Nach Schliessung: Moderate Muslime haben Angst vor An'Nur-Leuten

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Nach SchliessungModerate Muslime haben Angst vor An'Nur-Leuten

Nach der Schliessung der An'Nur-Moschee besuchen Vereinsmitglieder ein anderes Gotteshaus in Winterthur. Die Angst bei moderaten Muslimen sei gross.

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jen
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Was passiert nun nach der Schliessung der An'Nur-Moschee? Laut einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» treffen sich Exponenten des ehemaligen Vereins in einer anderen Winterthurer Moschee. (Archivbild)

Was passiert nun nach der Schliessung der An'Nur-Moschee? Laut einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» treffen sich Exponenten des ehemaligen Vereins in einer anderen Winterthurer Moschee. (Archivbild)

Keystone/Walter Bieri
Der ehemalige Gebetsraum der An'Nur-Moschee in Winterthur. Ende Juni schloss das Gebetshaus.

Der ehemalige Gebetsraum der An'Nur-Moschee in Winterthur. Ende Juni schloss das Gebetshaus.

Doris Fanconi
Der langjährige Mietvertrag mit der Moschee wurde nicht erneuert. Zunächst suchten die Betreiber ein neues Lokal – intensiv, aber erfolglos. (17. November 2015).

Der langjährige Mietvertrag mit der Moschee wurde nicht erneuert. Zunächst suchten die Betreiber ein neues Lokal – intensiv, aber erfolglos. (17. November 2015).

Keystone/Walter Bieri

Die berüchtigte An'Nur-Moschee hat Ende Juni geschlossen: Immer wieder geriet das Gebetshaus in Winterthur-Hegi in die Schlagzeilen. Nicht zuletzt wegen Jihad-Reisenden, einem Prediger, der zum Mord an gemässigten Muslimen aufgerufen haben soll, und der angeblichen Attacke auf zwei mutmassliche Informanten eines Journalisten.

Das Ende der An'Nur-Moschee bedeutet aber nicht, dass die Ideologie der Extremisten verschwindet. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt, treffen sich mehrere Exponenten der An'Nur-Moschee nun in einem anderen Gotteshaus in Winterthur. Dieses gehöre der türkisch-konservativen Gemeinschaft Milli Görüs.

Gemeinschaft ist nicht unumstritten

Bisher sei unklar, welchen Einfluss die Exponenten der An'Nur-Moschee auf die Moschee an der Lindstrasse hätten. Gemäss NZZ fürchten sich aber gemässigte Muslime davor, dass die An'Nur-Exponenten an Bedeutung gewinnen könnten.

Die Gemeinschaft Milli Görüs ist nicht unumstritten. Sie wird vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet und in einem Bericht als antidemokratisch beschrieben. Islamkennerin Saïda Keller-Messahli ordnet die Gemeinschaft als türkisch-nationalistisch sowie islamistisch ein. Rund zwanzig Gotteshäuser gehören laut Keller-Messahli der Milli Görüs an.

«Die Moschee ist unproblematisch»

Markus Klinkner, Sicherheitsbeauftragter der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ), relativiert. «Die Moschee ist unproblematisch», sagt er zur NZZ. Der Schweizer Ableger von Milli Görüs grenze sich klar vom deutschen Pendant ab.

Auch der Sicherheitsbeauftragte der VIOZ stellt eine Besorgnis der Moschee-Besucher gegenüber An'Nur-Exponenten fest: «Viele Gläubige befürchten, dass nun problematische Fälle aus der An'Nur-Moschee in ihr Gotteshaus kommen.»

Terrorexperte Johannes Saal warnt vor einem solchen Szenario und bezieht sich dabei auf das Negativbeispiel der König-Faysal-Moschee in Basel, wo es einen Richtungsstreit zwischen gemässigten und radikalen Kräften gab: «Man muss aufpassen, dass in Winterthur nicht das Gleiche passiert.»

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