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Mord im Chinarestaurant: Zeuge liegt im Sterben

In einem China-Restaurant wurden sechs Tote entdeckt. Die Toten waren alle Asiaten. Die Polizei hofft wahrscheinlich vergeblich, von einem verletzten Überlebenden Hinweise zu erhalten. Der Zeuge liegt im Sterben.

Der sechsfache Mord in Niedersachsen gibt der Polizei bis jetzt nur Rätsel auf. Drei Männer und drei Frauen wurden im Lokal «Lin Yue» in Sittensen nahe Hamburg am Montagmorgen erschossen aufgefunden. Die Leichen der Asiaten waren teilweise gefesselt, wie die Polizei mitteilte. Unter den sechs Toten soll das Ehepaar sein, das das Restaurant betrieben hat. Die Ermittler haben das bislang nicht bestätigt. Die anderen zwei toten Männer und zwei Frauen sollen zu ihren Angestellten gehört haben.

Der wichtigste Zeuge ist ein lebensgefährlich verletzter Mann, um dessen Gesundheitszustand es "sehr schlecht" bestellt sei, so Polizeisprecher Kaldinski. Der 47-Jährige, dessen Ehefrau unter den Opfern ist und der um 0.30 Uhr die grausige Entdeckung machte, wird psychologisch betreut.

Die Polizei löste eine Grossfahndung aus, hat aber bisher keine Hinweise auf die Täter und sucht nach Zeugen. Der Verdacht eines mafiaähnlichen Hintergrundes liegt nahe. "Wir ermitteln in alle Richtungen - auch was organisierte Kriminalität angeht", sagt Polizeisprecher Kaldinski und wartet auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Die Polizei hofft ausserdem, von der einzigen überlebenden Person Informationen zu erhalten. Doch die Chancen stehen schlecht. Gemäss jüngsten Medienberichten liegt die Frau im Sterben.

Der 47 Jahre alte Ehemann entdeckte das Verbrechen, als er um 00.30 Uhr seine Frau aus dem China-Restaurant abholen wollte, wie die Polizei erklärte. Die dort beschäftigte Frau war unter den Toten, die in verschiedenen Räumen der Gaststätte lagen.

Nach Polizeiangaben gibt es bisher keine weiteren Zeugen oder Täterhinweise. Einzelheiten über die Lage der Leichen will die Polizei laut Sprecher Detlev Kaldinski nicht veröffentlichen, weil es sich um Täterwissen handele.

Laut Polizei spielte sich das Verbrechen im Lokal «Lin Yue» im Ortskern des 10.000-Einwohner-Ortes Sittensen ab. Die Gaststätte liegt im ersten Stock eines Geschäftshauses, im Erdgeschoss befinden sich Geschäfte. Das Lokal gilt als völlig unauffällig.

Laut Bürgermeister Stefan Tiemann ist das Lokal seit Dezember 1997 in Sittensen ansässig. Die Wirtsfamilie habe sich «gut eingefügt» in die Ortsgemeinschaft. Die Gaststätte sei beliebt gewesen. «Das ist ein klasse Restaurant», sagte der Bürgermeister. Die Betreiber hätten im Ort gewohnt, in Wohnräumen direkt über dem Lokal.

In dem ländlich geprägten Ort hat das Verbrechen Entsetzen ausgelöst: «Das ist schrecklich», sagte der Bürgermeister. Die Betreiber des Lokals gelten als beliebt: «Das sind ganz liebe Menschen, ich habe nie ein böses Gesicht dort gesehen», sagte Hilly Behrens, die sich selbst als Freundin der Familie bezeichnete.

Die Polizei rief Experten des Bundeskriminalamtes hinzu, um die Tat aufzuklären. Eine Sonderkommission wurde eingerichtet. Die Polizei forderte alle Gäste des Lokals vom Sonntagabend auf, sich als Zeugen zu melden. Für Hinweise hat die Polizei ein Hinweistelefon unter der Nummer 04261-947-304 eingerichtet.

Die Gaststätte, die 1997 eröffnete, galt als beliebt in dem kleinen Ort, aber auch im benachbarten Scheessel und Umgebung. "Es ist ein gut situiertes Lokal, das von der Bevölkerung gut angenommen wurde", sagt Polizeisprecher Kaldinski. An einen Einsatz dort kann er sich nicht erinnern. Die Kollegen von der Polizei seien höchstens zum Essen ins "Lin Yue" gekommen.

(dapd)

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