Model-Manager Gérald Marie soll mehrere Frauen vergewaltigt haben
Gérald Marie am Elite Model Look 2001. 

Gérald Marie am Elite Model Look 2001.

Stephane Ruet
Publiziert

Ex von Linda EvangelistaMehrere Models werfen Gérald Marie Vergewaltigung vor

Mehrere Models werfen dem bekannten Agenten Gérald Marie vor, sie sexuell misshandelt und vergewaltigt zu haben. Jetzt gehen sie rechtlich gegen den 71-Jährigen vor.

von
Johanna Senn

Kürzlich sind in Paris acht Frauen zusammengekommen, darunter auch das ehemalige Supermodel Carré Otis. Der Grund: Sie sagen vor der französischen Staatsanwaltschaft gegen Gérald Marie aus, den ehemalige Europa-Chef der Agentur Elite Model Management. Marie, der in den späten 80ern mit Supermodel Linda Evangelista verheiratet war, gehörte zu jener Zeit zu den mächtigsten Männern in der Modebranche. Gleich mehrere ehemalige Models werfen Marie vor, sie sexuell misshandelt, vergewaltigt und sogar Menschenhandel betrieben zu haben.

Mit 17 vergewaltigt

Acht der zwölf mutmasslichen Opfer haben in Paris vor Ort ihre Aussagen gemacht. «Wie viele andere Opfer sexualisierter Gewalt, habe ich lange Zeit gebraucht, die sexuelle Misshandlung zu verarbeiten und öffentlich zu sprechen», sagt das ehemalige Model Carré Otis. Das amerikanische Model wirft dem unterdessen 71-jährigen Marie vor, sie im Jahr 2001 wiederholt in seinem Pariser Apartment vergewaltigt zu haben. Sie war damals 17 Jahre alt.

Kurz nachdem die Agentur Elite Model Management Carré Otis nach Paris geflogen habe, habe sie Gérald Marie kennengelernt. Er habe ihr Kokain gegeben, das ihr helfen sollte, Gewicht zu verlieren. Eines Nachts nach einem Fotoshoot habe die sexuelle Misshandlung angefangen. Er habe sie über Monate hinweg vergewaltigt, so Carré Otis. In dieser Zeit habe er mit ihr auch Menschenhandel betrieben und sie in die Gesellschaft von «reichen Männern in Europa» gebracht. Für Zwecke, die nichts mit Modeling zu tun gehabt hätten.

«Der Schock und die Dissoziation dieser Attacken haben mich für viele, viele Jahre begleitet», so Otis. Das ehemalige Model hat auch in New York Klage eingereicht, da in Frankreich Vergewaltigungsvorwürfe von Erwachsenen nach 20 und von Minderjährigen nach 30 Jahren verjähren.

Auch das ehemalige Model Laurie Marston ist eines der mutmasslichen Opfer Maries. Sie konnte aufgrund der Corona-Reisebestimmungen nicht selbst vor Ort sein und berichtete bereits im Sommer per Videocall in der australischen Sendung «60 Minutes Australia»: «Wir sind alle Teil eines Clubs, zu dem niemand gehören möchte». Und sie erklärte, wie wichtig es sei, dass sich auch weitere Opfer melden, da man erst dann einen sicheren Fall gegen Gérald Marie hätte. Jetzt begleitet der Sender acht Frauen in Paris zu ihrer Aussage.

Prominenter Zuspruch

Die mutmasslichen Opfer erhalten prominenten Zuspruch und Unterstützung. So äusserte sich etwa Frankreichs Ex-First-Lady Carla Bruni, die in den 90ern sehr erfolgreich modelte: «Genug ist genug – ich stehe neben Carré und den anderen Überlebenden von Gérald Marie, die nach Paris gekommen sind, um gegen ihren Täter auszusagen.» Auch Linda Evangelista lobte die Frauen für ihren Mut und ihre Stärke. «Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen glaube ich, dass diese Frauen die Wahrheit sagen», kommentierte sie den Fall.

Marie bestreitet alles vehement

Derweil bestreitet Gérald Marie die Vorwürfe, die sich in den letzten Wochen und Monaten häufen, und liess in der Vergangenheit über seine Anwälte ausrichten, dass ihn die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen sehr betroffen machen. Zudem beabsichtige er, sich im Rahmen der eingeleiteten strafrechtlichen Ermittlungen aktiv daran zu beteiligen, dass die Wahrheit ans Licht komme.

Gérald Marie ist nicht das einzige ehemalige Elite-Mitglied, gegen das Vorwürfe dieser Art erhoben werden. Auch dem mittlerweile verstorbenen Gründer von Elite Model Management, John Casablancas, wurden mehrfach sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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