Todesfall in Grossbritannien : Molly Russell (14) wurde «Opfer von Social Media» – Prinz William besorgt

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Todesfall in Grossbritannien Molly Russell (14) wurde «Opfer von Social Media» – Prinz William besorgt

Die 14 Jahre alte Molly Russell nahm sich vor knapp fünf Jahren das Leben – nun befasst sich ein Londoner Gericht mit den Social-Media-Inhalten, die das Mädchen vor seinem Tod konsumiert hatte. Selbst Prinz William fordert mehr Sicherheit für Kinder im Internet.

von
Karin Leuthold
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Molly Russell nahm sich im November 2017 das Leben. Am 30. September 2022 kam ein Gerichtsmediziner zum Schluss, dass die Schülerin «durch einen Akt der Selbstverletzung starb, während sie unter Depressionen und den negativen Auswirkungen von Online-Inhalten litt.»

Molly Russell nahm sich im November 2017 das Leben. Am 30. September 2022 kam ein Gerichtsmediziner zum Schluss, dass die Schülerin «durch einen Akt der Selbstverletzung starb, während sie unter Depressionen und den negativen Auswirkungen von Online-Inhalten litt.»

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Prinz William äusserte sich Stunden später auf Twitter dazu: «Online-Sicherheit für unsere Kinder und jungen Menschen muss eine Grundvoraussetzung sein», schrieb der Royal.

Prinz William äusserte sich Stunden später auf Twitter dazu: «Online-Sicherheit für unsere Kinder und jungen Menschen muss eine Grundvoraussetzung sein», schrieb der Royal.

VIA REUTERS
Die Untersuchung von Mollys Handy in den letzten sechs Monaten vor ihrem Tod zeigen laut «The Guardian», dass von den 16'300 Inhalten, die die Schülerin auf Instagram gespeichert, geliked oder geteilt hatte, sich 2100 auf Suizid, Selbstverletzung und Depression bezogen.

Die Untersuchung von Mollys Handy in den letzten sechs Monaten vor ihrem Tod zeigen laut «The Guardian», dass von den 16'300 Inhalten, die die Schülerin auf Instagram gespeichert, geliked oder geteilt hatte, sich 2100 auf Suizid, Selbstverletzung und Depression bezogen.

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Darum gehts

Selten – oder eigentlich so gut wie nie – äussern sich die britischen Royals zu einem laufenden Gerichtsverfahren. Doch das Thema psychische Gesundheit betrifft ihn – also machte Prinz William diesmal eine Ausnahme. «Kein Elternteil sollte jemals das durchmachen müssen, was Ian Russell und seine Familie durchgemacht haben», schrieb der britische Thronfolger am Freitagabend auf Twitter. Damit reagierte er auf das Ergebnis einer Verhandlung vor einem Londoner Gericht, bei der ein Gerichtsmediziner schlussfolgerte, dass Molly Russell «durch einen Akt der Selbstverletzung starb, während sie unter Depressionen und den negativen Auswirkungen von Online-Inhalten litt.»

Der Tod im Jahr 2017 der damals 14-Jährigen hatte in Grossbritannien Schlagzeilen gemacht. Ian Russell und seine Frau Molly aus Harrow im Nordwesten Londons entdeckten am Morgen des 21. November den leblosen Körper ihrer Tochter. Die Familie hatte einen friedlichen Abend verbracht, Molly war zu Bett gegangen. Doch nur wenige Stunden, nachdem die Russells gemeinsam eine Episode von «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» geschaut hatten, ging Molly in ihr Zimmer und nahm sich das Leben. Heute wissen die Eltern, dass ihre Tochter in den Wochen vor ihrem Tod «in die düsterste aller Welten eingetaucht» war.

Vater Ian sprach vor Gericht von einem «Strudel der Verzweiflung in den sozialen Medien», von einer «trostlosen Welt, die ich nicht wiedererkenne, ein Ghetto der Online-Welt, aus dem man nicht mehr herauskommt, wenn man erst einmal hineingeraten ist, denn der Algorithmus empfiehlt immer mehr Inhalte. Man kann ihm nicht entkommen.» 

2100 Videos zum Thema Selbstverletzung angeschaut

Der Vater übertreibt nicht. Die Untersuchung von Mollys Handy in den letzten sechs Monaten vor ihrem Tod zeigen laut «The Guardian», dass von den 16'300 Inhalten, die die Schülerin auf Instagram gespeichert, gelikt oder geteilt hatte, sich 2100 auf Suizid, Selbstverletzung und Depression bezogen. Insgesamt sah sich Molly 138 Videos mit expliziten Suizid- und Selbstverletzungsinhalten an, die selbst dem vom Gericht beauftragten Kinderpsychiater «wochenlang den Schlaf raubten».

In der Nacht ihres Todes griff sie zuletzt mit ihrem iPhone auf Instagram zu und speicherte ein Bild, das einen Slogan zum Thema Depression enthielt. Für den Anwalt der Familie Russell, Oliver Sanders, ist klar: «Es war Instagram, das Molly buchstäblich auf die Idee brachte.»

Meta bezeichnet die Videos als «sicher»

Für die Anhörungen liess der britische Untersuchungsrichter Elizabeth Lagone aus den USA einfliegen, um als Zeugin auszusagen. Lagone ist Leiterin der Abteilung für Gesundheit und Wohlbefinden bei Meta. Nachdem die Frau die heiklen Posts und Videos angesehen hatte, verteidigte sie einige der Beiträge, indem sie sie für Kinder als «sicher» bezeichnete. Die Inhalte versuchten das Bewusstsein für den mentalen Zustand eines Nutzers zu schärfen und seine Gefühle zu teilen, meinte die Meta-Mitarbeiterin, die in Begleitung mehrerer Bodyguards gekommen war, wie «BBC» berichtet.

Anwalt Sanders kritisierte vor Gericht Lagones Ansicht. Er warf die Frage auf, ob man von einer 14-Jährigen erwarten könne, dass sie den Unterschied zwischen einem Beitrag, der auf Selbstverletzungen aufmerksam macht, und einem, der dazu auffordert, erkennt.

Nach Abschluss der Anhörungen sagte Ian Russell, er hoffe, dass der Fall ein «wichtiger Schritt für dringend benötigten Wandel» sei. Es sei wichtig, «dass wir versuchen, alles Nötige zu tun, um zu verhindern, dass ein so junges Leben noch einmal verloren wird.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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