Basel-Stadt: Mörder von zwei Frauen ist schuldunfähig
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Basel-StadtMörder von zwei Frauen ist schuldunfähig

Der 23-jährige Mann, der im November 2014 zwei Frauen getötet und einen Mann verletzt hat, kommt am Montag vor Gericht.

von
mak
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Am 3. November 2014 wurden in Basel zwei Frauen getötet. Ein Mann wurde vom Angreifer schwer verletzt.

Am 3. November 2014 wurden in Basel zwei Frauen getötet. Ein Mann wurde vom Angreifer schwer verletzt.

Die Tat geschah im Basler Breite-Quartier.

Die Tat geschah im Basler Breite-Quartier.

Der mutmassliche 22-jährige Täter tötete zuerst eine 46-jährige Deutsche.

Der mutmassliche 22-jährige Täter tötete zuerst eine 46-jährige Deutsche.

Die Anklage vor dem Basler Strafgericht lautet auf Mord. Der 23-jährige Täter erstach am 3. November 2014 in seiner Nachbarschaft eine 46-jährige und eine 76-jährige Frau und verletzte mit Messerstichen einen 87-jährigen Mann schwer. Kurz nach der Tat wurde er verhaftet. Derzeit befindet er sich im vorzeitigen Massnahmenvollzug. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt, das Urteil wird am Dienstag erwartet.

Laut forensisch-psychiatrischer Begutachtung ist der Mann wegen einer paranoiden Schizophrenie gänzlich schuldunfähig. Er habe trotz anfänglicher Tatplanung und Vorbereitung zu keinem Zeitpunkt Einsicht in das Unrecht seiner Taten gehabt, wird in der Anklageschrift aus dem Gutachten zitiert. Gestützt darauf beantragt die Staatsanwaltschaft eine stationäre psychiatrische Behandlung.

Zusehends schwer krank

Gemäss der Anklageschrift hatte es schon mehrere Jahre vor der Tat Anzeichen für eine Psychose gegeben. Mit 16 begann der Beschuldigte, Marihuana zu konsumieren. Es kam zu Schwierigkeiten in der Schule und bei Versuchen, ins Arbeitsleben einzusteigen.

Im Januar 2010 ergab eine Abklärung die Diagnose einer Schizophrenie. Eine stationäre Behandlung lehnten jedoch der Beschuldigte und seine Mutter, bei der er seit der Trennung der Eltern aufgewachsen war, ab.

Ab Februar 2010 verbrachte der junge Mann die meiste Zeit ohne feste Tagesstrukturen zu Hause und zog sich immer mehr zurück. Sein Zustand habe sich in den Monaten vor der Tat deutlich verschlechtert. Er begann Stimmen zu hören und irrte durchs Quartier. Offensichtlich sei er schwer krank gewesen. Als ihn die Mutter in die Psychiatrie einweisen wollte, kams zum Streit, und er zog zum Vater.

Attacke ohne Vorwarnung

Drei Tage vor der Tat rastete der nun 22-Jährige bei einem Treffen mit den Eltern aus. Der von der Mutter beigezogene Notfallpsychiater verzichtete jedoch auf eine Zwangseinweisung. Der junge Mann habe versprochen, bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken vorzusprechen, dies dann aber nicht getan, heisst es in der Anklageschrift.

Am frühen Nachmittag des 3. Novembers 2014 attackierte der junge Mann eine 46-jährige Frau ohne jede Vorwarnung bei der Eingangstür ihrer Wohnung am Nasenweg und stach so lange auf sie ein, bis sie leblos liegen blieb. Tatwaffe war ein Steakmesser, das er aus der Küche des Vaters mitgenommen hatte. Nach der Tat wusch er sich, zog sich um und begab sich in eine Nachbarliegenschaft, um sich zu verstecken.

In einer Waschküche an der Wildensteinerstrasse begegnete er seinem nächsten Opfer, einem 87-jährigen Mann. Dieser überlebte den Messerangriff, weil eine Nachbarin dazukam und sich der Täter auf sie konzentrierte. Die 76-jährige Frau bezahlte den Versuch, ihrem Nachbarn zu helfen, mit dem Leben. Danach flüchtete der junge Mann in die Wohnung seiner Mutter, wo er schliesslich verhaftet wurde.

Anklage lautet auf Mord

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist bei beiden Tötungen sowie dem Tötungsversuch die Tatqualifikation als Mord erfüllt. Der Beschuldigte habe sowohl betreffend den Beweggrund als auch den Zweck und die Ausführung der Tat eine besondere Skrupellosigkeit offenbart, heisst es in der Anklageschrift. (mak/sda)

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