Mord als Liebesbeweis
Aktualisiert

Mord als Liebesbeweis

Erschlagen, zerstückelt und einbetoniert: Mit einem Geständnis von zwei der vier Angeklagten hat vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozess wegen der Ermordung eines 19-jährigen Schülers begonnen.

Die Beschuldigten im Alter zwischen 17 und 23 Jahren sollen den Franzosen Yvan S. am 21. August vergangenen Jahres in Rommelshausen im Remstal getötet, seine Leiche mit einem Beil zerstückelt und teilweise in Kübel einbetoniert haben. Mordmotiv war nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Eifersucht.

Angeklagt vor dem Landgericht sind drei Männer von 18, 19 und 23 Jahren sowie eine 17-jährige junge Frau. Als Hauptbeschuldigter gilt der 19-Jährige. Er verweigerte vor Gericht die Aussage. Ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten hat ihm eine verminderte Schuldfähigkeit bescheinigt, was zu einer Strafmilderung führen könnte. Das Gericht erklärte ihn aber für verhandlungsfähig.

Zwei Mitangeklagte, ein 18-jähriger Ex-Soldat und die 17-Jährige, legten ein Geständnis ab. Das Mädchen war die Freundin des Hauptangeklagten; nach Ansicht des Gerichts wurde Yvan S. getötet, weil der 19-Jährige auf den Gymnasiasten eifersüchtig war.

Dabei habe sie keinen regelmässigen Kontakt zu dem jungen Franzosen gehabt, sagte die 17-Jährige. Ihr Freund habe sie im vergangenen Jahr aufgefordert, die Namen ihrer Ex-Partner zu nennen. Sie habe erklärt, Yvan S. mal geküsst zu haben. Nach Aufforderung ihres Freundes habe sie S. am 21. August unter einem Vorwand in ein abgelegenes Gebiet in Rommelshausen gelockt und zugesehen, wie der 19-Jährige und der Ex-Soldat den Ahnungslosen getötet hätten. Danach habe ihr Freund gesagt: «Jetzt weiss Du, wie sehr ich Dich liebe.»

Die Beziehung beschrieb sie als «nicht normal». Ihre Exfreunde seien immer ein grosses Thema gewesen. Der 18-jährige Ex-Soldat, der sich als besten Freund des 19-Jährigen bezeichnete, beschrieb, wie die zwei den Schüler zusammengetreten und erschlagen hätten. Das Mädchen habe daneben gestanden «und die ganze Zeit geweint». Gemeinsam hätten sie die Leiche in eine Halle nach Stuttgart transportiert.

Dort zerstückelten sie gemeinsam mit dem 23-jährigen Angeklagten nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Leiche und betonierten sie später teilweise in Blumenkübel ein. Der Rumpf wurde nach der Aussage eines der Tatverdächtigen im Wald von Grossbottwar bei Ludwigsburg gefunden. Die anderen Leichenteile versenkten die Täter im Neckar bei Plochingen. Bei der Polizei hatten alle Angeklagten die Tat bereits weitgehend gestanden.

Angeklagte der Polizei bekannt

Bei der Verlesung der Anklage weinte der Vater des Opfers. Der Hauptangeklagte, der eine Kapuzenjacke trug, wurde mit Fussfesseln in den Saal geführt. Die drei Männer waren der Polizei bereits bekannt, entweder wegen Drogendelikten, Diebstahls oder Körperverletzungsdelikten. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Zum Prozessauftakt fanden sich Freunde und Angehörige des Mordopfers vor dem Gerichtssaal zu einem stillen Gedenken ein. Manche trugen ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck: «Gewalt hilft niemals weiter.» Eine Initiative aus dem Umfeld von Yvan S. sammelte Unterschriften, damit «bei diesem beispiellos grausamen Mord» nicht nach dem Jugendstrafrecht geurteilt werde. (dapd)

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