Moores Bush-Kritik kommt in US-Kinos
Aktualisiert

Moores Bush-Kritik kommt in US-Kinos

Am Freitag läuft Michael Moores Film «Fahrenheit 9/11» - zum spürbaren Ärger der Republikaner - in hunderten amerikanischen Kinos an.

George W. Bush lächelt beseelt und glücklich. Artig hält er die Hand des listig dreinblickenden Michael Moore und lässt sich widerstandslos vom Weissen Haus wegführen - an einen imaginären Ort, wo er nach Überzeugung des Regisseurs besser aufgehoben wäre, als im Machtzentrum der USA. «Streit... Was für ein Streit?» steht über der Fotomontage für das Plakat zu Michael Moores Film.

Nie zuvor ist in den USA ein Dokumentarfilm auf ein derart grosses Interesse gestossen wie Moores zweistündiger Anti-Bush- Streifen. In zunächst rund 500, später gar in insgesamt nahezu 1000 Kinos soll er zu sehen sein - eine Grössenordnung, in der sonst nur Spielfilme rangieren.

Zweiter Oscar?

Ovationen gab es bereits zuvor bei Premieren vor geladenen Gästen, unter ihnen viele Hollywoodstars, in New York und Los Angeles. Riesenbeifall ertönte auch bei einer Sonderführung für Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die Moore im vergangenen Jahr für seinen Film «Bowling for Columbine» mit einem Oscar geehrt hatte.

Dass dem Regisseur und Buchautor (»Stupid White Men») nach dem grandiosen Sieg seines Films beim Filmfestival in Cannes nun ein weiterer Oscar winkt, halten manche in Hollywood für ausgemacht. Zudem dürfte sein Konto dank des absehbaren finanziellen Erfolgs von «Fahrenheit 9/11» um einige Millionen Dollar anwachsen. Doch wird Moore wirklich als der Mann in die Geschichte eingehen, der einen US-Präsidenten mit einem Film «stürzte»?

Republikaner rufen zum Boykott auf

Der Medienexperte der Washingtoner «Denkfabrik» Center for Media and Public Affairs, Matthew Felling, sagte voraus, der Film, der den US-Präsidenten als Versager im Anti-Terrorkampf, dicken Freund der saudischen Ölscheichs und als Marionette amerikanischer Konzerne darstellt, werde lediglich die Bush-Gegner in ihren Überzeugungen bestärken. Wähler der Republikaner würden sich jedoch selbst dann nicht umstimmen lassen, wenn sie den Film anschauten.

Auffallend ist allerdings die Vehemenz, mit der Parteigänger der Republikaner «Fahrenheit 9/11» bekämpfen. So rief die Organisation «Move America Forward», die dem Rechtsaussenflügel der Bush-Partei nahe steht und sich bereits erfolgreich an der Kampagne zur Abwahl des demokratischen Gouverneurs von Kalifornien beteiligte, in einer Internet- und e-mail-Aktion zum nationalen Boykott des Films auf.

Nützt er Busch oder schadet er ihm?

Terrororganisationen würden für die Verbreitung des «Moore- Machwerks» sorgen, streute «Move America Forward». Kinobesitzer wurden aufgefordert, diesen «Schulungsfilm der El Kaida» nicht zu zeigen.

Viele hätten sich bereits gegen den Moore-Streifen entschieden, «der von den meisten Amerikanern abgelehnt wird», erklärte die rechte Talkshow-Moderatorin und Vizevorsitzende von «Move America Forward», Melanie Morgan.

Gerade dank solcher Anfeindungen und Verhinderungsversuche, die schon vor Monaten damit begannen, dass der Disney-Konzern seiner Tochterfirma Miramax den Vertrieb des Films untersagte, werde «Fahrenheit 9/11» ein Kassenschlager, glaubt hingegen der Politikwissenschaftler Stephen Farnsworth vom Mary Washington College.

Dass der Film Wähler gegen Bush mobilisiert, hält er wegen dessen «Entertainment-Format» durchaus für möglich. Er sei besonders für jüngere Leute attraktiv, von denen sehr viele gern ins Kino, aber normalerweise nicht zur Wahl gehen würden.

(sda)

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