Aktualisiert 01.06.2011 13:47

Krebs durch Handystrahlen

Möglicherweise, vielleicht oder doch nicht?

Handystrahlung sei «möglichweise krebserregend», sagen Experten der WHO. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte WHO-Studie kam zu einem ähnlich unverbindlichen Ergebnis.

von
Maria Cheng, ap

Die Strahlung von Mobiltelefonen ist nach Meinung internationaler Experten «möglicherweise krebserregend» und gehört damit in dieselbe Kategorie wie das Pflanzenschutzmittel DDT und Benzindämpfe. Die Wissenschaftler der Internationalen Behörde für Krebsforschung (IARC) hatten mehrere Dutzend Studien zu diesem Thema untersucht. Sie veröffentlichten ihre Erklärung am Dienstag in Lyon in Frankreich.

Die IARC ist bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Behörde für Krebserkrankungen. Ihre Einschätzung geht an die WHO und an die nationalen Gesundheitsministerien für mögliche Richtlinien zur Nutzung von Mobiltelefonen.

Die Klassifizierung als «möglicherweise karzinogen» bedeutet nicht, dass diese Stoffe automatisch Krebs verursachen, weshalb einige Experten auch die Ansicht vertreten, dass die Leute ihre Handy-Gewohnheiten aufgrund der jüngsten Feststellung nicht ändern sollten.

«Alles ist ein mögliches Kanzerogen», sagt Donald Berry, Professor für Biostatistik am M. D. Anderson Krebszentrum an der Universität von Texas. Berry, der nicht mit der Expertengruppe in Zusammenhang steht, macht sich jedenfalls keine Sorgen. Die Art seines persönlichen Handygebrauchs werde sich aufgrund der Entscheidung jedenfalls nicht ändern, sagt der Wissenschaftler.

Belege reichen nicht aus

«Das Urteil der WHO stellt fest, dass es Belege für einen Zusammenhang zwischen Handys und Krebs gibt, gleichwohl sind sie zu schwach, um daraus Schlüsse zu ziehen», sagt Ed Young, Leiter der britischen Gesundheitsinformation in der Krebsforschung.

Noch im vergangenen Jahr hatte die sogenannte Interphone-Studie keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Mobilfunknutzung und Krebserkrankungen gefunden. Die Untersuchung war zudem umstritten, weil sie von Leuten ausging, die bereits an Krebs erkrankt waren. Sie wurden über ihre Nutzung von Mobiltelefonen über die vergangenen Jahre hinweg befragt. In rund 30 anderen Studien aus Europa, Neuseeland und den USA wurde berichtet, dass Patienten mit Hirntumoren ihre Handys nicht öfter genutzt hatten als andere.

Ohnehin sollten sich die Leute viel mehr auf die echten Gesundheitsgefahren von Handys konzentrieren, sagt Otis Brawley von der Amerikanischen Krebsgesellschaft (ACS). «Mobiltelefone mögen Hirntumore auslösen, aber sie töten weit mehr Menschen durch Autounfälle.» Gleichwohl sei es sinnvoll, die Handynutzung von Kindern zu beschränken, da sich ihre Gehirne noch entwickelten, sagt Brawley.

Möglichweise aber vielleicht doch nicht? Beurteilungen und Studien lassen Wissenschaftler nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kommen. (Bild: Colourbox)

Möglichweise aber vielleicht doch nicht? Beurteilungen und Studien lassen Wissenschaftler nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kommen. (Bild: Colourbox)

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