Amerika-Gipfel : Mögen die Kubaner die Castros überhaupt?
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Amerika-Gipfel Mögen die Kubaner die Castros überhaupt?

Die USA und Kuba nähern sich zaghaft an. Die Beziehung der kubanischen Bevölkerung zu ihrer Machthaber-Familie sieht da anders aus.

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cfr
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Wen mögen die Kubaner lieber: Ihren jetzigen Machthaber Raul Castro oder seinen Vorgänger und Bruder Fidel Castro?

Wen mögen die Kubaner lieber: Ihren jetzigen Machthaber Raul Castro oder seinen Vorgänger und Bruder Fidel Castro?

Keystone/AP/Ismael Francisco
Eine der ersten Meinungsumfragen in Kuba mit 1200 Teilnehmern zeigt: Beide sind nur mittelmässig beliebt bei der Bevölkerung. 47 Prozent gaben an, den beiden eher positiv geneigt zu sein, 48 Prozent eher negativ.

Eine der ersten Meinungsumfragen in Kuba mit 1200 Teilnehmern zeigt: Beide sind nur mittelmässig beliebt bei der Bevölkerung. 47 Prozent gaben an, den beiden eher positiv geneigt zu sein, 48 Prozent eher negativ.

Keystone/AP/Javier Galeano
Besser kommt dabei der amerikanische Präsident Barack Obama weg: 80 Prozent der Kubaner haben ein eher positives Bild des US-Präsidenten.

Besser kommt dabei der amerikanische Präsident Barack Obama weg: 80 Prozent der Kubaner haben ein eher positives Bild des US-Präsidenten.

Keystone/Mauricio Duenas Castaneda

Zum Amerika-Gipfel in Kuba treffen zum ersten Mal US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Kollege Raúl Castro aufeinander. Es ist zwar keine offizielle Begegnung geplant – ein Handschlag sollte aber drinliegen. Eine Geste, die zu Zeiten des Kalten Kriegs noch undenkbar gewesen wäre.

Die USA nähern sich dem einstigen Erzfeind also an. Aber: Wie sehen die Kubaner eigentlich ihre eigenen Machthaber?

Eine Meinungsumfrage in zehn Jahren

In den USA wird die Beliebtheitsrate von Obama täglich gemessen – Kuba ist im Vergleich dazu ein «Schwarzes Loch», wie es die «Washington Post» bezeichnet. Im letzten Jahrzehnt gab es genau eine Meinungsumfrage.

Jetzt hat die «Washington Post» in Zusammenarbeit mit einem kubanischen TV-Netzwerk nachgeholfen und eine Umfrage zur Beliebtheit der Castro-Brüder lanciert – ohne Genehmigung der politischen Führungsspitze. Diese neue Studie garantiert den Teilnehmern Anonymität – was in kommunistischen Ländern besonders wichtig ist. Befragt wurden 1200 Kubaner.

Fans: Staatsangestellte und Katholiken

Das Ergebnis zeigt eine gespaltene Bevölkerung: 47 Prozent bewerteten ihren amtierenden Präsidenten Raúl Castro positiv, 48 Prozent negativ – wobei der Zuspruch vor allem von der älteren Generation kommt. Unterstütztung hat er vor allem bei Staatsangestellten und Katholiken.

Fidel Castro, Bruder und Vorgänger Raúls, kommt ähnlich in der Umfrage weg – Abneigung erfährt er bei jüngeren Kubanern und Anhängern der Santeria, einer Hauptreligion der Kubaner.

Obama in Kuba fast doppelt so beliebt

Auch nach dem US-Präsidenten Barack Obama fragte die Studie: Und der ist wesentlich beliebter bei den Kubanern als ihr eigener Machthaber Raúl Castro. 80 Prozent gaben an, eine positive Meinung über den US-Präsidenten zu haben. Dies steht im Gegensatz zu nur rund 46 Prozent der Amerikaner, die ihren eigenen Präsidenten gutheissen, wie die letzte Umfrage von «Gallup» zeigt.

Obama hatte Ende 2014 die Bereitschaft der USA zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Kuba erklärt. Damit leitete er eine neue Ära in dem Verhältnis zu dem kommunistischen Staat ein, gegen den die USA seit mehr als einem halben Jahrhundert eine Blockade verhängt haben. Mitte Januar 2015 lockerten die USA die Bestimmungen für Reisen nach und Geschäfte mit Kuba.

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