Aktualisiert 16.03.2017 10:34

Unterlagen aus 2005

Moderatorin publiziert Trumps Steuererklärung

US-Präsident Trump hat sich bisher erfolgreich geweigert, seine Steuererklärung zu präsentieren. Ein TV-Sender hat nun geheime Unterlagen veröffentlicht.

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foa/sda

Hat wohl Donald Trumps negative Aufmerksamkeit geweckt: Rachel Maddow, Moderatorin von «The Rachel Maddow Show» auf MSNBC. (Video: Tamedia/MSNBC)

Während des Wahlkampfs waren seine nicht offen gelegten Steuererklärungen immer wieder Thema. Erfolgreich hatte US-Präsident Donald Trump diese Informationen geheim gehalten. Dem US-Sender MSNBC ist nun eine mehr als zehn Jahre alte Steuererklärung von US-Präsident Donald Trump zugespielt worden. Auf Twitter hat TV-Moderatorin Rachel Maddow einen Coup angekündigt. «Wir haben Trumps Steuererklärung (kein Witz).» MSNBC die Unterlagen zugespielt hat der Pulitzer-Preisträger David Cay Johnston.

Maddow präzisierte später am Fernsehen: Die Unterlagen stammen aus dem Jahr 2005. Gemäss diesen hat US-Präsident Donald Trump im besagten Jahr über 150 Millionen Dollar Gewinn gemacht und 38 Millionen Dollar Bundessteuern bezahlt. Trump liegt damit über dem Schnitt von knapp zehn Prozent, den der Durchschnittsamerikaner jedes Jahr an Einkommenssteuer zahlt. Allerdings gab Trump weniger als die veranschlagten 27,4 Prozent für Steuerzahler ab, die ein durchschnittliches Jahreseinkommen von einer Million Dollar haben.

Die Seiten des Steuerdokuments des damaligen Immobilienmoguls führen auch einen Geschäftsverlust in Höhe von 103 Millionen Dollar (etwa 96,6 Millionen Euro) für 2005 auf. Nähere Details dazu sind nicht angegeben. Trumps grosser Verlust könnte auf ein Steuerschlupfloch aus den 1990er-Jahren zurückgehen, das es ihm erlaubte, Geschäftseinbussen erst in den nachfolgenden Jahren abzusetzen. 1995 gab Trump einen Verlust von 900 Millionen Dollar an, hauptsächlich wegen Finanzturbulenzen in seinen Kasinos.

18 Jahre keine Steuerzahlungen

Steuerunterlagen, die im vergangenen Jahr der Zeitung «The New York Times» vorlagen, zeigten, dass die Geschäftsverluste dermassen gross waren, dass Trump bis zu 18 Jahre lang keine Steuern zahlen müsse. Die Unterlagen von 2005 führen jedoch auf, dass eine andere Steuer verhinderte, dass Trump das voll ausschöpfen konnte.

Der Grossteil der Steuern fiel vor zwölf Jahren wegen der sogenannten alternativen Mindeststeuer (AMT) an, die verhindern soll, dass Steuerzahler mit hohem Einkommen nur die geringsten Steuerabgaben abdrücken. Wegen der AMT müssen viele Steuerzahler ihre Abgaben zweimal berechnen: einmal nach den normalen Einkommenssteuerregeln und einmal mit AMT. Anschliessend müssen sie den höheren Betrag zahlen. Kritiker sagen, AMT treffe mehr Angehörige der Mittelschicht als eigentlich gewollt.

Die Moderatorin hat das Weisse Haus mit den Informationen konfrontiert und in ihrer TV-Show deren Statement publiziert. Das Weisse Haus bestätigte die Zahlen. Es wies jedoch darauf hin, dass es die Veröffentlichung von Steuerunterlagen ohne Zustimmung des Betroffenen für illegal halte. Es zeige die Verzweiflung, wenn man für eine gute Quote bereit sei, gegen das Gesetz zu verstossen, um eine Geschichte einer alten Steuererklärung voranzutreiben. Moderatorin Rachel Maddow wiederum wies den Vorwurf der Illegalität mit der Begründung zurück, dass dies im Auftrag des öffentlichen Interesses sei.

Ob aus den Unterlagen brisante Details, etwa zu Geschäftsbeziehungen nach Russland, herauszulesen sind, wurde zunächst nicht bekannt.

Trump hatte sich bisher geweigert, seine Steuerunterlagen zu veröffentlichen, und war dafür vielfach kritisiert worden. Es ist in US-Wahlkämpfen üblich, dass die Kandidaten ihre Steuererklärungen offenlegen, um den Bürgern ihre wirtschaftliche Situation und mögliche Abhängigkeiten aufzuzeigen. Trump ist nach Angaben des Fernsehsenders CNN der einzige Präsidentschaftskandidat der grossen Parteien seit 1972, der seine Steuererklärung nicht publik gemacht hat.

Trump hatte im Wahlkampf eine andauernde Steuerprüfung als Grund für seine Weigerung angeführt, seine Steuererklärungen offenzulegen. Bei einem TV-Duell im Wahlkampf sagte er zudem, es sei «smart» von ihm, keine Steuern zu zahlen.

Reaktionen auf Twitter

Regisseur und bekennender Trump-Gegner Michael Moore feuert via Twitter die Moderatorin an.

Ein Unterstützer von Hillary Clinton zeigt Schadenfreude: «Trump kann abstreiten, was er will, aber du weisst, dass er gerade MSNBC schaut.»

Allgemein liessen die Reaktionen auf Twitter nicht lange auf sich warten. Radiomoderator Bill Mitchell fasst zusammen: «Russland hackt DNC – schlecht! MSNBC hackt Trumps Steuererklärung – wunderbar! Die Heuchelei ist körperlich schmerzhaft ...»

Es gibt auch Kritik am Sender, wie zum Beispiel dieser User. «Zu berichten, dass Donald Trump total reich ist, ist Journalismus? Kommt schon!»

Und über die Moderatorin und ihre «Breaking News» machen sich auch einige lustig. «Wenn dein IQ 75 beträgt, aber du selber denkst, er sei 220 – dann bist du vielleicht Rachel Maddow.»

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