Aktualisiert 04.04.2009 15:57

Italien

Monster-Demo gegen Berlusconi

In Rom sind mehrere hunderttausend Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Strasse gegangen. Sie warfen der Regierung mangelhafte Massnahmen gegen die Finanzkrise vor.

Auf Initiative der linken Gewerkschaft CGIL wurden Arbeiter, Rentner, Einwanderer und Studenten aus dem ganzen Land mit 40 Zügen und fast 5000 Bussen in die italienische Hauptstadt gebracht.

Fünf verschiedene Demonstrantenzüge durchquerten die Stadt und trafen sich am historischen Monument des Circo Maximus. An der folgenden Kundgebung im Circus Maximus forderte Gewerkschaftschef Guglielmo Epifani unter dem Applaus der Demonstranten einen runden Tisch im Kampf gegen die Wirtschaftskrise.

Es gebe eine zu grosse Kluft «zwischen dem, was getan wird, und dem, was getan werden muss.» Epifani sprach von «einer der grössten Demonstrationen aller Zeiten in Italien». Laut den Organisatoren beteiligten sich 2,7 Millionen Personen an der Kundgebung. Von unabhängiger Seite wurde diese Angabe nicht bestätigt.

Berlusconi verspottet

Auf Transparenten forderten Demonstranten den Rücktritt Berlusconis, der im vergangenen Jahr zum dritten Mal zum Regierungschef gewählt worden war. «Nieder mit dem neuen Mussolini» hiess es auf einem Plakat.

Andere machten sich mit «Mister Obamaaaa»-Rufen über Berlusconis Verhalten beim G-20-Treffen in London lustig, als dieser bei einem Fototermin durch laute Rufe den US-Präsidenten an seine Seite locken wollte. «Berluscama, Yes You Can't» hiess es auf einem anderen Transparent in Anspielung auf Obamas berühmten Wahlslogan.

Italien ist von der globalen Wirtschaftskrise hart getroffen. Im dritten Quartal 2008 rutschte das Land in die Rezession. In der Industrie gingen allein in den ersten zwei Monaten des neuen Jahres mehr als 370 000 Jobs verloren, ein Anstieg von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Berlusconi steht seit längerem wegen seiner nach Ansicht der Kritiker zu zögerlichen Massnahmen gegen die Finanzkrise in der Kritik. Die Gewerkschaft CGIL kündigte weitere Proteste an, unter anderem am Nationalfeiertag, dem 25. April.

Völlig sinnlos

Die Regierung Berlusconi kritisierte die Proteste der Gewerkschaften, die erste Massenkundgebung gegen die Regierung seit deren Amtsantritt im vergangenen Mai.

«Die Demonstration ist so absurd wie ein Streik gegen den Regen. Gegen eine Krise mit globaler Dimension sind Demonstrationen sinnlos», kommentierte Arbeitsminister Maurizio Sacconi. «Diese Demonstration hat rein politische Natur und hilft den Italienern in keiner Weise, einen Ausweg aus der Krise zu finden», sagte Sacconi. (sda)

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