Oscar vs. Mata: Moderner Zehnkampf bei Chelsea

Aktualisiert

Oscar vs. MataModerner Zehnkampf bei Chelsea

Chelseas 22-jähriger Brasilianer Oscar ist auf bestem Weg, einst zum besten Zehner der Welt zu werden. Dafür muss José Mourinho aber Juan Mata opfern.

von
Eva Tedesco

Beim FC Basel steht Matias Delgado seit seiner Rückkehr unter spezieller Beobachtung auf der Position des Zehners. Im Interview mit 20 Minuten sprach der Argentinier über seine Interpretation des modernen Zehners, nachdem die klassische Zehn vom Aussterben bedroht ist.

Den passenden Anschauungsunterricht zum Thema könnten die Bebbi und auch die Fans schon beim kommenden Auftritt des FC Chelsea am Dienstag im St. Jakob-Park erleben. In Oscar dos Santos Emboaba Junior, kurz Oscar, wächst bei den «Blues» ein moderner Zehner heran, der den gegenwärtigen Fussball sehr klug interpretiert, die nötige Variabilität in der Positionsfindung und das Gesamtpaket mitbringt, einst zum besten Zehner der Welt zu werden – laut José Mourinho zumindest aus taktischer Sicht.

Unpopuläre Entscheidung trifft Weltmeister

Mourinho hat mit seinen Personalentscheidungen bei all seinen Klubs überrascht. Bei Real Madrid hat er zum Bispiel Captain Iker Casillas aussortiert oder Mezut Özil in wichtigen Spielen als Flügelspieler eingesetzt. Bei Chelsea traf eine unpopuläre Entscheidung Juan Mata. Der spanische Weltmeister wurde zum Opfer, als Mourinho begann, auf Oscar zu setzen. Begründet hat «The Special One» seine Umbesetzung damit, dass der 22-jährige Brasilianer mehr Defensivarbeit verrichte und gepaart mit seiner offensiven Stärke mehr zum Wohl der Mannschaft beitrage.

Die passenden Zahlen zu der Einschätzung des Portugiesen: Oscar kommt in der laufenden Premier-League-Saison (11 Spiele/4 Tore) im Schnitt auf 4,7 Defensivaktionen pro Spiel; Mata (7/0) aber nur auf 0,9. Relevanter als Zahlen ist das taktische Verhalten des Brasilianers, das Chelsea unterschiedliche Pressing-Varianten erlaubt.

Oscar für einen Trainer Gold wert

Oscar kann im 4-4-1-1- und 4-4-2-System die Sturmspitze unterstützen. Er kann im 4-2-3-1-System den zwei Sechsern aushelfen und im Angriff umgehend auf ein 4-3-3 umschalten. Dank seiner Laufstärke und Spielintelligenz ist Oscar auch in einem 4-1-4-1 gut aufgehoben, wo er dann die Position eines Achters einnimmt.

Noch ist Oscar nicht auf dem Niveau eines Mesut Özil (Arsenal), der in momentan einen der besten modernen Spielmacher abgibt und auch noch nicht auf dem Level von Toni Kroos (Bayern München), der mit seiner Flexibilität mehrere Rollen übernehmen kann und für jeden Trainer Gold wert ist. Aber wie Kroos versteht es auch Oscar, die Problemzonen in der gegnerischen Abwehr aufzudecken. Oft erarbeitet er zudem Torchancen, ohne Pässe zu spielen. Stattdessen läuft er sich so geschickt frei, dass er damit unerwartet Räume für seine Mannschaftskollegen öffnet.

Di Matteo bescheinigte Oscar viel Talent

Auch der ehemalige Chelsea-Trainer und Champions-League-Sieger Roberto Di Matteo hielt grosse Stücke auf Oscar. «Er ist ein sehr talentierter Spieler», so Di Matteo. Der Schaffhauser setzte Oscar in der letzten Saison als Aussenstürmer ein, aber dosierte dessen Einsätze.

Zu seiner Zeit bei den Londonern sei Oscar halt noch sehr jung gewesen, der Sprache nicht mächtig und er habe ihm deshalb noch nicht alle Last der Verantwortung auf die Schultern legen wollen. Es war das erste Jahr des Brasilianers nach seinem Wechsel 2012 von Internacional Porto Alegre in die Premier League. Dennoch kam Oscar auf 64 Pflichtspiele für die «Blues» und 16 Länderspiele für Brasilien, wo er drauf und dran ist, Superstar Kakà vergessen zu machen.

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