Tom Lüthi: «Möchte später Helikopterpilot werden»
Aktualisiert

Tom Lüthi«Möchte später Helikopterpilot werden»

Tom Lüthi (25) über seinen GP-Start vor zehn Jahren am Sachsenring, die Nachwehen des Sturzes von Assen vor einer Woche und warum er in zehn Jahren immer noch fahren will.

von
Klaus Zaugg
Sachsenring

20 Minuten Online: Vor zehn Jahren hat hier auf dem Sachsenring alles angefangen. Können Sie sich vorstellen, auch in zehn Jahren noch zu fahren?

Tom Lüthi: Ja, sogar sehr gut. Ich möchte auch in zehn Jahre noch fahren. Nicht einfach so dabei sein, sondern mit grossen Zielen vor Augen. Meine Motivation und mein Ehrgeiz sind im Laufe der Jahre noch grösser geworden.

Ist der Aufstieg in die MotoGP-Klasse nach wie vor ein Ziel.

Ja. Es ist an mir, mich mit entsprechenden Resultaten dafür zu empfehlen. Ich hoffe, Daniel (sein Manager Daniel M. Epp – die Red.) kann die Finanzierung einmal organisieren.

Ihr linker Arm ist noch bandagiert – leiden Sie an den Nachwehen des Sturzes vom letzten Samstag in Assen?

Nein, ich bin wieder fit. Ich bin nach Assen nicht mehr in die Schweiz zurückgekehrt und habe in Deutschland drei Tage bei unserem Teammanager (Terrell Thien – die Red.) verbracht und mich dort von Physiotherapeuten behandeln lassen. Hier am Sachsenring habe ich im Fahrerlager eine sehr gute Betreuung. Ich war am Donnerstag schon zwei Stunden in der Fahrerlagerklinik, um meine versteifte Nackenmuskulatur zu lösen.

Der Start am Sachsenring war also nie in Frage gestellt?

Nein. Am Montag und am Dienstag waren die Schmerzen zwar noch gross, aber wie schon gesagt: Inzwischen bin ich wieder fit.

Und der Nuller, der unverschuldete Sturz von Assen, ist vergessen?

Dieser Nuller ärgert mich sehr. Ich hätte vorne mithalten können und ich hatte mir eine gute Taktik zurechtgelegt. Aber dieses hätte und sollte und könnte bringt nichts. Assen ist jetzt vorbei und vergessen. Wilairot (der Fahrer, der Tom Lüthi in Assen in der ersten Runde über den Haufen gefahren hat – die Red.) hat sich bei mir entschuldigt und damit ist die Sache erledigt.

WM-Leader Marc Marquez hat die gleiche Maschine wie Sie – was macht er anders als Sie?

Er fährt ständig am und sogar über dem Limit und im Training ist er ja in Assen auch mehrmals gestürzt. Aber im Rennen kann er das Risiko offensichtlich extrem gut dosieren. Gut, man sagt, so werde es nicht immer gut gehen.

Das sagte man 2005 auch und Sie wurden doch Weltmeister ...

... so ist es. So oder so gilt: Die Jagd auf Marquez geht weiter.

Vor zehn Jahren hat hier alles begonnen. Haben Sie noch Erinnerungen an Ihren GP-Einstieg vom 19. Juli 2002?

Ja. Ich hatte im Training bereits einige Runden abgespult und dachte, ich sei ganz schön schnell. Da hat mich Weltmeister Poggiali aussen herum überholt und ich sah ihn schon nach zwei Kurven nicht mehr. Ich wusste gar nicht, dass man mit einer 125er so schnell fahren kann.

Hatten Sie damals konkrete Karriere-Pläne?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin einfach so reingerutscht. Ich war erst 15 und hatte gerade die Schule beendet. Wichtig war für mich, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen. Die war für mich ein Horror. Gedanken über eine Berufslehre machte ich mir keine und meine Eltern unterstützten mich im Rennsport: Sie sagten, ich solle diese Chance nützen und wenn es nicht klappe, so könnte ich auch mit 20 noch eine Lehre machen.

Diese Lehre haben Sie nie begonnen. Sie sind Rennprofi geworden. Haben Sie noch berufliche Pläne?

Ja. Ich möchte später Helikopterpilot werden. Die Fliegerei fasziniert mich. Schnupperflüge habe ich bereits absolviert.

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