Per sofort freigestellt: Mörgeli darf nur nach Absprache in sein Büro
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Per sofort freigestelltMörgeli darf nur nach Absprache in sein Büro

Die Universität Zürich hat Christoph Mörgeli als Konservator des Medizinhistorischen Museums definitiv entlassen und ihn heute per sofort freigestellt. Er erhält noch ein halbes Jahresgehalt.

Jetzt ist es entschieden: Christoph Mörgeli, Kurator des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich (UZH), muss gehen. Die Uni-Leitung hat die vor einer Woche angekündigte Entlassung am Freitag ausgesprochen. Mörgeli kann nur noch nach Absprache ins Büro.

Die Kündigung wird per 31. März 2013 wirksam. Die Kündigungsfrist von sechs Monaten wird somit eingehalten und Mörgeli erhält noch ein halbes Jahresgehalt. Er wird allerdings per sofort freigestellt, wie die UZH mitteilte.

Die Kündigung sei Mörgelis Anwalt in arbeitsrechtlichen Belangen, Manfred Küng, am Freitagvormittag um 10.25 Uhr zugegangen, sagte Uni- Rektor Andreas Fischer gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Eine halbe Stunde später wurde die Medienmitteilung verschickt.

«Causa Mörgeli»: Rektor spricht zu den Medien

Küng bestätigte auf Anfrage, dass die Kündigung bei ihm eingegangen sei. Auf dieses Prozedere hätten er und die Uni sich geeinigt. Er habe nach dem Eingang des Schreibens seinen Mandanten Christoph Mörgeli telefonisch informiert.

Darum muss der Museumsdirektor gehen

Mörgeli kann gegen die Kündigung innert 30 Tagen bei der Rekurskommission der Zürcher Hochschulen rekurrieren. Den Kommissionsentscheid kann er ans kantonale Verwaltungsgericht weiterziehen. Und schliesslich kann er eine bundesgerichtliche Beurteilung der Angelegenheit verlangen.

Nach der vor einer Woche angekündigten Entlassung hatte Mörgeli Anspruch auf rechtliches Gehör. Dies hat er wahrgenommen. Sein Anwalt reichte der UZH eine Stellungnahme ein. Nach der Überprüfung kam die UZH zum Schluss, dass das Arbeitsverhältnis mit Mörgeli zu kündigen und er per sofort freizustellen sei. Zum Inhalt der Stellungnahme sagte Fischer nichts.

Schlechte Noten versus Politkampagne

Die UZH begründet ihren Entscheid mit ungenügenden Leistungen Mörgelis als Konservator und Verantwortlicher für die Objektsammlung sowie mit seiner massiven Verletzung der Loyalitätspflicht gegenüber der UZH.

Mit seinen verbalen Angriffen auf seinen direkten Vorgesetzten, Flurin Condrau, und die Mobbingvorwürfe gegenüber Mitarbeitenden der Universität habe er das Vertrauensverhältnis «massiv und unwiederbringlich verletzt», so die UZH.

Mörgeli selbst sieht dies anders. Er macht eine politisch motivierte Kampagne geltend. Als bekannter SVP-Nationalrat werde er an der UZH nicht mehr geduldet. Mörgeli war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In einem Gespräch mit «TeleZüri» hatte er am Donnerstag angekündigt, er werde sich mit allen Mitteln wehren.

Anwalt Küng zeigte sich von der Kündigung überrascht. Er habe den Entscheid der Uni «so nicht erwartet», sagte er gegenüber der SDA weiter. Ob er Rekurs einlegen werde, sei noch nicht entschieden.

Seine wissenschaftliche Tätigkeit als Titularprofessor kann Mörgeli weiterführen. Die UZH will dafür mit ihm eine separate Vereinbarung abschliessen, wie es in der Mitteilung heisst.

Für alle Szenarien vorbereitet

Aufgrund der Freistellung habe Mörgeli nun «nicht mehr unbeschränkt Zugang» zu den Uni-Räumlichkeiten, sagte Fischer - Hausverbot habe er aber nicht. Als Titularprofessor könne er problemlos Räume wie etwa die Bibliothek benutzen.

Zutritt zu seinem Büro hat Mörgeli ab sofort nur noch nach Absprache. Dies und der Zeitpunkt, bis wann er es zu räumen hat, werde noch genau zu regeln sein, sagte Fischer der SDA.

Die UZH bereite sich «auf alle möglichen Szenarien vor». Es sei Mörgelis gutes Recht, sich zu wehren und auch juristisch gegen die Kündigung vorzugehen. «Wir sind für weitere Auseinandersetzungen vorbereitet», so der Uni-Rektor.

Mörgelis Abgang hat laut Fischer keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Medizinhistorische Museum. Zur Zeit laufe keine Sonderausstellung und die Dauerausstellung bleibe wie gewohnt geöffnet. Eine mittel- und längerfristige Lösung zu finden, sei nun Aufgabe von Institutsleiter Flurin Condrau.

Uni-Rektor Andreas Fischer äussert sich zur Entlassung von Mörgeli

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