Mönche wollen Militärs stürzen
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Mönche wollen Militärs stürzen

Angeführt von 20 000 buddhistischen Mönchen zogen 100 000 Oppositionelle in Birmas Hauptstadt Rangun vom Universitäts-Campus, einst eine Hochburg des Widerstands gegen die Militärregierung, hin zum Verteidigungsministerium.

Es war die grösste Demonstration in dem südostasiatischen Land seit der brutalen Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahr 1988.

Die Demonstranten zogen in der Hauptstadt Rangun von der Shwedagon-Pagode über den früheren Universitäts-Campus, einst eine Hochburg des Widerstands gegen die Militärregierung, am Verteidigungsministerium vorbei. Der Marsch verlief friedlich. Die Sicherheitskräfte, die normalerweise mit harter Hand gegen Demonstranten vorgehen, hielten sich zurück. Beobachter führten dies auf den Einfluss Pekings zurück. China gilt als wichtigster Verbündeter der Militärjunta.

Einige Teilnehmer der Kundgebung in Rangun sprachen von mehreren hunderttausend Demonstranten, dieses Zahl konnte jedoch nicht bestätigt werden. Unabhängige Beobachter gingen von bis zu 100 000 Teilnehmern aus. Erstmals waren auch Studenten sichtbar präsent. Die Menge forderte unter anderem einen Dialog zwischen Militärjunta und Opposition sowie Freiheit für politische Gefangene.

Bereits am Sonntag hatten etwa 20 000 Menschen zusammen mit den Mönchen in Rangun demonstriert. Sie bekundeten auch ihre Unterstützung für die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Auch in der Stadt Mandalay demonstrierten am Montag 500 bis 600 Mönche.

Ausgangspunkt der Protestbewegung war am 19. August eine Demonstration gegen die Erhöhung der Benzinpreise. Mit den Märschen der Mönche, die in der traditionellen birmanischen Gesellschaft grosse Hochachtung geniessen, gewann die Bewegung in der vergangenen Woche zusätzliche Brisanz.

China übt nach Darstellung eines südostasiatischen Diplomaten als wichtigster Wirtschaftspartner Birmas starken Druck auf Rangun aus, vor den Olympischen Spielen im kommenden Jahr Konfrontationen zu vermeiden. «Jeder weiss, dass China der grösste Unterstützer der Junta ist», sagte der Diplomat. «Wenn die Militärregierung nun irgendwas unternimmt, wird das auch das Image von China beschädigen.» China zählt auf die grossen Öl- und Gasvorkommen Birmas zur Versorgung seiner boomenden Wirtschaft. In diesem Jahr blockierte Peking eine Sicherheitsratsresolution, in der die Menschenrechtslage in Birma kritisiert werden sollte. Zugleich übte Peking in stiller Diplomatie Druck auf die Junta aus, einen Dialog für demokratische Reformen aufzunehmen.

Die USA übten derweil scharfe Kritik am Regime in Birma. Präsident George W. Bush werde die «Brutalität» der Regierung bei seinen Treffen am Rande der UN-Vollversammlung in New York zum Thema machen, kündigte Aussenministerin Condoleezza Rice an. (dapd)

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