Monaco flüchtet vor dem GP
Aktualisiert

Monaco flüchtet vor dem GP

Wenn der GP-Zirkus in Monte Carlo halt macht, freut das nicht alle. Viele Einwohner machen sich aus dem Staub - und vermieten ihre Luxusappartements für horrende Tagespauschalen.

von
Peter Haab
Monaco

Viele Einwohner Monacos - es sind 33 300, davon etwa 5000 echte Monegassen - verlassen ihren Wohnsitz während des GP-Weekends geradezu fluchtartig. Denn nichts ist so, wie während dem ganzen Rest des Jahres. Fast die ganze Stadt ist eingezäunt wie ein Löwenkäfig. Ohne die entsprechenden Passier-Scheine schaffen es selbst hier ansässige Leute nicht mal bis zum gewohnten Einkaufszentrum. Die Ausfahrt aus den Tiefgaragen ist entweder von Streckenabgrenzungen oder falsch geparkten Autos stundenlang blockiert. Das ist zu viel für all die betuchten Residenten, die sich in erster Linie Diskretion, Ruhe und vor allem Bevorzugung in verschiedenster Weise gewohnt sind.

Aber sie machen aus der Not eine Tugend: Sie bieten ihre Luxusappartements für horrende Tagespauschalen zur Vermietung an. An den besten Lagen (hoch über der Start-Ziel-Geraden und oben mit Blick auf die Casino-Passage) werden mehr als 20 000 Euro verlangt und auch klaglos bezahlt. Die Mindestmietdauer ist zu dieser Jahreszeit auf sieben Tage festgelegt. Die grossen Sponsoren der GP-Teams bezahlen diese Beträge quasi aus der Porto-Kasse und laden ihre wichtigsten Geschäftspartner grosszügig zum Monaco-Weekend ein.

Wer in diesen Tagen im Fürstentum übernachten will, stösst selbst als gutsituierter Mensch bei den Zimmerpreisen an die Schmerzgrenze. Die zu Fuss erreichbaren Herbergen verlangen im Schnitt 1200 Franken - pro Nacht wohlverstanden. Und weil das so preiswert ist, darf das Frühstück nochmals 40 Euro extra kosten. Meersicht liegt auch nicht drin. Dafür der Blick in den Hinterhof, wo massenweise Gartenmöbel, die ihre beste Zeit schon lang gesehen haben, still vor sich hin rosten.

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