Aktualisiert 20.01.2016 11:35

Zürcher Obergericht

Mörder von Florian (5) wird nicht verwahrt

Das Obergericht hat Gustav G. aus Bonstetten ZH, der seinen Sohn Florian erstickt hatte, wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren verurteilt. Verwahrt wird er aber nicht.

Das Obergericht stützte sich dabei auf den Gutachter ab. Dieser kam zum Schluss, dass der Beschuldigte Gustav G.* psychisch nicht erreichbar und einer Therapie nicht zugänglich sei. Andererseits spreche das bereits fortgeschrittene Alter von 66 Jahren gegen eine Rückfallgefahr.

Wenn er in frühestens zwölf Jahren entlassen würde, wäre er bereits 79 Jahre alt. Das Risiko neuer schwerer Straftaten sei damit gering. Auch das Obergericht hielt einen Rückfall für wenig wahrscheinlich und lehnte die von der Anklage geforderte Verwahrung ab.

Schon früher fast ein Kind getötet

Es sei unwahrscheinlich, dass der Beschuldigte nach Verbüssung seiner Freiheitsstrafe wieder in eine vergleichbare familiäre Situation – ein Trennung – komme und zu einem Kind eine enge Beziehung habe.

Das Bezirksgericht Winterthur hatte den 66-jährigen Schweizer im August 2013 wegen Mordes zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Von einer Verwahrung sah auch die Vorinstanz ab. Das Urteil wurde jedoch sowohl vom Verteidiger als auch vom Staatsanwalt angefochten.

Die Anklage forderte eine lebenslängliche Strafe mit anschliessender Verwahrung, weil der Beschuldigte bereits früher einmal ein Kind beinahe getötet habe. 1990 hatte der Mann seinen ersten Sohn, der der damals 13 war, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Der Verteidiger plädierte auf vorsätzliche Tötung und sieben Jahre Freiheitsstrafe.

Als Herr über Leben und Tod aufgespielt

Der Beschuldigte war am 26. Februar 2010 mit seinem Sohn Florian* – am Tag vor dessen fünftem Geburtstag – von Bonstetten ZH nach Winterthur gefahren. Dort mietete er ein Hotelzimmer für sie beide. In einem Glas Süssmost löste er mehrere Schlaftabletten auf und gab das Gemisch dem Buben zu trinken. Als dieser im Tiefschlaf lag, erstickte der Vater ihn mit einem Kissen.

Er habe sich damit als Herr über Leben und Tod seines Sohnes aufgespielt, erklärte der Gerichtspräsident bei der Urteilseröffnung. Er habe der Mutter das Kind definitiv entziehen und sie für das ganze Leben bestrafen wollen. Dabei sei er skrupellos, überlegt und kaltblütig vorgegangen.

Der Beschuldigte selbst nahm an der Urteilseröffnung nicht teil. Er nahm das Verdikt des Obergerichts in seiner Zelle zur Kenntnis.

*Namen bekannt (sda)

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