Aktualisiert 03.05.2006 17:56

Mobilmachung

Bei der Entwicklung einer neuen Handygeneration sind unzählige Arbeitsschritte nötig. Einblicke in die Produktion bei BenQ in Taiwan.

Mit dem Einkauf von westlichem Know-how will sich der taiwanesische Technologie-Hersteller BenQ innerhalb der nächsten Jahre als einer der weltweit führenden Handyproduzenten etablieren. 20 Minuten week hat sich in den Werkhallen des Newcomers umgesehen.

«Die Entwicklung eines neuen Mobiltelefons beginnt, drei Jahre bevor das Endprodukt in die Läden kommt», erklärt Stefan Müller, Sprecher von BenQ Mobile. «Rund um den Globus werden Marktanalysen durchgeführt und Designstudien angefertigt, um die zukünftigen Trends frühzeitig zu erkennen», so Müller weiter. Dabei unterliegen vor allem Aussehen, Materialien und Farbgebung starken Modeströmungen. Die wichtigen Punkte müssen deshalb mit allen Beteiligten – Designern, Entwicklern, Produktemanagern und Marketing-Leuten – gemeinsam definiert werden: welche Kerntechnologien integriert sein wollen, ob es aufklappbar oder aufschiebbar sein soll und welche Funktionen es bieten muss. Dabei entstehen erste Skizzen, und alsbald folgen konkrete dreidimensionale Modelle am Computerbildschirm. Während der Entwicklungszeit fallen aus diversen Gründen immer wieder Funktionen weg oder kommen neue hinzu. «Die definierten Vorgaben müssen allerdings zwingend von allen eingehalten werden», so Müller.

Ungefähr ein halbes Jahr vor Markteinführung erblicken dann die sogenannten Mock-ups das Licht der Welt. Leere Kunststoffhüllen, die einen konkreten Eindruck des endgültigen Handys vermitteln, aber noch auf ihre Hardware-Innereien warten. Darauf folgen die funktionstüchtigen Prototypen. Spätestens drei Monate vor der Lancierung dürfen keine Änderungen mehr an der Hardware vollzogen werden. Zur gleichen Zeit rückt die Software-Entwicklung in den Mittelpunkt, eine Arbeit, die rund zwei bis drei Wochen vor Verkaufsstart abgeschlossen sein sollte, «von kleinen Änderungen und Firmware-Updates einmal abgesehen», wie Müller einräumt.

Die Produktion beginnt. Während in Europa vollautomatisierte Fertigungsanlagen die Arbeit übernehmen, stehen in Asien meist noch Hunderte von jungen Leuten zwischen 17 und 21 Jahren in täglichen Zehn-Stunden-Schichten am Fliessband. Doch ihre Zeit läuft allmählich ab: Hochintegrierte Schaltungen schreien nach Vollautomatisation und werden in Zukunft wohl die geschickten Finger bald verdrängen. «Bereits werden bei BenQ die ersten Fertigungsprozesse bis zur vollständig bestückten Platine maschinell erledigt», sagt Müller. Später greift dann das menschliche Fliessband: Aus Platine, LCD, Tastatur und anderen Einzelteilen wird in vielen Arbeitsschritten das neue Handy zusammengesetzt. Darauf folgt das Aufspielen der Software, ein optischer Check des Produktes und schliesslich das Testen der Grundfunktionen wie Starten und Klingeln. Den Abschluss bilden an einem weiteren Fliessband das Verpacken und die Registrierung des vollendeten Mobiltelefons – fertig ist die Massenware.

Michel Pescatore

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