«Freitag der Revolution»: Molotowcocktails auf Josefs Grab
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«Freitag der Revolution»Molotowcocktails auf Josefs Grab

Das Josefs Grab ist den Juden allerheiligst, und seine Geschichte reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück. Jetzt wurde die biblische Stätte zum Ziel eines Brandanschlages.

von
gux

Eine Gruppe von rund hundert Palästinenser haben eine biblische Gedenkstätte in Brand gesetzt: das Josefs Grab. Dieses zählt zu den heiligsten Stätten im Judentum, da hier der biblische Stammvater und seine Söhne begraben sein sollen. Auch Christen, Samaritaner und Muslime verehren die Stätte, deren Ursprünge bis ins 4. Jahrhundert reichen.

Bei dem Anschlag kamen Molotowcocktails zum Einsatz, das Feuer sei inzwischen gelöscht worden, teilten die israelische Armee und palästinensische Sicherheitskreise mit. Es seien dennoch schwere Schäden entstanden.

1967 hatte die israelische Armee Nablus, wo das Grab liegt, zusammen mit dem Westjordanland erobert. Seit 1995, als die Palästinenser mit dem zweiten Osloer-Abkommen die Selbstverwaltung über ihr Autonomiegebiet zugesprochen bekamen, entzündeten sich am Josefs Grab immer wieder gewaltsame Proteste.

Der Brandanschlag auf die heilige Stätte folgt auf einen Tag der relativen Ruhe in Israel und der Westbank. Für heute haben palästinensischenOrganisationen zu einem «Freitag der Revolution» aufgerufen. So sollen nach dem muslimischen Freitagsgebet Demonstrationen im Westjordanland und im Gazastreifen stattfinden.

Massive Präsenz

Die israelische Polizei kündigte an, zum Freitagsgebet auf dem Jerusalemer Tempelberg würden aus Sicherheitsgründen nur Männer im Alter von über 40 Jahren zugelassen. Der Tempelberg ist das wichtigste Heiligtum im Judentum und nach Mekka und Medina das drittwichtigste Heiligtum im Islam.

Nach Angaben der israelischen Armee werden am Sonntag 300 Soldaten die in Jerusalem stationierte Polizei verstärken. Schon am Donnerstag zeigten die israelischen Sicherheitskräfte in der zwischen Israelis und Palästinensern umstrittenen Stadt massive Präsenz.

Mit Gewehren bewaffnete Polizisten und Grenz-Einsatzkräfte kontrollierten Plätze, Kreuzungen und Strassen und patrouillierten an Stellen, wo sie sonst nicht zu sehen waren.

Offen für Treffen

Angesichts der Welle der Gewalt zeigt sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bereit. Er würde sich auch mit arabischen Führern treffen, um die Gewalt zu stoppen, sagte Netanjahu am Donnerstag.

Zudem bestätigte der israelische Regierungschef, dass die USA angeboten hätten, Gespräche in Jordanien zu vermitteln. Netanjahu erklärte, er sei völlig offen für ein solches Treffen mit Abbas und arabischen Spitzenpolitikern. «Ich denke, es ist unter Umständen sinnvoll, weil es die Welle der Aufstachelung stoppen könnte.»

Sondersitzung angesetzt

Angesicht der Gewaltwelle soll auch der UNO-Sicherheitsrat am (heutigen) Freitag zu einer Sondersitzung zusammen kommen. Jordanien habe um das Treffen gebeten, teilten die Vereinten Nationen am Donnerstag mit.

Eine Resolution sei nicht zu erwarten, sagten Diplomaten. Es könne aber eine Erklärung geben, in der beide Seiten aufgefordert werden, die Gewalt zu beenden.

(gux/sda)

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