«Möchte nochmals Meister und Cupsieger werden»
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«Möchte nochmals Meister und Cupsieger werden»

Beim Hamburger SV wurde er ein Opfer der Verjüngungskur, bei einigen Klubs war Raphael Wicky (30) aber heiss begehrt. Woran lag es, dass er sich zu einer Rückkehr ins Wallis entschloss?

Bei Chivas Los Angeles lag eine Vertragsofferte vor, er verhandelte mit Luzern und Zürich, unterschrieb aber beim FC Sion für drei Jahre.

Der 75-fache Schweizer Internationale kehrt nach zehnjährigem Auslandaufenthalt in seine Heimat zurück. 218 Bundesliga-Spiele hat der polyvalent einsetzbare Mittelfeld- und Abwehrspieler für Werder Bremen und den HSV bestritten, elf Spiele während eines knappen Jahres für Atletico Madrid in der Segunda Division in Spanien.

Weshalb kehrten Sie wieder zum FC Sion zurück?

Raphael Wicky: Zwei Gründe waren entscheidend. Bei Sion habe ich die Gewissheit, in einem Spitzenteam zu sein, das ganz oben mitspielen wird. Die Mannschaft hat das Potenzial, unter die ersten Drei zu kommen. Ich bin vor zehn Jahren von Sion als Meister und Cupsieger ins Ausland weggezogen und würde gerne meine Karriere mit den gleichen Erfolgen beenden. Zweitens bin ich Walliser. Meine Rückkehr war auch ein Entscheid des Herzens. Meine Familie lebt im Oberwallis, meine Freundin ist Walliserin. Wenn es die Zeit erlaubte, kehrte ich stets gerne in meine Heimat zurück.

Werden Sie wieder im Oberwallis, in Steg, sesshaft?

Kaum. Ich lebte zehn Jahre in Grossstädten und habe mich daran gewöhnt. Ich könnte mir vorstellen, in Lausanne oder dessen Umgebung sesshaft zu werden. Wir trainieren ja in Martigny.

War die USA keine Alternative?

Oh, doch. Ich weilte Anfang August eine Woche in Los Angeles, habe mit den Chivas Los Angeles trainiert und verhandelt. Es war eine interessante Erfahrung, und ich war vom hohen Niveau überrascht. Der Verein hat mir auch einen Vertrag angeboten...

... den Sie ausgeschlagen haben.

Aus sportlichen, privaten und auch finanziellen Gründen hat es nicht geklappt.

Beim FC Sion wurden nun all ihre Wünsche erfüllt.

Seit Jahren habe ich ein gutes Verhältnis zu Christian Constantin. Für drei Saisons habe ich mich verpflichtet, mit einer Option für eine viertes Jahr. Und wir werden in den nächsten Wochen auch über meine Zukunft nach meiner Aktivlaufbahn reden. Ich kann mir vorstellen, im Fussballgeschäft zu bleiben. Hätte ich allein aufs Geld geschaut, wäre ich nach Russland, Griechenland, Japan oder Katar gegangen. Solche Anfragen habe ich aber immer früh abgeblockt.

Sie haben ja ohnehin finanziell ausgesorgt.

Über Geld rede ich nicht. Sicherlich habe ich während den zehn Jahren gut verdient und kann mir ein angenehmes Leben leisten.

Welche Position ist in Sion für Sie vorgesehen?

Ich werde im defensiven Zentrum spielen, entweder im Mittelfeld oder in der Abwehr. Wo ich spiele, entscheidet Trainer Bigon.

Läuft Wicky am Sonntag in St. Gallen schon im Walliser Dress ein?

Ich bin fit und habe am Donnerstagmorgen den medizinischen Test bestanden. Beim HSV habe ich die ganze intensive Vorbereitung mitgemacht. Mir fehlt aber die Spielpraxis. Zudem kenne ich die Mitspieler noch nicht und habe die Automatismen nicht verinnerlicht. Am Donnerstagabend habe ich erstmals mit Sion trainiert. Unter diesen Umständen macht ein Einsatz in St. Gallen keinen Sinn. Auch ich brauche Zeit, um mich zu integrieren. Aber der Trainer macht die Aufstellung.

Warum wurden Sie beim HSV trotz Vertrag bis im Sommer 2008 aussortiert?

Der HSV hat seine Strategie geändert und setzt auf junge Spieler, die man fördern und dann teuer verkaufen will. Viele erfahrene Spieler mussten daher weg. Das ist hart, besonders wenn man schöne und erfolgreiche Jahre bei diesem Klub verbracht hat. Aber so sind die Gesetze im bezahlten Fussball. Ich habe 5 1/2 tolle Jahre in Hamburg verbracht und bin stolz, jahrelang HSV- Stammspieler gewesen zu sein.

Die EM in der Schweiz und Österreich steht vor der Tür. Sie haben schon zwei EM-Endrunden bestritten (1996, 2004). Krönen Sie Ihre Karriere mit der dritten Berufung?

Ich arbeite darauf hin. Der Ball liegt bei mir. Ich muss nun so schnell wie möglich den Rhythmus wieder finden, im Klub gute Partien spielen und mich bei Köbi Kuhn empfehlen. Die EM ist ein Ziel. Ich war stets gerne bei der Nationalmannschaft und werde alles tun, wieder Mitglied dieser Gruppe zu sein.

(si)

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