Mörgeli-Dämmerung im Pressewald
Aktualisiert

Mörgeli-Dämmerung im Pressewald

Nach dem gerichtlichen Rückzieher des Ringier-Kolumnisten Frank A. Meyer geht der Publizisten-Streit mit SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli in der Öffentlichkeit weiter.

Gestern zog sein Anwalt die Klage Frank A. Meyers gegen SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli zurück. Der Riniger-Publizist war ans Gericht gelangt, nachdem ihm Mörgeli vorgehalten hatte, er würde sich in seinen Sonntagsblick-Kolumnen am Vokabular der Nazis vergreifen. Seinen Rückzieher begründete Meyer damit, dass die Rechtskommission die Immnunität von Nationalrat Mörgeli nicht aufgehoben hat. Dadurch würde, so Meyer, «eine Zweiteilung unter den journalistischen Kenntnissen herbeigeführt. Nämlich solchen, die straflos alles publizieren können, und den Berufsjournalisten, die dem Gesetz unterstellt sind.» Doch damit nicht genug. Der Ringier-Mann fürs Grosse setzte per Pressemitteilung gleich zur parlamentarischen Grundsatz-Kritik an. «Diese Ungleichheit ist weder demokratisch noch rechststaatlich vertretbar», liess Meyer unter anderem im «Blick» verlauten.

Mörgeli strikes back

Soweit so gut. Doch auch nach dem Rückzieher lassen es die beiden Streithähne weiter krachen. Und wie es sich für Publizisten gehört, findet der Zwist jetzt in aller Öffentlichkeit statt. Heute hat sich auch Meyers Opponent Mörgeli in einem offenen Brief (siehe Info-Box) an die Redaktionen gemeldet. Darin wirft Weltwoche-Rechtsausleger Mörgeli Meyer vor, er habe weit niedrigere Gründe für seinen Rückzieher vor Gericht gehabt.

Meyers «lamentieren» (Mörgeli) über die Zweiteilung unter den Journalisten sei geradezu absurd. Frank A. Meyer habe «bei den Gerichtsverhandlungen in Horgen gemerkt, dass er mit seinen Klagen absolut chancenlos bleibt und deshalb noch vor der Veröffentlichung des Urteils das Handtuch geworfen.»

«Jauchspritzer auf dem Poschettli»

Mörgeli lässt sich in seinem Schreiben die Chance des Nachtretens nicht entgehen: Es bleibe stossend, so Mörgeli, «dass dieser Medienschaffende die Pressefreiheit für sich selber einfordert, zugleich aber anders denkende Mitbürger vor die Gerichte zerrt.» Einen Journalisten-Tipp hat Mörgeli auch noch parat: Wer wie Frank A. Meyer seit vielen Jahren Christoph Blocher und die SVP mit dem Jauchewagen journalistisch abdusche, «sollte nicht allzu wehleidig reagieren, wenn ihn auch mal ein Spritzer am Poschettli trifft.»

Fortsetzung dürfte wohl folgen.

Hansi Voigt

Mörgelis Brief im Wortlaut

In einer gestern verbreiteten Medienmitteilung gab der Ringier-Chefpublizist Frank A. Meyer bekannt, dass er seine Klagen gegen mich zurückziehe. Grund der von ihm angestrengten zivil- und strafrechtlichen Verfahren vor den Bezirksgerichten Horgen und Zürich bildete mein Artikel in der Weltwoche vom 6. April 2006. Darin habe ich Meyer nachgewiesen, dass er sich in seinen Sonntagsblick-Kolumnen am Nazi-Vokabular vergriffen hat. Nun behauptet Meyer, er verzichte auf seine Klagen, nach-dem meine „parlamentarische Immunität nicht aufgehoben wird“. In Wahrheit hat erst die vorberatende Rechtskommission, nicht aber das zuständige Parlament über die Aufhebung meiner Immunität entschieden.

Auch unterschlägt Meyer, dass er neben den strafrechtlichen auch seine vor Bezirks-gericht Horgen hängigen zivilrechtlichen Klagen zurückgezogen hat. Und zivilrecht-lich gibt es für mich keinerlei Immunität. Daher ist es geradezu absurd, wenn Meyer über eine angebliche „Zweiteilung unter den journalistisch Tätigen“ lamentiert, „nämlich solchen, die straflos alles publizieren können und den Berufsjournalisten, die dem Gesetz unterworfen bleiben“. Tatsächlich existiert im Zivilrecht zwischen parlamentarisch tätigen Publizisten und allen andern Journalisten keinerlei Unter-schied. Frank A. Meyer hat bei den Gerichtsverhandlungen in Horgen gemerkt, dass er mit seinen Klagen absolut chancenlos bleibt und deshalb noch vor der Veröffentli-chung des Urteils das Handtuch geworfen. Wegen seines Klagerückzugs muss der Ringier-Chefpublizist nun die Gerichtskosten bezahlen und mir eine Prozessent-schädigung ausrichten.

Meyers Falschinformationen sind ebenso bezeichnend wie entlarvend. Es bleibt stossend, dass dieser Medienschaffende die Pressefreiheit für sich selber einfordert, zugleich aber anders denkende Mitbürger vor die Gerichte zerrt.

Und die Moral von der Geschichte? Wer wie Frank A. Meyer seit vielen Jahren Christoph Blocher und die SVP mit dem Jauchewagen journalistisch abduscht, sollte nicht allzu wehleidig reagieren, wenn ihn auch mal ein Spritzer am Poschettli trifft.

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