Empörung bei Arbeitskollegen: Moderatorin eckt mit Interview zu AfD-Sieg an
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Empörung bei ArbeitskollegenModeratorin eckt mit Interview zu AfD-Sieg an

Die Journalistin Wiebke Binder sorgte mit Kommentaren zum AfD- Sieg für Aufsehen. Einer ihrer Arbeitskollegen distanzierte sich sogar öffentlich.

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Bei den Landtagswahlen in den ostdeutschen Ländern Sachsen und Brandenburg konnte die rechtspopulistische AfD am 1. September 2019 ihr Ergebnis mehr als verdoppeln.

Bei den Landtagswahlen in den ostdeutschen Ländern Sachsen und Brandenburg konnte die rechtspopulistische AfD am 1. September 2019 ihr Ergebnis mehr als verdoppeln.

Getty Images/Maja Hitij
Die Moderatorin Wiebke Binder (rechts) vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sorgte mit AfD-affinen Aussagen für Aufsehen.

Die Moderatorin Wiebke Binder (rechts) vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sorgte mit AfD-affinen Aussagen für Aufsehen.

Clemens Bilan
Unter anderem sprach die Reporterin in der Sendung von einer «bürgerlichen Koalition». Später interviewte sie den AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban (im Bild) und meinte dazu, es habe «Positives» über die AfD zu berichten gegeben.

Unter anderem sprach die Reporterin in der Sendung von einer «bürgerlichen Koalition». Später interviewte sie den AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban (im Bild) und meinte dazu, es habe «Positives» über die AfD zu berichten gegeben.

Getty Images/Maja Hitij

Die massiven Stimmengewinne für die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg sorgen für einen politischen Eklat. In der ARD lösten ein Interview und die Kommentare von Moderatorin Wiebke Binder vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) einen Konflikt aus: Binder sprach von einer «bürgerlichen Koalition», ihr Arbeitskollege von der ARD, Arnd Henze, distanzierte sich öffentlich von dieser Position.

Zu Beginn der Live-Sendung zu den Wahlen führte die Reporterin ein Gespräch mit dem CDU-Politiker Marco Wanderwitz. Binder sagte zum AfD-Sieg: «Eine stabile Zweierkoalition, eine bürgerliche, wäre ja theoretisch mit der AfD möglich.» Mit dieser Wortwahl übernahm die Journalistin die Selbstdarstellung der Rechtspopulisten als bürgerliche Partei. Der Christdemokrat Wanderwitz antwortete deutlich: «Eine bürgerliche Koalition mit der AfD ist nicht möglich.»

Es gab «Positives» zu berichten

Später in der Sendung interviewte Wiebke Binder den sächsischen AfD-Spitzenkandidaten Jörg Urban. Der Politiker erklärte unter anderem, dass er Neuwahlen anstreben wolle, wenn seine Partei mehr Sitze erreicht haben sollte, als Kandidaten zugelassen wurden. «Wir haben ja schon vorab gesagt, wir werden in jedem Fall den Rechtsweg gehen, was die Listenstreichung angeht», sagte Urban.

Dann warf er den deutschen Medien eine «mediale Kampagne» gegen seine Partei vor. Binder dazu: «Ich denke, wir haben sehr viel über die AfD berichtet, da war schon viel zu erzählen, und auch viel … Unterschiedliches.» Urban komplettierte den Satz: «Positives.» Binder zeigte sich einverstanden: «Positives, auf jeden Fall!»

«Beim MDR verwischen die Grenzen nach rechts»

Die AfD-affinen Kommentare Binders wurden in sozialen Medien kritisiert. So twitterte etwa der deutsche Medienkritiker Stefan Niggemeier zum Vorschlag einer «bürgerlichen Koalition»: «Wahnsinn.» Binders ARD-Kollege Henze kommentierte den Tweet Niggemeiers folgendermassen: «Viele Mitarbeitende werden über diese Aussage der MDR-Moderatorin genauso irritiert sein wie Sie. Aber beim MDR verwischen nicht zum ersten Mal die Grenzen nach ganz rechts!»

Der Sender nahm am Abend dazu Stellung: «Unter dem enormen Stress einer Live-Sendung bei einer solchen Doppelwahl mit ständig neuen Ergebnissen und wechselnden Konstellationen kann es zu Missverständnissen kommen und können Unschärfen passieren», hiess es in einem Statement.

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