22.06.2020 10:00

Tötungsdelikt in Lichtensteig

Mörder von Fredy K. muss 14 Jahre hinter Gitter

Das Kreisgericht Toggenburg hat einen 43-jährigen Niederländer wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. Das Opfer war der 62-jährige Fredy K., mit dem der Täter eine sexuelle Beziehung unterhielt.

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Der 62-jährige Fredy K. wurde Anfang Mai 2016 in Lichtensteig SG tot aufgefunden.

Der 62-jährige Fredy K. wurde Anfang Mai 2016 in Lichtensteig SG tot aufgefunden.

Archivbild
Er betrieb dort ein Museum für mechanische Musikgeräte und galt als Dorforiginal.

Er betrieb dort ein Museum für mechanische Musikgeräte und galt als Dorforiginal.

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Der Täter wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. 
Der Täter wurde zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren verurteilt. 

Am Prozess vom letzten Donnerstag in Lichtensteig hatte die Staatsanwältin wegen Mordes und Raubs eine Freiheitsstrafe von 15,5 Jahren verlangt. Der Verteidiger plädierte auf 36 Monate wegen Totschlags und Diebstahls.

In seinem Entscheid hat das Kreisgericht Toggenburg das Delikt als Mord qualifiziert und sprach dafür eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren aus. Der Beschuldigte habe besonders skrupellos gehandelt.

In einer kurzen Begründungen zählte das Gericht mehrere Punkte auf, die im Vergleich zu den Anträgen zu einer Reduktion führten: Die lange Verfahrensdauer, die eingetretene Verzögerung bei der Ansetzung der Gerichtsverhandlung, die Vorverurteilung durch die Medien sowie die teilweise Bereitschaft zu einem Geständnis.

Den zweiten Anklagepunkt beurteilte das Gericht als Diebstahl und nicht wie die Staatsanwaltschaft als Raub. Dafür gibt es zusätzlich eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Franken.

Sexuelle Dienstleistungen erfüllt

Der nun in erster Instanz verurteilte Niederländer hatte mit dem Opfer eine rein sexuelle Beziehung unterhalten. Den 62-Jährigen lernte er im März 2016 in Thailand über eine Internetplattform kennen. Auf Einladung des Älteren reiste der Beschuldigte später in die Schweiz. Er sei sich bewusst gewesen, dass er sexuelle Dienstleistungen zu erfüllen habe und dafür Unterkunft bekam, sagte er in der Verhandlung. «Ich musste gehorchen, damit ich bleiben durfte.»

Am späten Abend des 2. Mai habe der Gastgeber sexuelle Praktiken verlangt, die der Beschuldigte nicht mochte. Um seinen Ekel zu überwinden, habe er immer wieder sogenannte Poppers – eine Droge – geschnüffelt. Als er in der Küche Wasser trinken wollte, sah er dort ein grosses Messer liegen. Er habe es gepackt und sei zurück ins Wohnzimmer gegangen. Dort habe er den 62-Jährigen erstochen.

Mit umgerechnet rund 8500 Franken verliess der Niederländer die Wohnung und flog noch am gleichen Nachmittag zurück nach Thailand.

Starker Tötungswille

Die Anklägerin sagte vor Gericht, der Mann habe einen «sehr starken Tötungswillen» gezeigt. Der Verteidiger argumentierte, der Beschuldigte habe sich «in einem psychischen Gefängnis» befunden. Der Schweizer habe alles bestimmt – bis hin zu den Sexpraktiken. Das sei eine stetige Unterdrückung gewesen. Bei der Tat sei der Niederländer aufgrund von Alkohol und Drogen «nicht bei Sinnen gewesen». Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(SDA)

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