Er war in Butscha dabei – jetzt will er Asyl in Spanien

Aktualisiert

Russischer DeserteurEr war beim Butscha-Massaker dabei – jetzt will er Asyl in Spanien

Nikita Chibrin (27) war bei der berüchtigten 64. Brigade, die das Butscha-Massaker anrichtete. Jetzt soll er in Spanien sein und um Asyl beten. Er beteuert seine Unschuld.

von
Reto Bollmann
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Nikita Chibrin (27) war Teil einer militärischen Einheit, die in Butscha operierte und der Gräueltaten vorgeworfen werden. Er desertierte nach eigenen Angaben bereits im Juni.

Nikita Chibrin (27) war Teil einer militärischen Einheit, die in Butscha operierte und der Gräueltaten vorgeworfen werden. Er desertierte nach eigenen Angaben bereits im Juni.

gulagu.net
Chibrins 64. Motorschützenbrigade steht mit den Gräueltaten in Butscha in Verbindung. 

Chibrins 64. Motorschützenbrigade steht mit den Gräueltaten in Butscha in Verbindung. 

IMAGO/Ukrinform
Er betont jedoch, er habe im Krieg keinen Schuss abgefeuert und sei wegen seiner kriegskritischen Einstellung schon früh zum «Putzen und Verladen» abkommandiert worden.

Er betont jedoch, er habe im Krieg keinen Schuss abgefeuert und sei wegen seiner kriegskritischen Einstellung schon früh zum «Putzen und Verladen» abkommandiert worden.

IMAGO/Olaf Schuelke

Darum gehts

  • Der 27-jährige Nikita Chibrin war Teil einer russischen Militäreinheit, die in Butscha operierte und der Gräueltaten vorgeworfen werden.

  • Im Juni, vier Monate nach Beginn der Invasion, ist Chibrin aus seiner Einheit desertiert.

  • Er bestreitet, in der Ukraine Gewalt ausgeübt zu haben, und würde gerne gegen den «kriminellen Krieg» Russlands vorgehen.

Der 27-jährige russische Soldat Nikita Chibrin will vor einem internationalen Gericht gegen die russische Armee aussagen. In Spanien bittet der Soldat, dessen Einheit beschuldigt wird, in der Kiewer Vorstadt Butscha Kriegsverbrechen begangen zu haben, nun um Asyl, wie der «Guardian» berichtet.

Chibrin sagte gegenüber dem «Guardian», er habe «weit verbreitete Gerüchte» gehört, dass seine Kameraden sexuelle Gewalt verübten und Zivilisten töteten. Er beschuldigt seine Kameraden zudem, Waschmaschinen, Elektronik und andere Geräte aus ukrainischen Häusern geplündert zu haben. Im Juni, vier Monate nach Beginn der Invasion, ist Chibrin aus seiner Einheit desertiert.

«Habe kein einziges Mal eine Waffe abgefeuert»

Chibrin bestreitet, jemals Zeuge von Schiessereien geworden oder an den angeblichen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Er sei zum «Putzen und Verladen» abkommandiert worden, da er sich von Anfang an gegen den Krieg ausgesprochen habe. «Ich habe in der Ukraine kein einziges Mal eine Waffe abgefeuert», beteuert der 27-Jährige.

«Ich habe nichts zu verbergen», so der in Jakutsk geborene Chibrin, der sich im Sommer 2021 aus finanzieller Not der russischen Armee anschloss. «Am ersten Tag der Invasion, dem 24. Februar, bin ich über die belarussische Grenze in die Ukraine eingereist», sagt er. Er sei Teil der 64. Motorschützenbrigade der Separatisten gewesen.

64. Brigade wurde für «Heldentum» ausgezeichnet

Nach ukrainischen Angaben folterten und töteten Mitglieder dieser Brigade Zivilisten in Butscha und den umliegenden Kiewer Vororten, bevor sie Ende März zum Rückzug gezwungen wurden. Präsident Wladimir Putin verlieh der Brigade kurz darauf den Ehrentitel «Garde» und lobte sie für ihr «Heldentum und Mut».

Russische Offizielle haben wiederholt bestritten, dass die «Spezialoperation» jemals gegen Zivilisten gerichtet war, und haben die Beweise für Gräueltaten in Städten wie Butscha als Fälschung und Provokation abgetan.

Im Lastwagen geflüchtet

Nach Angaben von Chibrin ist er am 16. Juni desertiert und hat sich in einem Lastwagen versteckt, der auf dem Rückweg nach Russland war, um Lebensmittel zu holen. 

Zwar konnten Chibrins Angaben nicht unabhängig überprüft werden, aber der «Guardian» hat nach eigenen Angaben Dokumente und Fotos vom Soldaten erhalten, die zeigen, dass er in der Brigade stationiert war. Diese Woche sei er in Spanien angekommen, wo er vom Flughafen aus per Telefon mit der Zeitung sprach und in einer vorübergehenden Unterkunft für Flüchtlinge in Madrid untergebracht wurde. Die spanischen Behörden lehnten eine Stellungnahme ab, da die Gefahr der Verfolgung politischer Asylbewerber bestehe.

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