden im Jahr. Und diese Kosten dürften weiter steigen, sagt Klaus Zweibrücken von der Hochschule Rapperswil. «Wer soll das am Ende alles bezahlen?», fragt er. Fakt ist: Verkehrsteilnehmer tragen mit Abgaben auf Benzin, Vignette, Verkehrssteuern und Billettpreis nur einen Teil der Kosten.

Für die Experten ist klar: Nur über massive Preisaufschläge und Kostenwahrheit kann die wachsende Mobilität gebremst werden. Ihre Forderungen dürften auf massiven Widerstand stossen. Denn nur schon die Absicht von Verkehrsministerin Doris Leuthard, Steuerabzüge für Pendler auf 800 Franken zu senken, scheiterte. Jetzt liegt der maximale Abzug bei 3000 Franken im Jahr.

10 Franken pro Liter Benzin

Experte Ruggli sieht hier ein Grundproblem: «Kaum wird am System geschraubt, folgt der Aufschrei.» Das sei falsch, meint ETH-Professor Anton Gunzinger: «Wir müssen das System umkehren und jene belohnen, die Ressourcen schonen.» Damit dies schneller geht, macht er sich neben Mobility Pricing auch für weitere Massnahmen stark. Etwa für die massive Reduktion von Parkplätzen – und einen Benzinpreis von 10 Franken. Dafür würde er die Motorfahrzeugsteuer abschaffen.

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