08.09.2020 08:10

Schaffhauser Wahlkampf«Mohrenkopf»-Plakat von JSVP stösst bei Jungpolitikern auf Kritik

Auf dem Wahlplakat für die Kantonsratswahlen der Jungen SVP Schaffhausen steht «Mehr Mohrenköpfe – Weniger Sprachpolizisten». Dafür ernten sie nun Kritik.

von
Monira Djurdjevic
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Mit diesem Plakat wirbt die Junge SVP Schaffhausen für die Kantonsratswahlen vom 27. September.

Mit diesem Plakat wirbt die Junge SVP Schaffhausen für die Kantonsratswahlen vom 27. September.

«Für mich ist diese Aktion nicht nur fragwürdig, sondern auch unverständlich», sagt Jona Studhalter von den Jungen Grünen Luzern.

«Für mich ist diese Aktion nicht nur fragwürdig, sondern auch unverständlich», sagt Jona Studhalter von den Jungen Grünen Luzern.

KEYSTONE
Der 25-Jährige hat ein Bild des Plakats auf Instagram gepostet und mit «Mehr Schaumküsse – Weniger Kartoffeln» kommentiert. 

Der 25-Jährige hat ein Bild des Plakats auf Instagram gepostet und mit «Mehr Schaumküsse – Weniger Kartoffeln» kommentiert.

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Darum gehts

  • Ein Plakat der Jungen SVP Schaffhausen für die Kantonsratswahlen sorgt für Kritik.
  • Die Partei wirbt mit dem Slogan «Mehr Mohrenköpfe – Weniger Sprachpolizisten».

«Mehr Mohrenköpfe – Weniger Sprachpolizisten» – mit diesem Slogan wirbt die Junge SVP Schaffhausen für die Kantonsratswahlen, die am 27. September stattfinden. Jona Studhalter von den Jungen Grünen Luzern hat ein Bild des Plakats auf Instagram gepostet und mit «Mehr Schaumküsse – Weniger Kartoffeln» kommentiert. Zu 20 Minuten sagt er: «Für mich ist diese Aktion nicht nur fragwürdig, sondern auch unverständlich. Als ich das Plakat sah, musste ich einfach nur den Kopf schütteln.»

Ein solches Thema habe nichts im Kantonsrat zu suchen, sagt der 25-Jährige. «Ob Beschreibungen oder Namen diskriminierend sind, ist eine Diskussion, die in der Gesellschaft geführt werden soll. Im Kantonsrat wird über Themen diskutiert, die den Kanton betreffen – beispielsweise über die Aufgaben der Polizei.» Sprachpolizisten würden aber nicht dazugehören, so Studhalter. «Die sind nicht bei der Schaffhauser Polizei angestellt.»

«Generiert mehr Aufmerksamkeit»

Unterstützung erhält Studhalter von Sophie Wernli, Co-Präsidentin bei den Jungen Grünen Schaffhausen. «Ich finde, das Thema lenkt vom Wesentlichen ab und ist im Zusammenhang mit den Kantonsratswahlen fehl am Platz.» Dass die Junge SVP Schaffhausen damit wirbt, verwundert Wernli aber nicht: «Das spricht die Wähler an und generiert mehr Aufmerksamkeit.»

Das glaubt auch Patrick Fischli, Präsident der Jungfreisinnigen Schaffhausen. «Es geht wohl darum, einen Shitstorm zu erzeugen.» Für ihn und seine Parteikollegen sei der Slogan ganz klar diskriminierend. «Wir hoffen, dass die Bevölkerung das erkennt und bei den Parlamentswahlen ein Zeichen setzt.»

«An fast jeder Ecke von Sprachpolizisten zurechtgewiesen»

Bei der Jungen SVP Schaffhausen sieht man das anders. Präsident Michael Mundt sagt: «Rassismus und Diskriminierung verurteile ich aufs Schärfste, und dagegen muss vorgegangen werden – mit dem Mohrenkopf hat das aber nichts zu tun.» Wenn man sich nicht «Mainstream» und «dezidiert links» äussere, werde man gleich «abgekanzelt und unberechtigterweise teilweise in die Rassistenecke gestellt», so Mundt. An fast jeder Ecke werde man von Sprachpolizisten zurechtgewiesen. «Die Mohrenkopf-Debatte der vergangenen Wochen und Monate zeigt dies eindrücklich auf.»

Mit dem Wahlplakat habe man lediglich darauf aufmerksam machen wollen, dass man bald nicht mehr frei sagen dürfe, was man wirklich denke, ohne dabei von Moralisten an den Pranger gestellt zu werden. Deshalb sei es richtig und wichtig, dass diese Diskussion in der Gesellschaft stattfinde, sagt Mundt. «Da der Kantonsrat allerdings auch ein Abbild der Gesellschaft ist, ist es legitim, dieses Thema im Wahlkampf zu verwenden.»

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