Aktualisiert 19.12.2011 11:18

Teurer IrrtumMogelpackung Schnäppchen-Portal

Manch ein Topangebot ist auf herkömmlichen Kanälen billiger zu haben als auf einschlägigen Rabatt-Portalen. Kunden ärgern sich, Konsumentenschützer warnen.

von
Elisabeth Rizzi
Vieles, was im Internet als Sonderangebot angepriesen wird, ist nicht am billigsten. Konsumenten sollten sorgfältig die Preise vergleichen.

Vieles, was im Internet als Sonderangebot angepriesen wird, ist nicht am billigsten. Konsumenten sollten sorgfältig die Preise vergleichen.

Rabatt, Rabatt - wer hat, der hat. Doch vor Weihnachten auf dem Schnäppchenmarkt noch rasch ein Geschenk ergattern? Das kann mächtig ins Auge gehen. Denn viele der vermeintlichen Schnäppchenportale sind alles andere als günstig. Ein Beispiel: Beim Internet-Auktionshaus Ricardo.ch läuft zum Zeitpunkt der Recherche der Verkauf von Stiefeln der Trendmarke UGG. 296 Franken blättern Interessierte hier für den klassischen, hohen Stiefel hin. Auf uggstiefel.ch gibt's dasselbe Modell für 147 Euro. Das sind umgerechnet 181 Franken. (Kritiker haben 20 Minuten Online darauf hingewiesen, dass es sich bei den unter www.uggstiefel.ch verkauften Ware um Fälschungen handeln könnte.)

Irreführende Rabattangaben

Auf dem lokalen Rabattportal Groupon.ch ist zur selben Zeit ein Sonderangebot des Hotels Alphubel in Saas-Fee aufgeschaltet: Zwei Nächte werden hier für 329 statt 663 Franken angepriesen. 663 Franken würde man allerdings nicht bezahlen, wenn man über die Homepage des Hotels buchen würde. Im Zeitraum des Groupon-Angebots kosten zwei Nächte regulär bloss 428 Franken; also bloss 100 Franken mehr. damit relativiert sich der Sparbetrag deutlich.

«Es ist ein grosses Problem, dass die Leute glauben, ein Schnäppchen zu machen, aber im Endeffekt einem Irrglauben unterliegen», sagt Konsumentenschützerin Sara Stalder. Bei der Stiftung für Konsumentenschutz sind Meldungen zu diversen Portalen eingegangen; beispielsweise zu Dein-Deal, Ricardo und Groupon. Aber auch bei Seiten wie bonprix.ch rät Stalder zur Vorsicht. «Es ist sehr wichtig, dass die Leute die Preise trotzdem vergleichen», sagt sie. Denn rechtlich habe man keine Handhabe, um gegen die vermeintlichen Schnäppchenangebote vorzugehen.

«So lange auf dem Markt dieselben Angebote zu anderen Preisen erhältlich sind und die Schnäppchenanbieter sich auch nicht mit anderen Händlern vergleichen, kann nicht der Tatbestand des unlauteren Wettbewerbs geltend gemacht werden», bedauert Stalder.

Nicht mehr als ein symbolischer Akt

Das einzige, was Konsumenten tun könnten, sei bei der Lauterkeitskommission eine Beschwerde wegen unrechtmässiger Werbung einzureichen. Doch das sei nicht mehr als ein symbolischer Akt. «Das Problem ist: Bis die Kommission entschieden hat, ist das entsprechende Angebot längst nicht mehr im Netz», so die Konsumentenschützerin.

Allerdings seien nicht nur Angebote im Netz verhängnisvoll. «Auch Verkaufsketten wie Mediamarkt oder Outlet-Center suggerieren, dass die Konsumenten dort das Billigste kriegen. Angebots-Vergleiche in anderen Verkaufskanälen werden leider vernachlässigt», warnt Stalder. Dabei könne sich jedes Geschäft als «Discounter» profilieren.

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