Mord am Fluglotsen: Täter rächte Familie
Aktualisiert

Mord am Fluglotsen: Täter rächte Familie

Die schreckliche Vermutung scheint sich zu bestätigen: Der brutale Messermord am 36-jährigen Fluglotsen P. N. ist der Racheakt eines Mannes, der bei der Flugkatastrophe von Überlingen seine Familie verloren hat.

Der Mord am 36-jährigen Skyguide-Fluglotsen P. N. ist wohl geklärt. Die Polizei hat den mutmasslichen Täter verhaftet.

Der brutale Mord vom vergangenen Dienstag ist höchstwahrscheinlich der Racheakt eines Hinterbliebenen von Opfern der Flugzeugkatastrophe von Überlingen vom Juli 2002 gewesen. Der Verhaftete verlor damals seine Frau, seine Tochter und seinen Sohn.

Der Verhaftete sei aufgrund zahlreicher Ermittlungsergebnisse «ins Zentrum des Tatverdachts» gerückt, sagte der zuständige Bezirksanwalt Pascal Gossner gestern vor den internationalen Medien. Der 48-Jährige wurde am späten Mittwochnachmittag in einem Klotener Hotel verhaftet. Einige Stunden später stellte die Polizei auch die weggeworfene mutmassliche Tatwaffe sicher – ein 22 Zentimeter langes Klappmesser mit einer 14 Zentimeter langen Klinge.

Für seinen Aufenthalt in der Schweiz gab der nicht geständige Verhaftete laut Gossner Gründe an, auch für die Tatzeit nannte er ein Alibi. Dies alles werde nun überprüft.

Bei den Einvernahmen sei deutlich geworden, dass der Mann den Verlust seiner Familie noch gar nicht verkraftet habe. Da er in der Schweiz keinen Wohnsitz hat und Fluchtgefahr besteht, beantragte der Bezirksanwalt Untersuchungshaft.

Mordopfer wollte aus Kloten weg

Das Mordopfer P. N. hat seine Stelle bei Skyguide Ende 1995 angetreten. Er hatte 1994 in Dänemark als Fluglotse zu arbeiten begonnen. Der Däne war am 1. Juli 2002 der verantwortliche Skyguide-Fluglotse, als über Überlingen am Bodensee ein russisches Passagier- und ein DHL-Frachtflugzeug kollidierten. Dabei starben 71 Personen, darunter 45 Kinder und Jugendliche aus der russischen Teilrepublik Baschkirien. Die Lizenz des Fluglotsen war seither sistiert, er arbeitete fortan an internen Skyguide-Projekten, wie bei

der Flugsicherung zu erfahren war. Familienvater P. N. stand kurz vor einem Umzug nach Genf, wo er weiterhin für Skyguide arbeiten sollte.

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