Morales schickt Truppen auf Gasfelder
Aktualisiert

Morales schickt Truppen auf Gasfelder

Bolivien hat am Montag seine Öl- und Gasindustrie verstaatlicht und die von internationalen Konzernen betriebenen Gasfelder von seinen Truppen besetzen lassen.

Der linksgerichtete Präsident Evo Morales erliess ein Dekret, das die Gesellschaften verpflichtet, ihre gesamte Produktionskette innerhalb von sechs Monaten der staatlichen Ölgesellschaft zu unterstellen. Morales drohte Unternehmen, die nicht zu neuen Verträgen bereit sind, mit der Ausweisung. Zugleich ordnete er die Entsendung von Soldaten und Intenieuren der staatlichen Ölgesellschaft an.

«Dies ist ein historischer Tag, an dem Bolivien die völlige Kontrolle unserer natürlichen Ressourcen zurückerhält», sagte Morales auf dem im Süden des Landes gelegenen Gas- und Ölfeld San Alberto. Im Anschluss an die Rede wurde dort die bolivianische Flagge gehisst.

Morales kündigte auch an, dass die in den 90er Jahren erfolgte Privatisierung von Unternehmen der Öl- und Gasindustrie rückgängig gemacht werde. Dabei werde der Staat die Aktien im Besitz von ausländischen Firmen übernehmen. Die wichtigsten in Bolivien tätigen Gesellschaften sind die brasilianische Petrobras, das spanisch-argentinische Unternehmen Repsol YPF, die britischen Unternehmen British Gas und BP sowie der französische Konzern Total. Sie sollen künftig ihre Geschäfte nur noch über die staatliche Gesellschaft Yacimientos Petroliferos Fiscales Bolivianos abwickeln können.

Weitere Verstaatlichungen geplant

Morales will nach der Verstaatlichung der Öl- und Gasressourcen auch weitere Wirtschaftsbereiche unter die Kontrolle des Staates stellen: den Bergbau sowie die Forst- und Landwirtschaft.

Diese Bereiche werde er als nächstes verstaatlichen, sagte Morales am Montag bei einer Kundgebung in La Paz.

Das Ansinnen Morales' wurde international kritisiert, so auch von Boliviens Nachbarland Brasilien. Die Verstaatlichung der Öl- und Gasressourcen sei eine «unfreundliche Geste» und könne als Bruch früherer Vereinbarungen verstanden werden, sagte Bergbau- und Energieminister Silas Rondeau in der Internetausgabe der Zeitung «Folha».

Auch der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich besorgt über die Ankündigung von Morales. Zwar sei die Reichweite der Beschlüsse noch nicht klar, sagte Steinmeier am Montag (Ortszeit) am Rande seines Besuches in Chile. Die Entwicklung sei aber keine günstige Ausgangsbedingung für Boliviens Wirtschaftsbeziehungen mit den Nachbarstaaten und mit Europa. «Das lässt sicher einige Investoren vorsichtig sein.»

Auch die spanische Regierung äusserte sich tief besorgt über den Schritt von Boliviens linksgerichtetem Präsidenten.

Bolivien hat nach Venezuela die zweitgrössten Erdgas-Ressourcen in Südamerika.

(sda)

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