Aktualisiert 30.06.2016 13:18

Verkehrs-Revolution

Mobility Pricing – das sind die Vorbilder der Schweiz

Mobility Pricing: eine Idee, viele Möglichkeiten, diese umzusetzen. Wir zeigen Beispiele – von Strassengebühren bis zu E-Tickets für den ÖV.

von
jh
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Seit 2003 existiert in London mit der Congestion Charge eine Innenstadtmaut. Das heisst: Der Zugang zur Innenstadt kostet 10 Pfund pro Tag.

Seit 2003 existiert in London mit der Congestion Charge eine Innenstadtmaut. Das heisst: Der Zugang zur Innenstadt kostet 10 Pfund pro Tag.

Newscast
Eine Bezahlstation in Stockholm. Die Innenstadt-Maut wurde dort nach einer Probephase 2007 fix eingeführt. Kameras registrieren die Kennzeichen der Autos, die Rechnung für die Nutzungsgebühr der städtischen Strassen kommt per Post.

Eine Bezahlstation in Stockholm. Die Innenstadt-Maut wurde dort nach einer Probephase 2007 fix eingeführt. Kameras registrieren die Kennzeichen der Autos, die Rechnung für die Nutzungsgebühr der städtischen Strassen kommt per Post.

epa/Fredrik Sandberg
Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur wurde eine ganze Reihe von Lenkungsmassnahmen eingeführt, darunter eine Strassenmaut und eine Kontingentierung der zugelassenen Fahrzeuge.

Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur wurde eine ganze Reihe von Lenkungsmassnahmen eingeführt, darunter eine Strassenmaut und eine Kontingentierung der zugelassenen Fahrzeuge.

Bloomberg

Das Mobility Pricing, die Weiterentwicklung einer einfachen Strassengebühr, kann in unterschiedlichen Varianten Verkehrsaufkommen zu Spitzenzeiten brechen. Beispiele gibt es zahlreiche:

London – City-Maut

Seit 2003 existiert in London mit der sogenannten Congestion Charge eine Innenstadtmaut. Das heisst: Der Zugang zur Innenstadt kostet und zwar nicht wenig. Wer unter der Woche in die Stadt will, bezahlt laut SRF zwischen 7 und 18 Uhr eine Tagesgebühr von 10 Pfund. Allerdings gibt es auch zahlreiche Ausnahmen: Pannendienste, Ambulanzen, Taxis und Hybrid-Autos sind von der Gebühr befreit.

Mit dem System konnte der Autoverkehr um 15 Prozent reduziert werden. Staus haben sich dadurch um ganze 30 Prozent verringert.

Stockholm – Innenstadt-Maut

Auch in der schwedischen Hauptstadt Stockholm wurde nach einer Probephase 2007 eine Innenstadt-Maut eingeführt. Wie SRF berichtete, zahlen Autofahrer dort zwischen 6.30 Uhr und 18.29 Uhr abhängig von der genauen Tageszeit zwischen rund 1 und 2 Euro für den Zugang zur Innenstadt. Die Kennzeichen der Fahrzeuge werden dabei von installierten Kameras erfasst – und so den Fahrzeuglenkern jeweils Ende des Monats eine Rechnung nach Hause geschickt.

Der Verkehr nahm so den Behörden zufolge um 15 bis 20 Prozent ab. Die jährlich rund 50 Millionen eingenommenen Franken werden wieder in den Unterhalt des Strassennetzes investiert.

Singapur – Allgemeine Strassenmaut Smart Traffic

Im kleinen und bevölkerungsdichten Stadtstaat Singapur wurden eine ganze Reihe von Lenkungsmassnahmen eingeführt. Seit den 1970er-Jahren existiert «Der Zeit» zufolge dort die weltweit erste Strassenmaut. Abhängig ist sie von Tageszeit, Strecke und Fahrzeug. Am teuersten kommt es in der morgendlichen Rushhour zwischen 8.30 Uhr und 9 Uhr.

Zudem gibt es seit den 1990er-Jahren eine Kontingentierung der Fahrzeugzulassungen. Nur einmal im Monat werden die Lizenzen versteigert. Kostenpunkt: 60'000 Franken für einen Kleinwagen und zehn Jahre. Für die Zulassung von Neuwagen schlagen gar 100'000 Franken zu Buche. Resultat: Singapur ist die einzige staufreie Millionenmetropole.

Hinzu kommt, dass die Tarife für den ÖV zeitlich gestaffelt sind. Für alle Nutzer des öffentlichen Verkehrs existieren nicht nur elektronische Tickets, sondern auch Smartphone-Apps: Zur Optimierung von persönlicher Verkehrsroute und Reisezeit.

Niederlande – Elektronische ÖV-Tickets

Zwar scheiterte in den Niederlanden 2010 das Projekt für eine nationale Strassenmaut, dafür wurde gemäss SRF zwischen 2005 und 2012 schrittweise im ganzen Land ein elektronisches ÖV-Billett-System eingeführt. Es erlaubt die Registrierung des Ein- und Ausstiegs und so die Abbuchung der variablen Ticketpreise vom persönlichen Konto. Die dazu benötigte Karte kann dabei sowohl Tickets für Einzahlfahrten als auch verschiedene Abonnemente speichern.

Österreich – «Sondermautstrecken»

Im Nachbarland Österreich gibt es seit Jahrzehnten Nutzergebühren auf sechs alpenquerenden Autobahnabschnitten – sogenannte Sondermautstrecken. Zu diesen gehört auch der Brennerpass, neben dem Gotthard eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen durch die Alpen.

Laut SRF kostet eine einzelne Fahrt zwischen 5 und 11 Euro – was dem Staat jährlich um die 150 Millionen Euro in die Kassen spült. Verwendet wird das Geld für Unterhalt und Ausbau des nationalen Strassennetzes.

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