Corona-Kritiker von «Mass-voll!» starten schweizweite Werbeoffensive
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FinanzierungMonster-Werbeoffensive von «Mass-voll!» stösst auf Skepsis

Der Verein «Mass-voll» macht aktuell mit grossflächigen Inseraten auf sich aufmerksam. Betrachterinnen und Betrachter fragen sich, woher der junge Verein das Geld dafür hat.

von
Bettina Zanni
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«Wir sind schweizweit auf über 1000 Bildschirmen präsent», sagt Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident des Vereins.

«Wir sind schweizweit auf über 1000 Bildschirmen präsent», sagt Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident des Vereins.

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Sowohl im Hauptbahnhof Zürich …

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als auch im Bahnhof Luzern flimmern sie über den grossen Bildschirm direkt neben der Abfahrtstafel.

als auch im Bahnhof Luzern flimmern sie über den grossen Bildschirm direkt neben der Abfahrtstafel.

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Darum gehts

  • Sowohl im Hauptbahnhof Zürich als auch im Bahnhof Luzern flimmern Inserate des Vereins «Mass-voll!» über den grossen Bildschirm.

  • Die grosse Werbeoffensive der jungen Bewegung wirft auf Social Media Fragen über die Finanzierung auf.

  • «Das Geld erhielten wir von Kleinspendern», behauptet Co-Präsident Nicolas A. Rimoldi.

An den Plakaten der Corona-kritischen Bewegung «Mass-voll!» kommen Passantinnen und Passanten zurzeit kaum vorbei. In Bahnhöfen, Bussen und in Poststellen werben sie für ein Nein zum Covid-19-Gesetz und zum PMT-Gesetz. «Wir sind schweizweit auf über 1000 Bildschirmen präsent», sagt Nicolas A. Rimoldi, Co-Präsident des Vereins.

Kürzlich feierte der Verein auf Social Media zwei besonders prominent platzierte Inserate: Sowohl im Hauptbahnhof Zürich als auch im Bahnhof Luzern flimmern sie über den grossen Bildschirm direkt neben der Abfahrtstafel. Rund 3800 Franken pro Tag kostet laut der Plakatgesellschaft APG SGA etwa ein alle zwei Minuten ausgestrahlter Zehn-Sekunden-Spot auf dem Rail-eBoard im Zürcher Hauptbahnhof. Allein das laut Rimoldi für elf Tage geschaltete Inserat würde die Bewegung demnach rund 41’000 Franken kosten. Die grosse Werbeoffensive der jungen Bewegung wirft auf Social Media Fragen über die Finanzierung auf:

«Geld erhielten wir von Kleinspendern»

«Es überrascht selbst uns, was wir hier in Bewegung gesetzt haben. Dass unser Erfolg Anlass zu Spekulationen gibt, ist natürlich völlig legitim – Unterstellungen jedoch nicht», sagt Nicolas A. Rimoldi. Der Verein setze einen «mittleren fünfstelligen» Betrag für die Werbeoffensive ein. «Das Geld erhielten wir von Kleinspendern – es ist gewaltig, wie viele Spenden unser erst drei Monate alter Verein täglich erhält.» Jugendliche hätten sich mit kleinen Beiträgen wie zum Beispiel einem Zehner-Nötli beteiligt. «Teilweise erhielten wir auch Spenden im drei- bis vierstelligen Bereich.»

Ob auch finanzstarke Privatspenderinnen und -spender darunter seien, wolle er zurzeit nicht sagen, so Rimoldi. «Geplant ist, die Finanzen transparent offen zu legen». Da derzeit viel laufe, sei dies noch nicht geschehen. «Die zahlreichen Spenden bestätigen, wie gross das Leid bei den Jungen aufgrund der Zwangsmassnahmen ist.» «Mass-voll!» sei innerhalb von drei Monaten zu einem schlagkräftigen politischen Akteur gewachsen, behauptet er. Sie seien optimistisch, die Abstimmungen zu gewinnen. «Enorm viel hat unsere Bewegung sowieso erreicht, unabhängig vom Ausgang der Abstimmung.»

Werbeeffekt werde wohl nicht reichen

Kampagnen-Spezialist Mark Balsiger hält es für möglich, dass dem Verein viele Leute kleine Beträge gespendet haben. Er sei für Menschen, die mit den Massnahmen nicht zufrieden sind, zu einem Magnet geworden. «Es klingt natürlich gut, wenn man von Tausenden von Leuten spricht, die Geld überwiesen haben.» Da Parteien und Komitees ihre Budgets und Spenden nicht transparent machen müssten (siehe Box), könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch Grossspenderinnen und -spender dabei seien.

Den Wind drehen kann der Verein mit der Kampagne laut Balsiger aber nicht mehr. «Der Effort kommt zu spät. Sagen über 60 Prozent im Vorfeld einer Behördenvorlage ja, kann man davon ausgehen, dass sie angenommen wird.» Laut der zweiten Welle der 20 Minuten-/Tamedia-Abstimmungsumfrage vom 19. Mai wollen 67 Prozent der Befragten sowohl für das Covid-19-Gesetz als auch für das PMT-Gesetz stimmen.

Transparenz-Initiative

Der Nationalrat debattiert am Mittwoch über die Transparenz-Initiative. Diese verlangt, dass Parteien und Komitees ihre Finanzen transparent machen müssen. So sollten Parteien gegenüber der Bundeskanzlei ihre Rechnung und die Herkunft aller Spenden über 10’000 Franken offenlegen. Personen und Komitees, die in einer Kampagne mehr als 100’000 Franken einsetzten, sind verpflichtet, Grossspenden zu deklarieren. Lanciert wurde die Initiative von der SP, den Grünen, der BDP und EVP sowie der Piratenpartei und Transparency International Schweiz. Bekämpft wird sie von der SVP, FDP und der Mitte.

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