03.08.2015 22:32

«Inzest-Opfer» Mops-Satire treibt Hundehalter zur Weissglut

Eine Facebook-Seite macht sich lustig über Möpse und ihre Halter – und erntet massive Drohungen. Woher kommt dieser Hass?

von
R. Neumann
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Unter ihrem Klarnamen posten Nutzer die übelsten Beschimpfungen.

Unter ihrem Klarnamen posten Nutzer die übelsten Beschimpfungen.

Screenshot Facebook
Dabei kommt eine unverhältnismässige Wut zum Ausdruck.

Dabei kommt eine unverhältnismässige Wut zum Ausdruck.

Screenshot Facebook
Sein Wunsch dürfte ungehört verhallen.

Sein Wunsch dürfte ungehört verhallen.

Screenshot Facebook

«‹Der Mops ist möglich, aber sinnlos.› – altes chinesisches Sprichwort.» Das ist ein Eintrag auf der Facebook-Seite «Möpse sind gar nicht mal so tolle Tiere». Diese Verballhornung eines Loriot-Zitats sammelte knapp 70 Kommentare. Viele von ihnen überhäuften den unbekannten Verfasser mit Schimpfwörtern, von denen «Idiot» und «Trottel» noch am harmlosesten sind.

Dabei ist die Seite auf den ersten Blick klar als Satire-Seite zu erkennen. So posteten die Betreiber eine Einladung zu einem «Gegenhund-Sommergrillen» am Schlachtensee. Am 18.30 Uhr finde das Kleinhundschiessen statt, danach würden die Hunde grilliert. Ein anderer Eintrag ist Werbung für einen Foodstand, an dem Möpse fachgerecht für «leckere Mopsfalafel» geschächtet werden.

Diese Art von Humor scheint bei den Mopsbesitzern nicht anzukommen. Zuschriften zeugen von einem Hass und einer Emotionalität, die seinesgleichen suchen. «Dir müsste man das Fell abziehen», «Du kleiner Inzest-Unfall», oder «Du gehörst ins KZ» ist zu lesen. Durchs Band drücken Nutzer ihre Wut in schillerndsten Farben aus – unter ihrem Klarnamen, ohne sich zurückzuhalten.

Gesellschaftliche Missstände aufzeigen

Obwohl Satire, hat die Seite einen ernsten Hintergrund, wie die beiden Betreiber auf Nachfrage schreiben. «Der Mops ist ein Paradebeispiel für Qualzucht. Sehr viele dieser Hunde haben zum Beispiel Atemprobleme und können ihre Körpertemperatur nicht richtig regulieren.» Die beiden Betreiber, die anonym bleiben wollen, sehen in den Mopshaltern aber das eigentliche Problem: «Sie sind gern bereit, über die Einschränkungen und Qualen ihrer Tiere hinwegzusehen, weil das ja alles niedlich ist.»

Die Satire sei ein wunderbarer Weg, um gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen. «Wir sehen es auch als ein Experiment.» Von den hasserfüllten Kommentaren inklusive Morddrohungen seien sie nicht überrascht. «Geradezu lächerlich erscheint es auch, wenn sich die Kommentierenden einen philanthropischen Anstrich geben und dann Sachen schreiben wie ‹Man sollte euch aufschlitzen und vergasen›.»

«Stolz darauf, sich gewehrt zu haben»

Martin Wettstein, Projektassistent für Medienpsychologie an der Uni Zürich, sagt: «Menschen, denen ein Thema nahegeht, also die selber einen Mops haben oder züchten, reagieren oft empört, wenn ihre Leidenschaft angegriffen wird.» Erstaunt ist er, dass Nutzer Morddrohungen unter ihrem Klarnamen schreiben. «Die Verfasser sind stolz darauf ‹sich gewehrt› zu haben, deshalb kommt es ihnen auch gelegen, wenn ihre Facebook-Freunde solche drastischen Einträge sehen.»

Mops-Fans gibt es in der Schweiz viele: In der Schweiz rangiert er in den Top Ten der neu registrierten Hunderassen im letzten Jahr. Gemäss der Registrierungsstelle Anis waren im vergangenen Jahr 5902 Möpse registriert. Doch Mops-Züchterin Claudia Schivano sagt: «Es gibt immer noch viel zu viele Möpse mit gesundheitlichen Beschwerden, weil der Trend dazu gegangen ist, den Hund immer noch niedlicher und süsser aussehen zu lassen.»

Sie reagieren ziemlich empfindlich

Einige Mopshalter verschliessen die Augen vor der Realität und «lügen sich selbst in die Tasche», sagt sie. Schiavone züchtet den altdeutschen Mops, der grösser ist und eine längere Schnauze hat und vermeidet so gesundheitliche Beschwerden ihrer Tiere.

Dass einige Halter auf Social Media derart heftig emotional reagieren, erklärt Schiavone so: «Viele Mopshalter müssen sich auf der Strasse oft Kommentare zu ihren Tieren anhören, deshalb sind viele auf das Thema sensibilisiert – und reagieren ziemlich empfindlich.»

Martin Wettstein beobachtet noch andere Seiten, die es sich zum Sport gemacht haben, möglichst provokative Postings zu veröffentlichen und danach sich darüber zu belustigen, wie viele Leute sich darüber aufregen. «Sie suchen sozusagen das Anti-Like.» Die beiden Betreiber von «Möpse sind gar nicht so tolle Tiere» schreiben: «Wir denken im Angesicht des Erfolges über neue Projekte nach.»

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