Notlage im Asylbereich: Zug schnappt Modulbau für Geflüchtete Luzern vor der Nase weg

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Notlage im AsylbereichZug schnappt Modulbau für Geflüchtete Luzern vor der Nase weg

Der Kanton Luzern hat die Notlage im Asylbereich erklärt. Aber er liess sich eine Gelegenheit für Plätze entgehen, die nun Zug nützt. Die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen sagt, woher sie nun die benötigten Plätze nehmen will.  

von
Daniela Gigor
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Dieser Modulbau war ein provisorisches Pflegezentrum in Ebikon. Nun wird es nach seinem Abbau in Zug wieder aufgebaut und das Gebäude soll rund 400 Menschen aus der Ukraine als vorübergehendes Zuhause Platz bieten.

Dieser Modulbau war ein provisorisches Pflegezentrum in Ebikon. Nun wird es nach seinem Abbau in Zug wieder aufgebaut und das Gebäude soll rund 400 Menschen aus der Ukraine als vorübergehendes Zuhause Platz bieten.

DM Bau AG
DM Bau AG
Im Gebiet Gottlieben in Meggen hätte eine Container-Siedlung 100 Flüchtenden Schutz bieten sollen. Das Kantonsgericht verfügte im Oktober aber einen Baustopp. 

Im Gebiet Gottlieben in Meggen hätte eine Container-Siedlung 100 Flüchtenden Schutz bieten sollen. Das Kantonsgericht verfügte im Oktober aber einen Baustopp. 

20 Minuten

Darum gehts 

  • Der Kanton Zug hat einen Occasion-Modulbau gekauft, in dem 400 Geflüchtete untergebracht werden sollen.  

  • Dieses Gebäude wurde im Kanton Luzern zuvor als Provisorium für ein Altersheim genutzt.

  • Vor einer Woche dehnte der Luzerner Regierungsrat per sofort die Notlage auf den gesamten Asyl- und Flüchtlingsbereich aus. 

  • Auf Anfrage bei der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen heisst es, dass der Modulbau «nicht zur Disposition» stand. 

  • Dies sieht der Verkäufer des Modulbaus anders. 

Der Kanton Zug muss 1,5 Prozent aller Personen aufnehmen, welche in die Schweiz geflüchtet sind. In dieser Zahl sind auch die Menschen enthalten, die wegen des Krieges aus der Ukraine in die Schweiz kommen. Weil bei verschiedenen, temporären kantonalen Unterkünften die Mietverträge in absehbarer Zeit auslaufen, hat der Kanton Zug einen Occasion-Modulbau zur Unterbringung von bis zu 400 Personen gekauft. Dieser Modulbau wurde im Kanton Luzern zuvor als Provisorium für ein Altersheim genutzt.

Nun wird das Gebäude auf der Lorzenallmend wieder aufgebaut. Die Bewilligung wurde durch die Stadt Zug bereits erteilt. Die Inbetriebnahme als Unterkunft für Geflüchtete ist voraussichtlich im Sommer 2023 vorgesehen. Weniger entspannt dürfte die Lage im Kanton Luzern sein, weil der Regierungsrat vor einer Woche per sofort die Notlage auf den gesamten Asyl- und Flüchtlingsbereich ausdehnte. Der Kanton teilte mit: «Um die höhere Anzahl eingegangener Asylgesuche bewältigen zu können, aktivierte das SEM am 24. Oktober 2022 deshalb die Notfallplanung. Seither kann das Staatssekretariat für Migration den Kantonen Personen aus dem ordentlichen Asylverfahren früher zuweisen.» 

«Bei uns steht der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund und mit dem Kanton Zug konnte eine anknüpfende Nachnutzung gefunden werden»

Hans-Georg Hettich, Zuständiger für den Vertrieb bei der Unternehmung DM Bau AG 

Für den Kanton Luzern würde dies heissen, dass bis Ende Jahr voraussichtlich weitere rund 1000 Personen aufgenommen, untergebracht und betreut werden müssen. «Gleichzeitig fallen Ende März 2023 rund 600 Plätze im Kanton Luzern weg, da zu diesem Zeitpunkt die Frist mehrerer Zwischennutzungen endet», so der Kanton weiter. Hinzu kommt, dass im Gebiet Gottlieben in Meggen vom Kantonsgericht ein Baustopp für eine Container-Siedlung verfügt wurde, die 100 Flüchtenden hätte Schutz bieten sollen. Darum stellt sich die Frage, warum der Kanton Luzern im vergangenen März nicht auf den Modulbau setzte, der bereits in Ebikon aufgebaut war, rückgebaut wurde und nun vom Kanton Zug gekauft wurde? «Diese Anlage hatte nicht zu unserer Disposition gestanden. Wir haben bereits solche Wohncontainersiedlungen in Betrieb, beispielsweise in Nottwil», schreibt eine Mitarbeiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen auf Anfrage.  

Das provisorische Pflegezentrum gehörte der Unternehmung DM Bau mit Sitz in Oberriet SG. Nach dem Rückbau im Frühling wurde es auch dort zwischengelagert. «Bei uns steht der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund und mit dem Kanton Zug konnte eine anknüpfende Nachnutzung gefunden werden», sagt Hans-Georg Hettich, der für den Vertrieb zuständig ist. Woher aber nimmt jetzt der Kanton Luzern seine benötigten Plätze für Asylsuchende: «Wir sind schon längere Zeit mit Hochdruck daran, neue Unterbringungsmöglichkeiten zu suchen.» Bekanntermassen würden im Dezember in Adligenswil und in Sempach zwei Zentren mit 80 beziehungsweise 50 Plätzen in Betrieb genommen. Diese waren laut der zuständigen Dienststelle aber schon vor Ausrufung der Notlage in Planung. 

Ob die Unterkunft in Meggen gebaut werden kann, ist offen 

Wegen des Baustopps in Meggen ist auch noch unbekannt, ob diese Unterkunft fertig gebaut und in Betrieb genommen werden kann. «Unabhängig davon suchen wir laufend nach Unterbringungsmöglichkeiten.  Ausserdem werden Zivilschutzanlagen vorbereitet, jedoch nur als Kurzunterbringungen», schreibt die Dienststelle weiter. Geflüchtete müssen also nach wie vor damit rechnen, dass sie kurzfristig in unterirdischen  Unterkünften hausen müssen, obwohl der zuständige Regierungsrat Guido Graf genau dies vermeiden wollte.  

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