Aktualisiert 19.12.2006 12:07

Mörel: Gemeindepräsidentin kriegt acht Monate

Im Prozess um den Missbrauch von Spendengeldern in Mörel VS ist die Gemeindepräsidentin vom Kreisgericht Oberwallis zu acht Monaten Gefängnis bedingt verurteilt worden. Der Gemeindeschreiber erhält vier Monate bedingt.

Das Gericht folgte damit den Anträgen der Staatsanwaltschaft, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Urteilsdispositiv hervorgeht. Es sah es als erwiesen an, dass die Gemeindepräsidentin und der Gemeindeschreiber Direktspenden im Umfang von 193 000 Franken nicht deklariert und eine Spende über 711 687 Franken der Leserinnen und Leser der «Aargauer Zeitung» (AZ) zweckentfremdet hatten.

Die Gemeindepräsidentin wurde vom Gericht der Veruntreuung und des mehrfachen Betrugs für schuldig gesprochen. Veruntreuung lautet das Verdikt im Fall des Gemeindeschreibers.

Unbeschädigtes Schulhaus renoviert

Die Spenden waren in der Folge der verheerenden Unwetter vom Oktober 2000 im Wallis gesammelt worden. Das Unglück hatte damals in der Schweiz eine nie dagewesene Spendenwelle ausgelöst. Allein bei der Glückskette gingen rekordhohe 74,2 Mio. Franken ein. Unzählige Spendenaktionen liefen parallel zur Glückskette-Sammlung.

Während sich das Interesse der Medien auf das Unglück in Gondo VS fokussierte, berichtete die AZ über die zerstörte Trinkwasserversorung der Gemeinde Mörel am Eingang zum Goms. Die Aargauer spendeten für den Wiederaufbau der Anlage in Mörel 711 687 Franken.

Statt das Geld in die Wasserversorung zu stecken, finanzierte die Gemeinde damit die Renovation des Regionalschulhauses, das vom Unwetter nicht beschädigt worden war. Zudem bezahlte Mörel Schulden zurück und tätigte Abschreibungen für Investitionen im Strassenbau.

Kanton hinters Licht geführt

Gegenüber dem Kanton erklärten die Gemeindepräsidentin und der Gemeindeschreiber, dass die AZ-Spende an die Schulhausrenovation gebunden sei. Die Arbeitsgruppe des Kantons glaubte der Gemeinde. Bei der Berechnung der ungedeckten Restkosten aus den Unwetterschäden in Mörel wurde die AZ-Spende deshalb nicht berücksichtigt.

So flossen 675 450 Franken der Glückskette ungerechtfertigt in die Gemeindekasse. Weiter meldete die Gemeinde kleinere und mittlere Spenden im Gesamtwert von rund 193 000 Franken nicht an.

Der Walliser Finanzinspektor kam, nachdem die Affäre aufgeflogen war, zum Schluss, Mörel habe von der Glückskette knapp 860 000 Franken zuviel erhalten. Das erschlichene Geld bezahlte die Gemeinde in der Zwischenzeit zurück; sie wertete dies damals aber nicht als Schuldgeständnis.

Kantonaler Angestellter freigesprochen

Freigesprochen wurde die Gemeindepräsidentin dagegen von den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Neubau einer Dorfbrücke. Vollständig freigesprochen wurde der frühere Präsident der Interdepartementalen Arbeitsgruppe Unwetter 2000. Er hatte damals die Verteilung der Spenden koordiniert.

Dem Kantonsangestellten wird zudem eine Parteientschädigung zugesprochen. Die Verfahrenskosten übernehmen anteilsmässig die Gemeindepräsidentin, der Gemeindeschreiber und der Kanton Wallis. Die schriftliche Begründung wird zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet.

(sda)

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