Bezirksgericht Meilen : Modedesignerin wegen Messerattacke auf Ehemann zu 11,5 Jahren verurteilt

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Bezirksgericht Meilen Modedesignerin wegen Messerattacke auf Ehemann zu 11,5 Jahren verurteilt

Eine 52-jährige Frau, die ihren Mann mit einem Tranchiermesser attackiert hat, muss statt ins Gefängnis in die Psychiatrie.

von
Stefan Hohler
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Die Beschuldigte beim Betreten des Bezirksgerichts Meilen am Prozess im Juli. 

Die Beschuldigte beim Betreten des Bezirksgerichts Meilen am Prozess im Juli. 

20min
Die Frau bestritt den Tötungsvorwurf, sie habe den Ehemann nur verletzen wollen. 

Die Frau bestritt den Tötungsvorwurf, sie habe den Ehemann nur verletzen wollen. 

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Das Bezirksgericht Meilen verurteilte die Frau am Montag zu einer Freiheitsstrafe von 11,5 Jahren.

Das Bezirksgericht Meilen verurteilte die Frau am Montag zu einer Freiheitsstrafe von 11,5 Jahren.

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Darum gehts

  • Eine 52-jährige Frau hat versucht, mit einem Messer ihren Mann umzubringen.

  • Sie hat am Prozess im Juli gesagt, dass sie ihn nur verletzen wollte.

  • Das Bezirksgericht Meilen hat die Modedesignerin wegen versuchten Mordes und Drohung zu einer Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt. 

  • Die Strafe wird zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben.  

Das Bezirksgericht Meilen hat am Montagnachmittag eine Modedesignerin aus Meilen wegen versuchten Mordes und Drohung zu einer Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt. Die Strafe wird zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben. Sie wird also weiterhin in der geschlossenen psychiatrischen Klinik therapiert, wo sie sich jetzt schon befindet. Zudem muss sie dem Ehemann eine Genugtuung in der Höhe von 45’000 Franken zahlen. 

Die Frau habe wissentlich und willentlich auf ihren Ehemann eingestochen, sagte der vorsitzende Richter: «Sie haben den Tod Ihres Mannes gewollt.» «Wer mit einem Messer, mit einer 19 Zentimeter langen Klinge, zehnmal in den Oberkörper sticht, will den Tod des Opfers», sagte der Richter. Es sei ein versuchter Totschlag und nicht ein versuchter Mord im Affekt gewesen, wie der Verteidiger der Frau am Prozess im Juli argumentiert hat. Die 52-Jährige hat für das Gericht auch nicht unter einem Terrorregime ihres Ehemanns gelitten. Es habe zwar Probleme wegen der finanziellen Situation gegeben, aber nicht so gravierende, wie die Beschuldigte ausgesagt habe.  

«Zuerst gehst du, dann ich»

Die von ihrem Mann getrennt lebende Modedesignerin ist am Abend des 30. September 2020 mit einem Messer bewaffnet zur Wohnung ihres Ehemanns in Meilen gefahren. Sie läutete und als dieser die Türe öffnete, trat sie ein und stach mit dem Tranchiermesser in Brust und Bauch des Mannes. Am Prozess vor dem Bezirksgericht Meilen im Juli hat die Frau gesagt, dass sie ihren Ehemann nicht töten, nur verletzen wollte. Dies, wegen der Trennung und der daraus resultierenden massiven Kränkung. Die Frau leidet an einer bipolaren Störung und war laut der Psychiaterin bei der Tat mittelgradig vermindert schuldfähig und braucht eine Therapie.

Deshalb hat die Staatsanwältin vorgeschlagen, die von ihr geforderte Freiheitsstrafe von 13 Jahren wegen versuchten Mordes zugunsten einer stationären Massnahme in einer psychiatrischen Klinik aufzuschieben. Für den Anwalt der Frau war es ein versuchter Totschlag, der im Affekt verübt wurde. «Eine emotionale Kurzschlusshandlung», wie er sagte. Seine Mandantin sei mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren zu bestrafen. Auch er spricht sich zugunsten einer stationären Massnahme aus. Seine Mandantin müsse therapiert werden.

Für den Ehemann war es eine Schutzbehauptung, dass seine Frau ihn nur verletzen wollte. «Sie wollte mich umbringen», sagte er im Prozess.  Sie habe ihn angeschrien: «Zuerst gehst du, dann ich.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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