Aktualisiert 12.01.2016 10:21

Kanton BernModedroge Crystal Meth breitet sich verstärkt aus

Die Berner Kantonspolizei stellt häufiger Delikte mit Methamphetamin fest. Biel ist dabei ein Hotspot für Crystal Meth und Thaipillen.

von
Sonja Mühlemann
Eine Filmszene aus der Serie «Breaking Bad»: Sie erzählt den Wandel eines biederen Chemielehrers zum Drogenbaron und Hersteller von Crystal Meth.

Eine Filmszene aus der Serie «Breaking Bad»: Sie erzählt den Wandel eines biederen Chemielehrers zum Drogenbaron und Hersteller von Crystal Meth.

Kein Anbieter/Sony Pictures

Crystal Meth, Thaipillen, Ice oder Yaba: Die Derivate von Methamphetamin haben viele Szenenamen und kommen in kristalliner Form oder als Pille daher. Die Verbreitung nimmt stetig zu: «Die Tendenz mit dieser Drogenart ist im ganzen Kanton Bern steigend», sagt Ramona Mock, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern.

Die Anzeigen wegen Handels mit Methamphetamin haben seit 2011 auch schweizweit kontinuierlich zugenommen, wie die Studie Neue Tendenzen im Drogenbereich der Fachstelle Sucht Schweiz belegt.

Thaipillen in Biel verbreitet

Der Blick auf die Berner Kriminalstatistik der vergangenen Jahre zeigt klar eine steigende Tendenz: 2011 wurden 14 Fälle gezählt, bei denen 96 Einheiten der Droge und insgesamt 9 Gramm Methamphetamin sichergestellt wurden. 2014 zählte die Kapo bereits 43 Fälle, über 33'000 Einheiten und rund zwei Kilo Methamphetamin.

Im Herbst machte ein Coup der Kapo Bern Schlagzeilen: Sie stellte bei mehreren Hausdurchsuchungen in Biel grosse Mengen Drogen und Bargeld sicher. Unter anderem fanden die Beamten 400 Gramm Crystal Meth. Die Zahlen für das Jahr 2015 werden im März bekannt gegeben.

Insbesondere Neuenburg und Biel seien Hotspots für Methamphetamin: «Das Phänomen ist dort grösser als sonstwo in der Schweiz», sagt Suchtexperte Frank Zobel, der die Studie für Sucht Schweiz durchgeführt hat. Vor allem Thaipillen würden durch einen bestehenden kleinen Kreis von Leuten konsumiert. «Dies hängt mit Verbreitung von Thaishops und Massagesalons zusammen – sie fungieren seit Ende der 90er-Jahre als Drehscheibe», so Zobel. Crystal Meth sei eine relativ neue Droge und werde zum Ausprobieren auch von jungen Konsumenten genommen. Der Handel im Internet und an der Deutsch-Tschechischen Grenze habe dazu beigetragen.

Razzien im Berner Jura

Hinter dem Handel und Verkauf von Methamphetamin stehen oftmals organisierte Gruppen. Crystal Meth wird vor allem in Osteuropa hergestellt und dann in die Schweiz geschmuggelt. Die Droge wird aber auch hier fabriziert. Bei der Medienstelle der Kapo Bern heisst es dazu: «Eine Professionalisierung ist vor allem bei der Herstellung von Drogen festzustellen. Seit etwa drei Jahren ist eine Häufung von sogenannten Laboren im Kanton Bern, unter anderem auch in der Region Biel, festzustellen.»

Neu scheint auch der Berner Jura ein Hotspot der Meth-Szene zu sein: «Es trifft zu, dass die Kantonspolizei Bern aufgrund von Anzeichen einer Zunahme des Drogenhandels im Berner Jura vermehrt Aktionen durchgeführt hat», sagt Kapo-Sprecherin Mock. Die Polizei wolle in nächster Zeit eine Bilanz zu den «grösseren Aktionen» im Berner Jura ziehen und diese auch kommunizieren.

Crystal Meth als Ersatzdroge

Dass immer mehr Methamphetamin im Kanton Bern zu haben ist, führt die Polizei auf die Verbreitung in unterschiedlichen Szenen zurück: Sei die Konsumation des Drogentyps in den vergangenen Jahren vor allem auf die Techno-Szene beschränkt gewesen, habe sie sich nun ausgebreitet.

Dem widerspricht Suchtexperte Zobel: Gerade Crystal Meth habe kaum Fuss im Nachtleben gefasst – dafür sei das Image der Droge zu schlecht und das Gramm für 200-300 Franken vergleichsweise teuer. Crystal Meth sei eher eine Ersatzdroge: «Die Partygänger können auf sie umsteigen, wenn es etwa kein Ecstasy, Kokain oder Amphetamin mehr gibt», sagt Zobel. Der Schweizer Drogenmarkt gelte aber als stabil und fast alle Substanzen seien erhältlich. «Daher dürfte es bei Wellenbewegungen mit einzelnen Spitzen in Bezug auf Crystal Meth bleiben.»

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