Kleiderberge in der Wüste – Modeindustrie stösst mehr CO2 aus als internationaler Flug- und Seeverkehr
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Kleiderberge in der WüsteModeindustrie stösst mehr CO2 aus als internationaler Flug- und Seeverkehr

Das Kleidergeschäft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, Mode-Trends werden immer kurzlebiger. Die Konsequenzen davon werden zum Beispiel in der Atacama-Wüste in Chile sichtbar.

von
Benedikt Hollenstein
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Kleiderberge, soweit das Auge reicht: Wie wenig nachhaltig die Modeindustrie wirtschaftet, wird in der Atacama-Wüste deutlich.

Kleiderberge, soweit das Auge reicht: Wie wenig nachhaltig die Modeindustrie wirtschaftet, wird in der Atacama-Wüste deutlich.

AFP/Martin Bernetti
Fast 40’000 Tonnen an gebrauchten und unverkauften Kleidern werden hier jährlich deponiert.

Fast 40’000 Tonnen an gebrauchten und unverkauften Kleidern werden hier jährlich deponiert.

AFP/Martin Bernetti
Die meisten Textilien sind entweder aus synthetischen Materialien gefertigt oder mit Chemikalien behandelt, die die Umwelt belasten.

Die meisten Textilien sind entweder aus synthetischen Materialien gefertigt oder mit Chemikalien behandelt, die die Umwelt belasten.

AFP/Martin Bernetti

Darum gehts

  • Laut einem Bericht der UNO hat sich die weltweite Kleiderproduktion zwischen 2000 und 2014 verdoppelt.

  • Grund dafür sind vor allem die immer schnelllebigeren Modetrends, die bereits nach wenigen Wochen wieder überholt sind.

  • In der chilenischen Atacama-Wüste stapeln sich deshalb Jahr für Jahr mehr alte Kleider und verschmutzen die Umwelt.

Während grosse Teile der Bevölkerung in Bereichen wie dem Verkehr oder der Ernährung in den letzten Jahren ein starkes Umweltbewusstsein entwickelten, wächst die Modeindustrie rasant weiter. Im Vergleich zum Jahr 2000 kauften die Menschen 2014 im Schnitt 60 Prozent mehr Kleidung, wie der «Business Insider» schreibt. Eine Verlangsamung des Wachstums zeichnet sich nicht ab.

85 Prozent werden entsorgt

Heute ist die Modeindustrie schätzungsweise für zehn Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich – und stösst damit laut dem Bericht mehr Schadstoffe aus als alle internationalen Flüge und Schiffe auf den Weltmeeren zusammen. Ein wichtiger Faktor für die enorme Menge an Schadstoffen ist die Kurzlebigkeit der Mode, die in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. So landen jährlich über 85 Prozent der Textilien auf Deponien. Das Waschen von bestimmten Kleidungsstücken spült jeweils Tausende mikroskopisch kleiner Plastikteilchen ins Meer.

Sichtbar wird das Problem zum Beispiel in der chilenischen Atacama-Wüste, die als trockenste Wüste der Welt gilt. Dort werden seit längerer Zeit regelmässig tonnenweise ausrangierte Kleidungsstücke und andere Textilien deponiert. Neben Weihnachtspullis liegen Winterschuhe, die so gar nicht in die trockene chilenische Wüste passen. Das südamerikanische Land ist seit langem eine Drehscheibe für gebrauchte und unverkaufte Kleidung, die in China oder Bangladesch produziert und von Chile aus nach ganz Lateinamerika weiterverkauft wird.

39’000 Tonnen unverkaufte Kleidung pro Jahr

Jährlich kommen im Hafen der Stadt Iquique 59’000 Tonnen Kleidung an, berichtet das Magazin «FashionUnited». Ein kleiner Teil wird von Kleiderhändlern aus der Hauptstadt Santiago gekauft, während der Grossteil über Schmuggelrouten in andere Länder in Lateinamerika gelangt. Mindestens 39’000 Tonnen können aber jeweils nicht verkauft werden und landen schlussendlich auf Müllhalden mitten in der Wüste – die Zölle für den Abtransport der Kleider möchte nämlich niemand der Beteiligten berappen.

Dort liegen sie aber nicht einfach nur herum, sondern belasten die Umwelt Jahr für Jahr stärker. Gerade die billig produzierten Textilien aus China und Bangladesch sind biologisch nur selten abbaubar, dafür aber voll mit Chemikalien. Deshalb werden die Textilien auch von den städtischen Mülldeponien nicht akzeptiert. Ein synthetisches oder chemisch behandeltes Kleidungsstück braucht bis zu 200 Jahre, um abgebaut zu werden, und vergiftet die Umwelt dabei genauso stark wie alte Autoreifen oder Kunststoffe.

Isolation aus Altkleidern

So wachsen die Kleiderberge in der Atacama-Wüste weiter Jahr für Jahr an. Einige der ärmsten Menschen in der Region durchstöbern die Altkleider-Landschaft nach Stücken, die sie verkaufen oder selbst brauchen können. Ein 2018 gegründetes Unternehmen schreddert die Altkleider und stellt daraus Isolierplatten her. «Ich wollte aufhören, das Problem zu sein, und anfangen, die Lösung zu sein», sagt Gründer Franklin Zepeda gegenüber AFP.

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