Azadeh Namdari: Mord, Unfall oder Suizid? Der Tod einer Star-Moderatorin sorgt in Iran für Debatten
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Azadeh NamdariMord, Unfall oder Suizid? Der Tod einer Star-Moderatorin sorgt in Iran für Debatten

Azadeh Namdari sorgte in Iran als TV- und Radiomoderatorin seit Jahren immer wieder für Kontroversen. Diese verstummen auch mit dem Tod der 36-Jährigen nicht.

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Das ganze Land kannte Azadeh Namdari als eine der jüngsten Moderatorinnen der 80er und 90er Jahre. 

Das ganze Land kannte Azadeh Namdari als eine der jüngsten Moderatorinnen der 80er und 90er Jahre.

Instagram / azadenamdari.original
Dieses Foto von sich mit blauem Auge postete Namdari während der Scheidung von ihrem ersten Ehemann 2016. Sie löste damit eine Diskussion über häusliche Gewalt aus.

Dieses Foto von sich mit blauem Auge postete Namdari während der Scheidung von ihrem ersten Ehemann 2016. Sie löste damit eine Diskussion über häusliche Gewalt aus.

Instagram/ Azadeh Namdari
Dieses Foto aus den Ferien in der Schweiz sorgte 2017 für grossen Aufruhr.

Dieses Foto aus den Ferien in der Schweiz sorgte 2017 für grossen Aufruhr.

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Darum gehts

  • Die umstrittene iranische Starmoderatorin Azadeh Namdari ist tot.

  • Die Behörden gehen von einem Unfall oder von Suizid aus.

  • Der Tod der 36-Jährigen wird im Land als die erste «kontroverse Meldung im neuen Jahr» bezeichnet.

Der Tod von Azadeh Namdari hat im Iran hohe Welle geschlagen. Die Leiche der umstrittenen ehemaligen TV- und Radiomoderatorin war am Samstag in ihrer Wohnung im Sa'adat-Abad-Distrikt, westlich von Teheran, gefunden worden. Die Polizei schloss ein Gewaltverbrechen schnell aus.

Dennoch überschlugen sich die Spekulationen, Gerüchte und Verschwörungstheorien über den «mysteriösen Tod» der einstigen Star-Moderatorin: Namdari sei an einem Herzinfarkt gestorben. Sie sei schwanger gewesen und von ihrem Mann umgebracht worden. Die Regierung habe sie umbringen lassen, weil man von handelspolitischen Problemen mit China ablenken wollte. In den Sozialen Medien feierten zahlreiche Hassbotschaften den Tod der jungen Frau, wegen ihrer Verbindungen zu den konservativen Staatsmedien. Die Nachricht vom Tod der ehemaligen Starmoderatorin sei die erste «kontroverse Meldung im neuen Jahr», so iranische Medien.

Immer wieder Kontroversen und Debatten

Tatsächlich kennt das ganze Land Namdari als eine der jüngsten Moderatorinnen der 80er und 90er Jahre. Sie verteidigte im staatlichen Radio und Fernsehen einen islamisch-konservativen Kleidungsstil und mahnte Frauen an, sich an die Kleidervorschriften zu halten. Später machten sie und ihr erster Mann, auch ein TV-Star, mit ihrer Scheidung landesweit Schlagzeilen. Der Höhepunkt war erreicht, als Namdari in den Sozialen Medien ein Foto von sich mit einem blauen Auge postete und hitzige Debatten über häusliche Gewalt auslöste.

Ihr Stern stürzte 2017 herab, als die bekennende Chadori während ihrer Ferien in der Schweiz heimlich fotografiert wurde – gänzlich unverhüllt und Bier trinkend, was beides im Iran verboten ist. Die Aufnahmen lösten eine landesweite Kontroverse aus, wobei Namdari zwischen Bank und Stuhl fiel.

Für junge Iraner und Aktivisten war sie eine Heuchlerin, die ihre Position im staatlichen Fernsehen missbrauche, «um eine Lüge zu verbreiten». Auch bei den Konservativen und Hardlinern war sie fortan untendurch. «Namdari ist ihren Job beim staatlichen TV los», vermutete ein iranischer damals gegenüber 20 Minuten. Er sollte recht behalten, die Mutter einer Tochter verlor ihren Job bei den Staatsmedien.

Suizid oder Unfall?

Dieser Verlust, so melden sich jetzt Stimmen, sei der wahre Grund für ihren Tod gewesen. Konservative Kreise hingegen schliessen aus, dass ihr einstiges Postergirl Suizid begangen haben könnte, zumal dies in der Sharia verboten ist. Umso mehr sorgten in den letzten Tagen Details aus der Einvernahme von Namdaris zweiten Ehemann für Aufsehen.

Dieser gab an, dass seine Frau regelmässig Antidepressiva zu sich nahm und die Dosierung gerne heraufschraubte. Auch ein toxikologischer Bericht spricht von Spuren eines starken Antidepressivums. Der Chef-Forensiker betont auf per.eurosnews.com: Ob es sich bei Namdaris Tod um einen Suizid oder einen Unfall durch Falschdosierung handle, werde in den kommenden Tagen abschliessend geklärt.

Iranische Medien berichten derweil, dass Azadeh Namdaris Instagram-Seite weiter bestehen und als Erinnerungsort dienen werde. Alle Fotos und Videos würde «für immer» unangetastet bleiben.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Suizidgedanken? Oder hast du jemanden durch Suizid verloren?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

(gux)

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