Internationale Experten: Mörgeli hat Doktoranden schlecht betreut
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Internationale ExpertenMörgeli hat Doktoranden schlecht betreut

Eine internationale Experten-Kommission bestätigt die Vorwürfe der «Rundschau»: Christoph Mörgeli hat mangelhafte Dissertationen abgesegnet.

von
rey

Christoph Mörgeli hat eine empfindliche Schlappe erlitten. Internationale Experten sind zum Schluss gelangt, dass der Titularprofessor und SVP-Nationalrat am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich mangelhafte Dissertationen abgesegnet hat.

Zweifel an der Qualität der von Mörgeli betreuten Dissertationen erhoben hatte im Frühjahr die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF. Die Universität Zürich liess daraufhin eine repräsentative Zahl medizinhistorischer Dissertationen von internationalen Experten prüfen.

Diese haben laut einer Mitteilung der Universität vom Dienstag 39 zufällig ausgesuchte und anonymisierte Dissertationen beurteilt, die von verschiedenen Dozierenden betreut wurden. Die Arbeiten wurden zwischen 2002 und 2012 eingereicht und fielen alle unter die alte Promotionsverordnung der medizinischen Fakultät vom 30. Oktober 2000. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 64 medizinhistorische Dissertationen eingereicht.

Die geprüften Dissertationen wurden anhand von zehn Kriterien beurteilt und mit Punkten bewertet. Die drei Experten kamen dabei zum Schluss, dass Mörgeli als Konservator, zusammen mit seinem einstigen Chef Beat Rüttimann, häufig mangelhafte Dissertationen abgesegnet hat. Teilweise habe es sich gar um wenig oder gar nicht kommentierte Transkriptionen gehandelt.

Nach Meinung der Experten ist die mangelhafte Qualität der Dissertationen auf eine unzureichende Betreuung der Doktorierenden zurückzuführen. Mörgeli und Rüttimann, die beide nicht mehr am Medizinhistorischen Institut und Museum tätig sind, hätten ihre Doktorierenden nicht ausreichend auf das Verfassen eine wissenschaftlichen Arbeit in Medizingeschichte vorbereitet.

So sei etwa der Fragestellung, der Kontextualisierung und den Quellenangaben zu wenig Bedeutung beigemessen worden. Nicht zum Auftrag der Experten gehörte, die Arbeiten auf Verstösse gegen die Grundsätze der wissenschaftlichen Integrität wie Plagiate oder Ghostwriting zu prüfen.

Kontrolle mit dreistufigem Verfahren verbessert

Für die Personen, deren Dissertationen als mangelhaft eingestuft wurden, hat dies keine Konsequenzen, wie die Universität Zürich weiter mitteilte. Sie behalten ihren Doktortitel. Die Leitung der Universität Zürich stellt zudem fest, dass unter der alten Promotionsordnung auch gute Dissertationen verfasst worden seien.

Seit Dezember 2011 gilt an der Medizinischen Fakultät eine neue Verordnung über die Promotion. Darin wird unter anderem präziser definiert, welchen Ansprüchen eine Dissertation genügen muss. Auch die Betreuung durch die Dissertationsleiter wird klarer umschrieben.

Zudem wurde ein dreistufiges Begutachtungsverfahren eingeführt, das die Qualität der Dissertationen sichern soll. Nach der Begutachtung der Dissertation durch den Betreuer geht diese zur Prüfung an den Dekan der Medizinischen Fakultät. Danach erfolgt eine erneute Prüfung durch den Dissertationsbeauftragten der Fakultät und erst dann wird die Arbeit der Fakultätsversammlung vorgelegt.

«Ich stehe hinter meiner Arbeit»

Christoph Mörgeli weist die Kritik der Universität Zürich an seiner Arbeit als betreuende Person von Doktorierenden zurück. «Ich stehe voll hinter den Arbeiten, die ich betreut habe», sagte er am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Mörgeli räumte zwar ein, dass es teilweise auch Probleme mit der Sprachkompetenz gegeben habe. Beinahe die Hälfte der von ihm Betreuten habe ausländische Wurzeln. «Hätte ich diese Doktoranden nicht betreut, hätte man mir dies sicher aus parteipolitischen Gründen zum Vorwurf gemacht, sagte der Titularprofessor und SVP-Nationalrat.

Er selbst sei von den internationalen Experten nicht angehört worden. Auch über das Ergebnis ihrer Prüfungen der Dissertationen sei er nicht informiert worden. In einer zweieinhalbseitigen Stellungnahme weist Mörgeli darauf hin, dass die Qualität der von der Expertenkommission überprüften 39 Dissertationen seinerzeit von der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich als «mindestens genügend» beurteilt worden seien.

Diese hätten wissenschaftlichen Standards entsprochen. «Es gab unter meiner Leitung keine einzige Dissertation, die lediglich aus einer unkommentierten Texttranskription bestand.»

Weiter kritisiert Mörgeli, dass einzig die medizinhistorischen Dissertationen überprüft wurden statt die Standards der medizinischen Dissertationen als Ganzes. «Ansonsten hätte sich herausgestellt, dass die Medizingeschichte an die Doktorierenden weit höhere Anforderungen stellt, als viele medizinische Disziplinen, bei denen die Dissertation zuweilen aus einer Tabelle und einigen Messungen besteht.»

«Keine Rechtfertigung für Rundschau-Bericht»

Den Expertenbericht sieht Mörgeli nicht als Rechtfertigung für den Beitrag der «Rundschau» im Schweizer Fernsehen SRF vom März 2013. Gegen diese Berichterstattung, die von der Universität zum Anlass genommen wurde, die Dissertationen überprüfen zu lassen, hatte er bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz UBI der SRG Beschwerde eingereicht.

Das Verfahren sei noch immer hängig, sagte Mörgeli. Ebenfalls hängig sei sein Rekurs gegen die Kündigung durch die Universität. «Nicht einmal ein Arbeitszeugnis habe ich bisher erhalten.»

Wegen ungenügender Leitung entlassen

Christoph Mörgeli war im September 2012 von der Leitung der Universität als Kurator des Medizinhistorischen Museums per sofort freigestellt worden. Begründet wurde der Entscheid mit ungenügenden Leistungen Mörgelis als Konservator und Verantwortlicher für die Objektsammlung sowie mit seiner massiven Verletzung der Loyalitätspflicht gegenüber der Universität.

Gegen die Kündigung legte Mörgeli Rekurs ein. Er machte eine politisch motivierte Kampagne geltend. Als bekannter SVP-Nationalrat sei er an der UZH nicht mehr geduldet worden.

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