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OffroaderMobility-Nutzer kritisieren «Audi-Strassenpanzer»

Die Carsharing-Firma Mobility hat seit kurzem auch zehn Audi Q3 im Angebot. Offroader-Gegner laufen Sturm.

von
J. Büchi
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Mobility hat rund 2900 Fahrzeuge im Angebot, darunter auch zehn Autos des Modells Audi Q3.

Mobility hat rund 2900 Fahrzeuge im Angebot, darunter auch zehn Autos des Modells Audi Q3.

Keystone/Martial Trezzini
Die Autos sollen den Kunden «sportlich, eleganten Fahrspass» bieten.

Die Autos sollen den Kunden «sportlich, eleganten Fahrspass» bieten.

Keystone/Gaetan Bally
Dies stösst in ökologischen Kreisen sauer auf. «Wenn Mobility mit dem Fahrspass eines solchen Offroaders wirbt, verabschiedet es sich vom ökologischen Grundgedanken des Carsharing», sagt SP-Nationalrätin Nadine Masshardt, Präsidentin des Vereins «Läbigi Stadt».

Dies stösst in ökologischen Kreisen sauer auf. «Wenn Mobility mit dem Fahrspass eines solchen Offroaders wirbt, verabschiedet es sich vom ökologischen Grundgedanken des Carsharing», sagt SP-Nationalrätin Nadine Masshardt, Präsidentin des Vereins «Läbigi Stadt».

Keystone/Gaetan Bally

Ein Auto für jede Gelegenheit: Das will das Carsharing-Unternehmen Mobility seinen Kunden bieten. «Ob gross oder klein, sportlich oder praktisch, unter 2900 Fahrzeugen in neun Kategorien steht auch für Sie das passende Auto bereit.» Seit März können die Kunden in der Kategorie «Emotion» auch einen Audi Q3 mit Vierradantrieb auswählen. Mobility verspricht den Kunden «sportlich-eleganten Fahrspass», Hersteller Audi preist das Modell als «urbanen Offroader» an.

Doch das Angebot stösst gewissen Kunden sauer auf: So hat der Verein «Läbigi Stadt» in Bern massiv protestiert. Auch ein «geteilter Strassenpanzer» sei ein unpassendes Verkehrsmittel, schrieb Hannes Rettenmund, Vorstandsmitglied von «Läbigi Stadt», im Mitteilungsblatt des Vereins. Wie der «Bund» berichtet, hat Mobility das Auto nach den Protesten von Bern «wegverschoben» – es steht neu in Thun. In neun Städten ist das Modell weiter verfügbar. Im Rahmen eines Versuchs soll das Angebot bis im Frühling des nächsten Jahres getestet werden, danach wird ausgewertet, wie die Reaktionen der Kundschaft ausfallen.

«Nicht päpstlicher sein als der Papst»

Nadine Masshardt, SP-Nationalrätin und Präsidentin des Vereins «Läbigi Stadt», hofft, dass das Auto nach der Pilotphase wieder aus dem Angebot genommen wird. «Mobility und Offroader passen nicht zusammen», kritisiert sie. Zahlreiche Einzelpersonen und Vereine hätten sich bei ihr gemeldet und ihr Unverständnis über das Angebot ausgedrückt. «Wenn Mobility mit dem ‹Fahrspass› eines solchen Offroaders wirbt, verabschiedet es sich vom ökologischen Grundgedanken des Carsharing.» Mit dem Angebot vergraule die Firma mehr Kunden, als dass sie neue dazugewinne.

Weniger eng sieht es der prominenteste Offroader-Gegner der Schweiz, Bastien Girod (Grüne). Zwar sagt auch er: «Für die Glaubwürdigkeit von Mobility ist es wichtig, darauf zu achten, möglichst umweltfreundliche Autos bereitzustellen.» Allerdings sei der Audi Q3 deutlich unter der Gewichtsgrenze von 2,5 Tonnen, welche die Offroader-Initiative seinerzeit als Grenze vorgesehen hatte. Der Vorzug von Mobility sei, dass es für jede Situation das passende Fahrzeug bereitstelle. «Vielleicht wollen gewisse Kunden in ein Gebiet fahren, in dem ein 4x4-Antrieb ein Vorteil darstellt.» Er wolle in dieser Frage nicht päpstlicher sein als der Papst, so Girod.

«Dämlicher Kindergartenstreit»

Kein Verständnis für die Debatte hat SVP-Nationalrat Walter Wobmann: «Das ist doch ein dämlicher Kindergartenstreit.» Autos würden generell immer umweltfreundlicher und das sei auch richtig so. Leider gebe es aber «militante Öko-Fanatiker», die das Hirn ausschalteten, sobald sie ein grösseres Fahrzeug sähen. «Sie vergessen, dass in der Schweiz immer noch die freie Wahl des Verkehrsmittels gilt.»

Bei Mobility heisst es, ausser in Bern habe es kaum negative Reaktionen auf den Audi Q3 gegeben. «Nur auf Facebook wurde die Angebotserweiterung teilweise kontrovers diskutiert.» Wie oft das Modell bereits ausgeliehen wurde, kann Sprecher Alain Barmettler nicht sagen. «Nächsten Frühling ziehen wir Bilanz.»

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