Mord ist fast immer Familiensache
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Mord ist fast immer Familiensache

Die Zürcher Kriminalstatistik zeichnet ein dramatisches Bild: Von 14 Tötungen standen 10 im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Tendenz steigend.

Das Bild der häuslichen Gewalt ist alarmierend, wie Marcel Suter, Kapo-Chef der Zürcher Spezialabteilung 2, ausführte. Von den 14 Zürcher Tötungsdelikten standen 10 im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt (2004 waren es 6 von 16). Dazu kamen 17 versuchte Tötungen.

Die Zürcher Kantonspolizei registrierte total 1022 schwere Delikte gegen Leib und Leben, das sind 44 mehr als im Vorjahr. Diesen Anstieg erklären die Experten vor allem mit der vollen Registrierung der häuslichen Gewalt: Das einschlägige Gesetz trat erst am 1. April 2004 in Kraft - im Vorjahr wurden also nur die Delikte aus drei Vierteln des Jahres erfasst.

Sorgenkind Jugendkriminalität

Eine Zunahme verzeichent die Statistik auch bei einfachen Körperverletzungen und wiederholten Tätlichkeiten. Speziell Sorgen bereite ausserdem die Jugendkriminalität, sagte Suter. Die Anzahl Delikte stieg hier um 2,2 Prozent, jene der Tatverdächtigen um 9,3 Prozent. Vor allem bei Gewaltdelikten sieht man eine starke Zunahme. Bei Raubtaten etwa macht der Anteil der jugendlichen Tatverdächtigen um die 40 Prozent aus, bei anderen Delikten liegt sie zwischen 10 und 20 Prozent.

Dass mehr Jugendliche in der Statistik aufgenommen werden, hänge zwar auch mit der Aufstockung der Polizei-Jugenddienste und mit einer besseren Vernetzung mit den Schulen zusammen. Die Zunahme der Jugendkriminalität «lässt sich aber nicht wegreden», sagte Suter. Gründe sieht er insbesondere in unguten Familiensituationen und in Integrationsproblemen.

Die Zahl der erfassten und angezeigten Delikte im Kanton Zürich ist im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Es gebe aber keinen Grund zur Euphorie, sagte Kripo- Chef Bernhard Herren am Mittwoch vor den Medien.

Im ganzen Kanton Zürich erfasste die Kriminalpolizei im Jahr 2005 insgesamt 153 223 Straftaten - 13 796 weniger als im Jahr zuvor. Allein in der Stadt Zürich waren es 80 758 Delikte. Auch hier wurde ein Minus von 9,1 Prozent registriert. Mehr Straftaten als im Vorjahr verzeichente nur der Bezirk Dielsdorf (&3,1 Prozent)- allerdings auf tiefem Niveau von total 5092 Taten.

Rund 70 Prozent sämtlicher Delikte waren Vermögensdelikte, wie die Kriminalstatistik (KRISTA) 2005 ausweist, welche in Auszügen am Mittwoch präsentiert wurde. Bei insgesamt recht tief liegenden Zahlen markant häufiger registriert wurden Betrug (3435, Vorjahr 2442), Check- und Kreditkartenbetrug (112/59) sowie Erpressung (93/59).

Ausländerkriminalität: Kanton handelt

Nicht mehr bloss zusehen, sondern handeln will der Kanton Zürich laut Kripo-Chef Herren bei der Ausländerkriminalität. Nach dem Bund hat jetzt auch der Kanton eine Arbeitsgruppe bestellt, welche Massnahmen ausarbeitet. Ziel sei es, Leute, die immer wieder straffällig werden «mit vereinten Kräften» aus dem Land zu weisen.

In der Kommission vertreten sind das Migrations- und das Sozialamt, die Staatsanwaltschaft, die Kantonspolizei, die Stadtpolizeien von Zürich und Winterthur sowie das Bundesamt für Migration. Die Kommissionsmitglieder seien bestimmt, sagte Herren, zur Zeit suche man einen ersten Gesprächstermin.

Insgesamt und über alle Delikte gesehen ist zwar der Anteil Ausländerinnen und Ausländer um 1,8 Prozent auf 45,5 Prozent zurückgegangen. Bei den schweren Delikten gegen Leib und Leben stieg er jedoch um 3,7 auf 62,9 Prozent und bei den Sexualdelikten um 4,5 auf 44,9 Prozent.

Generell habe die Polizei mit den immer wieder gleichen Straftätern zu tun, sagte Herren. Die Hälfte aller 2005 erfassten tatverdächtigen Ausländer haben die Niederlassung. 16,2 Prozent sind Asylsuchende und 5,5 Prozent halten sich illegal in der Schweiz auf.

Drogenhandel auf dem Land

Einen leichten Rückgang verzeichnet die Statistik schliesslich auch bei den Drogendelikten. 15 337 wurden 2005 erfasst, 2004 waren es 15 568. Der Drogenhandel hat sich offenbar von der Stadt aufs Land verschoben: In der Stadt Zürich gingen die Dealerdelikte um 3,9 Prozent zurück, im übrigen Kantonsgebiet stiegen sie um 17,5 Prozent an.

Beschlagnahmt wurden 3,1 Tonnen Marihuana und Hanf, 88 Kilo Heroin und 209 Kilo Kokain und 14 Kilo Amphetamine. Dazu kamen gut 163 600 Ecstasy-Pillen und fast 14 400 Thaipillen.

(sda)

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