Kritik nach SRF-«Arena»: «Moderator oder Gäste hätten gleich etwas sagen müssen»
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Kritik nach SRF-«Arena»«Moderator oder Gäste hätten gleich etwas sagen müssen»

Mit einer Aussage über die neue US-Vizepräsidentin Kamala Harris verärgerte SP-Nationalrätin Yvonne Feri linke Kreise. Die Gefahr von Rassismus sei bei allen Menschen vorhanden, sagt EKR-Vizepräsidentin Nora Refaeil.

von
Daniel Krähenbühl

Darum gehts

  • SP-Nationalrätin Yvonne Feri wird nach einer Aussage in der SRF-«Arena» Rassismus vorgeworfen.

  • Laut Feri könne US-Vize Kamala Harris «sowieso tanzen», weil sie als dunkelhäutige Person «den Rhythmus» habe.

  • Neben Feri werden auch die «Arena»-Gäste kritisiert, weil sie nicht eingegriffen haben.

  • Bei der Äusserung Feris handle es sich um eine Stereotypisierung und wohl um positiven Rassismus, sagt Nora Refaeil, Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus.

  • Feri hat sich mittlerweile bei 20 Minuten und auf Twitter für ihre Aussagen entschuldigt.

«Ich bin überzeugt, dass Kamala Harris sowieso tanzen kann. Sie ist eine dunkelhäutige Person und kommt ursprünglich aus Hawaii – dort hat man ja diesen Rhythmus»: Mit dieser Aussage in der SRF-«Arena»-Sendung vom vergangenen Freitagabend sorgte SP-Nationalrätin Yvonne Feri für Empörung. Aus linken Kreisen wird Feri seither harsch kritisiert. Das Feministische Streikkollektiv Zürich prangert das Verhalten der Gäste und von «Arena»-Moderator Sandro Brotz an: Während Feri «rassistische Aussagen und Zuschreibungen mache», hätten die weiteren Gäste – Grünen-Nationalrat Bastien Girod und CVP-Nationalrätin Ruth Humbel – und Brotz geschwiegen. «Schweigen ist Mittäter:innenschaft!», urteilt das Streikkollektiv.

Die Äusserung Feris sei «inakzeptabel», schreibt Stefanie Boulila, Dozentin an der Hochschule Luzern und Expertin für Rassismusfragen, auf Twitter. «Dieser ‹nett gemeinte› Rassismus ist aber typisch für die Schweiz, wo viele Menschen rassistische Diskurse nicht erkennen.» Darum dürften «solche kolonialrassistischen Stereotypen» nicht unkommentiert bleiben.

Bei der Äusserung Feris handle es sich um eine Stereotypisierung und wohl positiven Rassismus, sagt auch Nora Refaeil, Basler Anwältin und Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR). Dieser sei gegeben, wenn vermeintlich «positive» Eigenschaften mit der Hautfarbe, Herkunft oder dem Geschlecht einer Person verknüpft werden. «Die Gefahr von Rassismus ist bei allen Menschen vorhanden. Auch wenn es viele nicht rassistisch meinen, wenn sie stereotype Bemerkungen machen.»

Schweigen – trotz Rassismus

Entscheidend sei die Frage, ob man sich dessen bewusst ist und wie man damit umgeht, sagt Refaeil. «Wichtig ist, dass Frau Feri sich eingesteht, dass sie eine stereotype Bemerkung gemacht hat.» Zudem müsse sich das SRF grundsätzlich Gedanken machen, wie es das Thema Rassismus auf institutioneller Ebene in Zukunft angehen will. «Man muss sich nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf einer strukturellen und kulturellen Ebene mit dem Thema befassen.»

Laut Refaeil hätten der Moderator oder die Gäste nach Feris Kommentar gleich etwas sagen müssen. Dass sie Feri nicht unterbrachen, überrasche sie jedoch nicht. «Nicht nur bei negativem, auch bei positivem Rassismus sind viele still. Wir haben in der Gesellschaft nicht wirklich gelernt, schwierige Diskussionen zu führen und vor allem solidarisch zu sein.» Dass auf Twitter von einer «Hexenjagd» oder von «Empörungsfanatismus» gesprochen werde, sei eine unnötige, aber sehr oft vorkommende «Verteidigungs- und Ablenkungshandlung», sagt Refaeil. «Der Fokus sollte jedoch darauf gelegt werden, was wir alle tun können, um eine gerechte und inklusive Gesellschaft zu sein.»

«Arena»-Gäste verteidigen sich

Die vom Feministischen Streikkollektiv als «Mittäterin» angegriffene CVP-Nationalrätin Ruth Humbel wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Diese Anschuldigungen sind absolut haltlos und daneben.» Die Aussage Feris sei ganz am Schluss der «Arena»-Sendung gefallen, wo jeder Teilnehmer kurz Zeit hat, auf eine Frage oder ein Bild zu reagieren. «Zu dem Zeitpunkt lässt es schon allein das Format nicht zu, dass man jemanden anders unterbricht und eine Diskussion entfacht», sagt Humbel. «Daher sehe ich bei uns überhaupt keine Mitverantwortung.»

Auch Grünen-Nationalrat Bastien Girod weist darauf hin, dass man die Aussagen Feris in den Kontext der Sendung stellen müsse. «Feri musste beantworten, welches Lied sie der neuen US-Vizepräsidentin Kamala Harris zum Herunterfahren empfehlen würde, ich wurde gefragt, welches Gericht ich Harris kochen würde», sagt Girod. Feri habe wohl aufgrund einer kleinen Nervosität eine unüberlegte Antwort gegeben. «Ich finde es nicht richtig, dass man ihr daraus einen Strick dreht.»

Feri: «Meine Aussage war stereotypisch»

Zu 20 Minuten sagt Feri am Samstag, dass ihre Aussage «total positiv gemeint» gewesen sei. «Ich bin alles andere als rassistisch. Sollte ich in der Nervosität der Abschlussfrage eine stereotypisierte Aussage gemacht haben, tut mir das leid und dafür entschuldige ich mich.» Am Sonntag griff Feri die Thematik erneut auf und entschuldigte sich in einem Tweet: «Meine Aussage zu Kamala Harris war stereotypisch. Das tut mir wirklich leid.»

Das Schweizer Fernsehen wollte sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht weiter zur «Arena»-Sendung äussern.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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